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Karin Sailer leidet unter einer seltenen Schlafkrankheit: Narkolepsie mit Kataplexien. Das bedeutet, dass die Steuerfachgehilfin aus dem Stand einschlafen kann.

Special zum Weltschlaftag

Die besten Tipps für die Nacht - das Leben mit der Schlafkrankheit

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Der Mensch braucht den Schlaf zur Erholung. Doch nicht jeder kommt quasi auf Knopfdruck zur Ruhe. Wir beschäftigen uns zum Weltschlaftag mit dem heiklen Thema.

München - Nachts selig schlummern - ein Kinderspiel? Von wegen! Oft fangen unsere Gedanken plötzlich an, Purzelbäume zu schlagen, sobald wir uns schlafen legen. Mehr als jeder vierte Deutsche schläft schlecht, viele leiden unter Schlafkrankheiten. Darüber wollen wir reden, denn an diesem Freitag ist Weltschlaftag. Wir sprechen mit einer Narkoleptikerin, einem Facharzt und drei Schichtarbeitern. Außerdem gibt eine Schlafexpertin wertvolle Tipps, wie Sie am Abend am besten zur Ruhe kommen.

Das Leben mit der Krankheit Narkolepsie

Das Telefon klingelt. Ein Mal, zwei Mal, drei Mal, vier Mal… Karin Sailer hebt zur vereinbarten Zeit den Hörer nicht ab. Sie ist eingeschlafen. Ganz plötzlich, zu völlig unpassender Gelegenheit. Die 42-Jährige leidet unter Narkolepsie mit Kataplexien. Als sie 23 war, wurde die Krankheit bei ihr diagnostiziert.

Karin Sailers damaliger Freund, ihr jetziger Mann, stellte fest, dass etwas bei ihr nicht stimmt. „Ich bin während der Autofahrt - als Beifahrerin - mitten im Gespräch eingeschlafen“, erzählt sie. Das Fiese an der Krankheit ist, dass Betroffene zwar tagsüber beim Gehen einschlafen können, dafür aber nachts nicht durchschlafen. „Länger als fünf Stunden pro Nacht sind nicht möglich - und die Tiefschlafphase fehlt weitestgehend, so dass auch die Erholung nicht so groß ist.“

Mitten in der Nacht bügeln oder lesen

Dann steht die 42-Jährige um drei oder vier Uhr nachts auf, ist hellwach und fängt an zu bügeln oder zu lesen. „Ich gehe ins Erdgeschoss, um meine Familie im Obergeschoss nicht beim Schlafen zu stören, und mache irgendetwas Leises.“ Dabei hat Karin Sailer fast noch Glück: „Es gibt Betroffene, die nur zwei Stunden schlafen können…“

Die Müdigkeitsattacken kommen dann am Tag. „Man kann sich das so vorstellen, wie sich ein gesunder Mensch fühlt, der 48 Stunden am Stück nicht geschlafen hat.“ Es kann ihr passieren, dass sie Geschirr spült, ihr plötzlich die Augen zufallen und sie wegsackt. „Ich merke aber dann beim Fallen, dass ich eingeschlafen bin, und fange einen Sturz ab.“

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„Strategien für den Alltag überlegen“

Ihr Mann und ihre beiden Kinder (13 und zehn Jahre) kommen gut mit den täglichen Schlafattacken ihrer Frau beziehungsweise Mama klar. „Sie müssen ja“, sagt die gebürtige Münchnerin und lacht. „Man überlegt sich Strategien, um durch den Alltag zu kommen.“ So hat die Familie zum Beispiel beim Wandern eine Isomatte dabei, und Karin Sailer legt sich zwischendurch schlafen. „Für mich ist das nicht schlimm, meine Familie muss die Blicke aushalten.“ Die 42-Jährige kann auch in Umkleidekabinen und Kirchen kurz einnicken. „Das dauert nur fünf Minuten, dann bin ich wieder hellwach.“

Mittlerweile arbeitet die Steuerfachgehilfin 15 Stunden pro Woche, jeden Tag drei Stunden. So lang kann sie sich am Stück konzentrieren, ohne wegzunicken. Ihr Chef weiß von der Krankheit.

Nachtbeschäftigung: Karin Sailer kann nicht länger als fünf Stunden am Stück schlafen.

Medikamente sollen helfen

Seit der Diagnose nimmt Karin Sailer Medikamente. „Als ich sie das erste Mal genommen habe, das war phantastisch“, sagt die 42-Jährige. Plötzlich merkt sie, wie viel man an einem Tag schaffen kann. „Vorher war ich immer abgeschlagen, kaputt, müde.“ Mittlerweile lebt die zweifache Mutter ganz gut mit ihrer Krankheit. „Das Hauptproblem ist, dass man mit vielen Ängsten zu kämpfen hat.“ Viele beschäftigt, ob sie es Arbeitgeber oder Freunden sagen. „Oft wird man abgestempelt, dass mit einem nichts anzufangen ist. Das ist nicht richtig.“

Hilfe gibt’s bei der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft, Selbsthilfegruppe München, shg-muenchen@dng-ev.de.

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Münchner Arzt erklärt Symptome der Narkolepsie

Wir sprechen mit Dr. Pierre Beitinger. Er ist Facharzt für Schlafmedizin und Leitender Oberarzt am Max-Planck-Institut.

Welche Symptome deuten auf Narkolepsie hin?

Dr. Pierre Beitinger: Tagschläfrigkeit, sprich ein ungewolltes Einschlafen bei unpassenden Gelegenheiten aus dem Stand, zum Beispiel während des Gehens oder Telefonierens. Dazu kommt ein gestörter Nachtschlaf. Darüber hinaus leiden Betroffene unter Kataplexien. Bei starken Emotionen machen bei vielen die Muskeln ganz plötzlich schlapp. Es kann passieren, dass ein Betroffener, wenn er Freude erlebt, in sich zusammensackt und umfällt. Möglich sind zudem Schlaflähmungen, sprich völlige Bewegungsunfähigkeit beim Erwachen, schlafbezogene Halluzinationen und automatisches Verhalten. Das heißt, ein Betroffener schreibt z.B. einen Einkaufszettel weiter, während ein Teil seines Gehirns schon schläft, und krakelt dann unleserliche Zeichen aufs Papier.

Wie viele Betroffene gibt es?

Beitinger: In Deutschland schätzt man etwa 40.000. Nicht alle sind aber in Behandlung.

Wie viele Schlafkrankheiten gibt es?

Beitinger: Etwa 80 bis 90.

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Am Max-Planck-Institut beschäftigt: Dr. Pierre Beitinger ist Facharzt für Schlafmedizin.

Umfrage: Mit wem gehen Sie ins Bett?

Evi Meier (56) Sekretärin aus München: “Wenn mein Mann an meiner Seite liegt, ist alles gut - seit 28 Jahren. Wenn er mal nicht da ist, gönne ich mir gerne einen Schlummertrunk, der hilft mir beim Einschlafen. An manchen Tagen gibt’s ein Glas Wasser, an anderen Tagen Wein.“

Elke Geisinger (54), Sozialversicherungs-Angestellte aus München: „Das Einzige, was bei mir auf keinen Fall fehlen darf, ist eine Decke. Im Sommer ein dünnes Laken, im Winter was Flauschiges - Hauptsache farbig. Je bunter die Decke, desto bunter die Träume.“

Nelli Hanke (66), Rentnerin aus München: „Ich brauche in der Nacht nur meinen Mann - wir sind seit 40 Jahren verheiratet, da gewöhnt man sich aneinander. Damit ich gut schlafen kann, muss er neben mir liegen. Zum Einschlafen kuscheln wir uns gerne eng aneinander - wie zwei Löffel.“

Pascal Jaschner (25), Polizist, München: „Vor sechs Jahren habe ich mir ein zweites Kissen gekauft. Das war kurz, nachdem ich mich getrennt habe - die Freundin ging, das Kissen kam. Zum Glück habe ich trotz Schichtarbeit keine Probleme mit dem Einschlafen.“

Das sagt unsere Schlaf-Expertin

Stress, Sorgen und Selbstzweifel sind Schlaf-Räuber! Unsere Schlaf-Expertin Tina Daamen (41) weiß, wie Sie trotzdem zur Ruhe kommen. Sechs Tipps:

Tipp 1: Finden Sie heraus, wie viel Schlaf Sie wirklich brauchen. In der Regel kommen wir mit sechs bis acht Stunden gut aus.

Tipp 2: Versuchen Sie, Stress zu vermeiden. Alles, was uns an- und aufregt, ist vor dem Schlafengehen tabu: vor allem scharfe Gewürze, Koffein und Alkohol – der lässt uns zwar leicht einschlafen, dafür aber nicht durchschlafen.

Tipp 3: Sport macht uns nicht müde, sondern munter. Gönnen Sie sich am Abend lieber ein heißes Bad.

Tipp 4: Schalten Sie das Licht in Ihrem Schlafzimmer aus. Und verbannen Sie alle blinkenden Geräte. Auch Handys raus!

Tipp 5: Lüften Sie kurz vor dem Schlafengehen noch einmal kräftig durch.

Tipp 6: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer immer zur gleichen Zeit ins Bett geht, tut sich leichter. Auch Rituale können helfen: Schlafanzug an, Zähneputzen, Licht aus - gute Nacht!

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Tina Daamen ist Schlaf-Expertin bei Bettenrid.

Wenn die Nacht zum Tag wird - Schichtarbeiter erzählen

Der Bäcker

Bei Josef Ziegler klingelt der Wecker um drei Uhr morgens. Pünktlich um vier steht der 44-Jährige in seiner Backstube in Moosach, damit wir zum Frühstück frische Semmeln auf dem Teller haben. „Das Schöne am Bäckerdasein ist, dass man den Nachmittag frei hat“, erzählt Ziegler. Wenn viel los ist, muss der Münchner mal eine Stunde früher ran – oder länger im Laden bleiben. „Aber in der Regel arbeite ich acht Stunden.“ Grundsätzlich sei es egal, ob der Wecker um drei oder um acht Uhr morgens klingelt, meint Ziegler. „Wenn man immer zur gleichen Zeit aufsteht, wird der Biorhythmus nicht durcheinandergewürfelt.“

Der Taxifahrer

Nach seiner Millionenpleite im Jahr 1999 hat Eckard Schiller nicht nur einen Haufen Geld verloren, sondern auch seine geregelten Arbeitszeiten. Anstatt weiterhin marode Häuser zu kaufen, herzurichten und anschließend wieder zu verkaufen, hat sich der 78-Jährige hinters Steuer gesetzt. Seit 18 Jahren fährt er Münchner und Touristen durch die Stadt. Tag und Nacht. „Taxifahren ist anstrengend“, erzählt er, „aber das Gute ist: Je älter ich werde, desto weniger Schlaf brauche ich.“

Der Krankenpfleger

Geregelte Arbeitszeiten kennt ­Antimo P. schon lang nicht mehr. In der Regel steht der Krankenpfleger auf, wenn sich die Stadt schlafen legt. Seit 15 Jahren arbeitet der 39-Jährige Schicht. „Das Anstrengende an meinem Job sind die Schichtwechsel“, erzählt er. „Wenn auf einen Frühdienst plötzlich ein Spätdienst folgt - bis sich der Körper da wieder eingependelt hat, das kann Tage dauern.“

Stefanie Wegele, Sarah Brenner

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