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Breite Schultern, starke Muskeln und eine tiefe Stimme - das männliche Sexualhormon Testosteron sorgt dafür, dass Männer männlich aussehen.

Wechseljahre ab 40

Testosteron: Das macht den Mann zum Mann!

Einerseits ist es ein ganz natürlicher Vorgang: Etwa ab dem 40. Lebensjahr lässt bei Männern die körpereigene Produktion des Männlichkeitshormons Testosteron nach.

Aber viele Männer spüren diese hormonellen Wechseljahre deutlich: Sie fühlen sich irgendwann müde, antriebslos, haben weniger Lust auf Sex und Sport, manche leiden sogar unter Hitzewallungen oder Knochenschwund. „Der Hormonspiegel sinkt ja langsam, die Probleme kommen also nicht plötzlich, sondern schleichen sich ein. Ich schätze, dass bei 40 bis 50 Prozent der Männer die Lebensqualität deutlich leidet“, sagt der Münchner Urologe und Sexual­mediziner Dr. Axel Potempa im Gespräch: „Ich finde, dass Männer das nicht hinnehmen müssen und dass sie wirklich das Recht haben, ihr Mannsein zu er­halten.“

Woran kann es liegen, wenn Männer keine Lust mehr auf Sex haben?

Dr. Axel Potempa Urologe und Sexualmediziner.

Dr. Axel Potempa: Manche Frauen meiner Patienten fragen mich: Liegt es an mir? Findet er mich auf einmal nicht mehr attraktiv? Oder sie fürchten sogar: Er hat eine andere! Ich bin froh, wenn Fragen kommen, weil ich dann antworten kann: Ihr Mann kann primär nichts dafür, es sind die Hormone, die ihn nicht mehr richtig leiten. Es geht aber auch anders: Erst kürzlich rief mich die Frau eines Patienten an, der sehr gut auf eine Therapie angesprochen hat. Sie sagte mir: Herr Doktor, was haben Sie nur gemacht? Wir hatten es so gemütlich, und jetzt will mein Mann andauernd Sex! Testosteron ist eben das männliche Antriebshormon und entscheidend für die Libido zuständig – übrigens auch bei Frauen.

Es gibt allerdings einen wissenschaftlichen Streit darum, ob es wirklich der Testosteron-Mangel ist, das die Männer leiden lässt. Wie ist Ihre Erfahrung?

Ich finde es wichtig, dass es diese Diskussionen gibt. So können neue Sichtweisen und neue Therapien entstehen. Und es ist natürlich nicht das Testosteron allein, aber ich habe gute Erfahrungen mit Testosteron-Therapien gemacht. Man kann damit eine sehr positive Entwicklung in Gang bringen. Denn der männliche Körper produziert umso mehr eigenes Testosteron, je aktiver – auch sexuell – der Mann ist.

In meine Praxis kommen viele Männer so ab 50 bis 60 Jahre, die über Mattigkeit klagen, die keine sexuellen Fantasien mehr haben, die vielleicht sogar schon Psychopharmaka bekommen, weil bei ihnen eine Depression diagnostiziert wurde. Der Testosteron-Spiegel wurde nie bestimmt. Wir stellen dann fest, dass er deutlich niedriger als der empfohlene Grenzwert ist, und beginnen mit einer Ersatztherapie, wobei ein Testosteron-Gel jeden Morgen auf den Bauch aufgetragen wird. Hat man die richtige Dosierung gefunden, ist es möglich, auf Testosteronspritzen umzusteigen. Die Männer berichten, dass die Libido zurückkehrt, dass sie wieder mehr Spaß am Leben haben, sie wieder vom Sofa aufstehen und sich bewegen möchten. Das alles führt dazu, dass der Körper wieder mehr eigenes Testosteron produziert und man das Medikament ausschleichen kann. Es geht also überhaupt nicht darum, den Mann ein Leben lang mit dem Hormon zu behandeln. Was übrigens auch schlimme Nebenwirkungen haben kann, z.B. können irgendwann die Hoden schrumpfen.

Was früher als normale Begleiterscheinung des Älterwerdens gesehen wurde, muss man heutzutage also nicht mehr hinnehmen?

Ich habe häufiger Patienten mit Potenzstörungen, und wenn dann der erste Therapieversuch nicht gleich wirkt, sagen die schon mal: Ach, dann lassen wir das eben. Ich sage dann immer: „Um Himmels willen, Sie sind gerade mal 60, da haben Sie noch ein Drittel ihres Lebens vor sich. Wir probieren etwas anderes aus.“ Und es ist ja wirklich so: Es gibt so unendlich viele Therapiemöglichkeiten, mit denen Männer wieder Spaß am Sex bekommen können. Aber man muss sie kennen.

Oft ist es so, dass die klassischen PDE-5-Hemmer, also Viagra und Co. bei jedem vierten Mann nicht wirken, oder er nimmt Medikamente, mit denen zusammen diese Potenzmittel nicht verschrieben werden dürfen. Dann gibt es die Prostaglandin-Präparate, die in den Schwellkörper gespritzt oder in die Harnröhre eingeführt und ganz neu als gelartige Creme auf den Penis aufgetragen werden können. Vitaros heißt die Creme, und ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber selbst, wenn wir damit nicht weiterkommen, gibt es noch andere Möglichkeiten. Bis hin zur Vakuumpumpe, der einzigen Therapie die von den Krankenkassen bezahlt wird, oder der Möglichkeit der Elektrostimulation des Penis. Ganz wichtig ist, dass man nicht aufgibt, aber auch dass man keine übertriebenen Erwartungen hat.

Weil es dann erst recht nicht funktioniert?

Genau, manche Männer haben eine riesige Erwartungshaltung. Sie sind vollkommen auf ihr organisches Funktionieren fixiert. Aber dann funktioniert Sex nicht. Der Mann muss sich gehen lassen, er muss die Stimmung wirklich wahrnehmen und in sich aufnehmen – wenn er das kann, dann helfen die meisten Präparate sehr gut.

Welche Möglichkeiten haben eigentlich Frauen, ihre Lust zu steigern?

Bei der Frau sind wir heute da, wo wir beim Mann vor 20 Jahren angefangen haben. Man hatte tatsächlich gedacht, dass das Vitaros, also das durchblutungsfördernde Gel zum Auftragen, auch Frauen zur erfüllterer Sexualität verhelfen könnte. Die Klitoris ist ja ein Schwellkörper ähnlich wie der Penis. Aber die Creme enthält Alkohol und brennt beim Auftragen. Ich rate Frauen, sich mehr zu beschweren. Viele haben nie einen Orgasmus, täuschen ihn aber vor, weil sie ihrem Mann signalisieren wollen, dass alles okay ist. Wir Experten warten gerade auf die Zulassung eines neuen Medikaments, das Männern wie Frauen helfen könnte. Es hat noch den Namen PT141 und steigert die Libido, die Erektion und die Orgasmusfähigkeit bei beiden Geschlechtern. Allerdings führte es in Einzelfällen zu einem sehr starken Abfall des Blutdrucks, daher hat es noch keine Zulassung bekommen, und es wird weiter daran geforscht.

Dr. Axel Potempa praktiziert in München, Telefon: 089/22 88 00 00

So wirkt das Sexualhormon Testosteron

Das wichtigste männliche Sexualhormon Testosteron wird in den Hoden und sehr wenig in den Nebennierenrinden gebildet und in der Prostata in eine aktive Form umgewandelt. Die höchste Konzentration des Hormons findet sich in der Pubertät mit etwa 17 Jahren, ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Produktion jedes Jahr um etwa ein Prozent ab. Auch Frauen produzieren in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde Testosteron, allerdings gerade mal ein Zehntel der Menge verglichen mit Männern.

  • Gehirn
    Testosteron fördert Antrieb und Motivation. Die wissenschaftliche Meinung, dass es auch die Aggressivität fördert, steht aktuell auf dem Prüfstand und konnte in modernen psychologischen Studien nicht bestätigt werden. Ein Mangel an Testosteron kann zu Antriebsschwäche und Depressionen führen.  
  • Körperbehaarung
    Mit der Pubertät lässt Testosteron Bart- und Körperhaare sprießen (auch bei Frauen übrigens). Bei Männern mit entsprechender genetischer Disposition kann ein normal hoher Testosteronspiegel zu Glatzenbildung führen.
  • Genitalien
    Etwa sieben Wochen nach der Empfängnis bilden sich im Mutterleib beim männlichen Embryo die Geschlechtsorgane aus. Später werden die Hoden selbst Testosteron produzieren. Das Hormon ist für die Aufrechterhaltung der Spermienproduktion verantwortlich. Bei Männern wie bei Frauen fördert Testosteron die sexuelle Lust.
  • Blut
    Testosteron ist mitverantwortlich für die Bildung und Entwicklung der roten Blutkörperchen.
  • Muskeln
    Testosteron fördert das Muskelwachstum. Deshalb werden seine chemischen Verwandten, die anabolen Steroide, zum Doping missbraucht. Männer mit Testosteronmangel haben mehr von dem Hormon Leptin in sich, was zu einem größeren Körperfettanteil und Übergewicht führen kann.
  • Knochen
    Das Hormon ist für Wachstum und Stabilität von Knochen und Knorpeln notwendig. Ein Mangel ist der häufigste Grund von Osteoporose bei Männern. Für die Knochendichte wichtiger ist das weibliche Hormon Östradiol, das bei Männern aus Testosteron hergestellt wird. Wenig Testosteron führt daher zu einem zu niedrigen Östradiolwert.

tz

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