+
Zahnersatz kann teuer werden, deshalb sollten Patienten Angebote vergleichen.

Das sagen Experten!

Neue Zähne vom Kaffeeröster Tchibo

Heckenscheren, Mobilfunkverträge, MP3-Player – diese völlig unterschiedlichen Produkte hat der Kaffeeröster Tchibo im Angebot. Jetzt drängt das Unternehmen auch auf den Gesundheitsmarkt.

Gemeinsam mit dem Zahntechnik-Labor Novadent bietet Tchibo eine Zahnersatz-Karte an. Was es damit auf sich hat, wie die Karte funktioniert und wie Sie überhaupt bei Brücken und Kronen sparen können.

So bewirbt Tchibo das Angebot im Internet

Heckenscheren, Mobilfunkverträge, MP3-Player – diese völlig unterschiedlichen Produkte hat der Kaffeeröster Tchibo im Angebot. Jetzt drängt das Unternehmen auch auf den Gesundheitsmarkt. Gemeinsam mit dem Zahntechnik-Labor Novadent bietet Tchibo eine Zahnersatz-Karte an. Was es damit auf sich hat, wie die Karte funktioniert und wie Sie überhaupt bei Brücken und Kronen sparen können.

Was kostet die Karte?

 24 Euro, sie gilt dann zwei Jahre lang. Verkauft wird sie seit gestern im Online-Shop, in den Filialen ist sie ab 24. Juli erhältlich.

Was kann die Karte?

 „Die Karte ist mit einer Kundenkarte vergleichbar“, erklärt Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, im Gespräch. Inhaber der ZahnersatzCard bekommen Prozente auf die Produkte des Zahnlabors Novadent. Ein Vollkeramik-Inlay soll mit der Karte 83 Euro statt regulär 167 Euro kosten. Eine Novabrux-Vollkeramik-Markenkrone für Knirscher kostet mit Karte 99 Euro statt 105,50 Euro. Eine Metallkrone mit Keramik kostet 120 Euro, sonst bietet Novadent sie für 167 Euro an. Das Zahnarzthonorar wird durch die Karte übrigens nicht günstiger – hier macht jeder Mediziner weiter seinen eigenen Preis! „Ein höheres Honorar kann den Vorteil der Karte schnell wieder auffressen“, warnt Behrendt.

Kann man die Karte bei jedem Zahnarzt nutzen?

Theoretisch ja. „Jeder Patient hat die Wahl, bei welchem Dentallabor sein Zahnersatz gefertigt wird“, heißt es bei Tchibo. Doch viele Ärzte arbeiten mit Hauslaboren zusammen – denn sollte es zu Komplikationen bei der Behandlung kommen, haftet immer der behandelnde Arzt! Tchibo listet im Internet 1000 Zahnärzte auf, die mit Novadent zusammenarbeiten.

Wo kommen die Novadent-Produkte her?

Die Firma lässt ihre Brücken, Kronen und Implantate alle in der philippinischen Hauptstadt Manila anfertigen. „Das ist nicht außergewöhnlich. Eine ganze Reihe von Dentallaboren fertigen im Ausland“, weiß Behrendt. Grundsätzlich schlechter muss das nicht sein. Denn auch diese Produkte müssen dem deutschen Medizinproduktegesetz genügen.

Ist die Behandlung mit der Tchibo-Karte auf jeden Fall günstiger?

Nein, das muss nicht sein. „Die Karte erhöht den Anreiz, bei diesem bestimmten Anbieter zu kaufen und nicht mehr zu vergleichen, wer eigentlich wirklich am günstigsten ist“, erklärt Behrendt. Im Endeffekt hilft nur eines: der Preisvergleich zwischen unterschiedlichen Angeboten. Dabei zählt das Gesamtpaket und nicht nur die Kosten für das Labor.

Wie funktioniert das?

Verbraucherschützerin Behrendt erklärt: „Der Patient bekommt von seinem Zahnarzt zunächst einen Heil- und Kostenplan.“ Mit dem können sich die Patienten an ihre Krankenkasse wenden. „Viele Kassen bieten eine Prüfung dieser Pläne an.“ Zahnärzte haben bei der Honorargestaltung einen großen Spielraum. Patienten können diesen Plan auch selbst überprüfen. Im Internet können sie bei Anbietern von Zahnauktionen die Ergebnisse des Plans im Internet einstellen. Dann können sich, verschiedene Zahnärzte unterbieten. „Da sind zum Teil Ersparnisse von bis zu 50 Prozent drin – und zwar auf den Gesamtpreis und nicht nur auf die Laborkosten“, so Behrendt.

Mk.

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel

Trumpfkarte für Härtefälle

Zahnarzt Stefan Widmann

Der Münchner Zahnarzt Stefan Widmann gehört zu einem von 1000 Vertragspartnern in Deutschland, bei dem die Tchibo-Zahnersatzkarte genutzt werden kann. Wir haben mit dem Mediziner, der seit 20 Jahren als niedergelassener Zahnarzt in der Innenstadt arbeitet, über das neue Angebot des Kaffeerösters gesprochen.

Herr Widmann, wie wurden Sie Kooperationspartner der Aktion?

Stefan Widmann: Wir arbeiten bereits seit zwei Jahren auch mit diesem Labor zusammen und wurden gefragt, ob wir im Zahnarztfinder des Vertriebspartners aufgeführt werden können.

Schnappen Sie Kollegen jetzt die Patienten weg?

Widmann: Das möchte ich ganz sicher nicht. Wir sitzen doch alle in einem Boot. Ich sehe die Aktion eher als wirtschaftliche Trumpfkarte für wirkliche wirtschaftliche Härtefälle.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten des Modells?

Widmann: Ich sehe erst mal keine gravierenden Probleme. Der Zahnesatz macht 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten einer solchen Behandlung aus. Mit einem günstigeren Labor im Ausland kann man ca. ein Drittel der Gesamtkosten einsparen. Für Patienten, die sich sonst keinen solchen Ersatz leisten können, ist das eine gute Möglichkeit. Ob das Produkt über die Tchibo-Karte bezahlt wird oder nicht, macht für mich erstmal keinen Unterschied. Passt beispielsweise eine Krone nicht, wird sie zurückgeschickt und reklamiert, egal, wer sie hergestellt hat. Und die reinen Behandlungskosten betrifft die Karte sowieso nicht.

Wenn Novadent weniger hohe Qualitätsansprüche an die günstigeren Tchibo-Produkte stellt?

Widmann: Für uns ist dieses Projekt ein Versuch. Merken wir, dass die Qualität nicht stimmt, werden wir sicher nicht weiter mitmachen.

Wie viele Patienten entscheiden sich bislang für einen günstigeren Ersatz aus dem Ausland, weil für sie deutsche Labors zu teuer sind?

Widmann: Bei uns sind es zwischen fünf und zehn Prozent. Das wichtigste ist, mit den Patienten zu reden. Dann findet man in der Regel auch eine Lösung, mit der alle leben können.

Vertrauen zum Zahnarzt wichtig

Leo Hofmeier Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) lehnt Zahnersatz aus ausländischen Labors nicht grundsätzlich ab, sieht aber die Tchibo-Aktion kritisch. Ein Gespräch mit KZVB-Sprecher Leo Hofmeier.

Herr Hofmeier, was ist denn so schlimm, wenn man seinen Zahnersatz mit der Tchibo-Card bezahlt?

Leo Hofmeier: Allein in München gibt es rund 3000 Zahnärzte. Bei der Tchibo-Aktion machen aber deutschlandweit bis jetzt nur 1000 mit. Viele Patienten, die die Karte haben, müssten also den Zahnarzt wechseln, um in den Genuss der Leistung zu kommen. Und das ist ganz klar eine Einmischung von Tchibo und dem Partnerlabor in das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Zahnarzt. Denn Tchibo bietet quasi die Vermittlung eines Zahnarztes an, der den Auslandszahnersatz einsetzt.

Was raten Sie dann Patienten, denen diese Karte vielleicht eine Krone oder ein Prothese ermöglicht, die sonst nicht drin wäre?

Hofmeier: Man muss sich das Gesamtpaket anschauen und überlegen, wieviel macht die Ersparnis wirklich aus. Man könnte zudem die Härtefallregelung anwenden, mit der Menschen mit geringem Einkommen Zahnersatz fast ohne Zuzahlung bekommen können. Das ist zwar dann nicht die Luxusvariante, aber sicher auch eine solide Lösung. Und letztendlich kann man mit jedem Zahnarzt reden, welche Alternativen es noch gibt. Da hat dann fast jeder Möglichkeiten, seinen Patienten preislich entgegenzukommen.

Das heißt, Sie haben grundsätzlich nichts gegen Zahnersatz aus dem Ausland?

Hofmeier: Das ist ja keine neue Entwicklung und in bestimmten Fällen sicher sinnvoll. Das Wichtigste ist, dass Zahnarzt und Labor ein eingespieltes Team sind. Ihr angestammter Zahnarzt kennt ihre Geschichte, weiß, wo Probleme bei der Behandlung auftreten können. Ein Kollege, der Tchibo-Kooperationspartner ist, hat dieses Vorwissen möglicherweise nicht und kann Sie deshalb vielleicht nicht so perfekt betreuen.

Was raten Sie also?

Hofmeier: Genau prüfen. Auch mal eine zweite Meinung einholen und seinen Zahnarzt fragen, was er von einem Auslandslabor hält.

Interview: DO

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die richtigen Fragen stellen: Eine gute Geburtsklinik finden
Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein bedeutendes Ereignis. Oft sind damit auch viele Ängste verbunden. Daher sollte der Ort für die Entbindung gut ausgesucht sein. …
Die richtigen Fragen stellen: Eine gute Geburtsklinik finden
Low-Carb: Wenig Kohlenhydrate  - und das Hüftgold schmilzt?
Low-Carb verspricht, in nur wenigen Wochen viele Pfunde purzeln zu lassen. Hollywoodstars und Fitnessgurus schwören darauf. Doch stimmt das?
Low-Carb: Wenig Kohlenhydrate  - und das Hüftgold schmilzt?
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Sie könnten jeden Tag Salami-Pizza essen – doch plötzlich vergeht Ihnen die Lust? Dann könnte es ein Anzeichen auf etwas Bedrohliches sein.
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Mit nur 25 Jahren starb Bodybuilderin und Mutter Meeghan Hefford an einer Proteinüberdosis. Der Grund: ein seltener Gen-Defekt. Doch was hat es damit auf sich?
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?

Kommentare