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Rückenprobleme

Münchner Ärzte erklären ihre besten Therapien

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Das Kreuz mit dem Kreuz: Etwa zwei von drei Bundesbürgern leiden unter Rückenschmerzen. Die Bandbreite der Ursachen beziehungsweise Erkrankungen ist riesengroß – und die Palette der Behandlungsmöglichkeiten ebenso.

Diese Vielfalt macht es allerdings für die Patienten nicht unbedingt einfacher, viele fühlen sich im Dschungel aus Therapienangeboten zunächst ein bisserl überfordert. Hier möchte die tz Orientierungshilfe leisten: Im Rahmen unserer großen Medizinserie über Volkskrankheiten widmen wir dem Wirbelsäulenbereich gleich mehrere Folgen. Heute stellen Spezialisten erneut unterschiedliche Behandlungsansätze vor – von der klassischen Operation über minimalinvasive Eingriffe bis hin zu konserativen Therapieformen. Generell gilt: Die Beiträge unserer Experten können einen persönlichen Arztbesuch nicht ersetzen – und es kann grundsätzlich auch nie schaden, wenn man sich noch eine Zweitmeinung einholt.

Fachbegriffe

  • Segment: Zwei Wirbelkörper mit ihren Gelenken und dazwischenliegender Bandscheibe.
  • Schaufensterkrankheit: Der Ausdruck wird verwendet, wenn ein Patient wegen Schmerzen in den Beinen alle paar Meter stehen bleiben muss. Der Ausdruck unterstellt, dass die Patient die Zwangspausen zu kaschieren versuchen, indem sie so tun, als würden sie ein Schaufenster betrachten.

Der Beipackzettel zu unserer Medizinserie

Wechselwirkungen: Die Ärzte, die in unserer Serie jeweils nur eine Therapie bzw. eine Erkrankung erklären, kennen sich oft auch bei anderen Behandlungsmöglichkeiten bzw. Krankheitsbildern gut aus. Umgekehrt gilt: Es gibt in der Regel auch viele andere Ärzte, die die hier vorgestellten Therapien gut beherrschen.

Versteifung

Unser Experte

Dr. Armin K. Helmbrecht, Apex Spine Center

Dachauer Straße 124a
80836 München

Tel. 089/150016610

www.apex-spine.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Versteifungs-Operationen an der Wirbelsäule. Dabei werden benachbarte, instabile Wirbelkörper mithilfe von Implantaten verbunden und so stabilisiert.
Die typischen Beschwerden: An der Halswirbelsäule (HWS): Nackenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in den Arm, zum Teil Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen möglich. An der Lendenwirbelsäule (LWS): Rückenschmerzen, ebenfalls ausstrahlende Schmerzen ins Bein, teilweise mit Taubheitsgefühlen, Lähmungserscheinungen möglich. Die Patienten beklagen oft eine Schaufensterkrankheit (s. Fachbegriffe), die von der Wirbelsäule ausgeht. Sie können nur kurze Strecken gehen – unter Schmerzen und mit häufigen Zwischenstopps. Im Spätstadium von Wirbelsäulenerkrankungen können Blasenentleerungsstörungen auftreten.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, körperliche Untersuchung, MRT, manchmal CT, elektrophysiologische Untersuchungen.
Das Einsatzgebiet: Fortgeschrittene Abnutzung eines Wirbelsäulenabschnittes bedingt durch Bandscheibenverschleiß, Arthrose der Zwischenwirbelgelenke mit daraus resultierenden Wirbelkanalstenosen, zum Teil zusätzlich bestehenden Instabilitäten, Wirbelsäulenverkrümmungen.
So funktioniert’s: Verschiedene OP-Varianten mit verschiedenen Zugängen, die auf den Einzelfall zugeschnitten sind. Bei allen Verfahren werden in der Regel Schrauben, Platten, Stäbe und Platzhalter (Fachbegriff: Cages) eingesetzt – meist minimalinvasiv. Die Entlastung bzw. Weitung (Dekompression) des Wirbelkanals wird immer unter mikroskopischer Sicht vorgenommen. Allgemein wird an der HWS vorwiegend von vorne operiert, an der LWS meist von hinten.
Der Ablauf: OP immer in Vollnarkose. Die Dauer ist abhängig vom Ausmaß der zu versteifenden Bewegungssegmente. Ein Segment (auch Etage genannt) an der HWS benötigt circa 1 Stunde reiner OP-Zeit. An der LWS werden für eine Etage circa 1,5 bis 2 Stunden benötigt. Der Patient kann noch am OP-Tag oder am Tag danach aufstehen. Klinikaufenthalt 4 bis 8 Tage, dann 4 bis 5 Wochen Schonung, dann Rehabeginn – ambulant oder stationär. Volle Belastbarkeit nach grob geschätzt 8 bis 12 Wochen.
Chancen und Risiken: Die Chance auf Linderung der Beschwerden liegt bei 70 bis 80 Prozent. Gegen bereits vorhandene Nervenschäden ist allerdings nur schwer etwas auszurichten. Restbeschwerden können bleiben. Klassische OP-Risiken wie Infektionen, Thrombosen sowie Nervenschädigungen oder Materiallockerungen sind selten.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Eine Versteifungs-OP sollte das letzte Mittel in der Behandlungskette sein. Die Beweglichkeit des Bewegungssegments geht dann zwar verloren, aber die Schmerzen lassen oft deutlich nach – was den Patienten oft z. B. eine Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten ermöglicht.

Stabilisierung

Unser Experte

Dr. Ulrich März, Chirurgische Klinik Dr. Rinecker

Am Isarkanal 30
81379 München

Tel. 089/72440251

www.rinecker.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Stabilisierungs-Operation an der Wirbelsäule. Hier konkret ein Verfahren mit der Fachbezeichnung „dynamische transmuskuläre Stabilisierung der Wirbelsäule“. Dabei kommt ein Schrauben-Feder-System zum Einsatz.
Die typischen Beschwerden: Chronische Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), häufige Bewegungseinschränkungen (Blockaden) der LWS, gegebenenfalls zusammen mit ausstrahlenden Schmerzen in die Beine.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, händische Untersuchung, Kernspintomografie, Röntgen, Computertomografie.
Das Einsatzgebiet: Bei Bandscheibenabnützung, bei wiederholten Bandscheibenvorfällen, nach Bandscheiben- oder Stenose-Operationen, bei sehr großen Bandscheibenvorfällen, bei angeborener Wirbelsäuleninstabilität (Spondylolyse) mit nur geringer Verschiebung der Wirbelkörper.
So funktioniert’s: Ein Schrauben-Feder-System wird minimalinvasiv, also durch kleine Hautschnitte, in die Wirbelkörper eingebracht – mithilfe eines Computernavigationssystems. Ziel ist es, die schmerzhafte Über- oder Fehlbeweglichkeit eines betroffenen Wirbelsäulensegments so weit zu reduzieren, dass keine Schmerzen mehr ausgelöst werden, aber noch eine ausreichende Restbeweglichkeit erhalten bleibt. Dabei bleibt die (Rest-)Bandscheibe möglichst erhalten. Die Gefahr einer Überlastung der Nachbarsegmente ist deutlich geringer als bei der Versteifungsoperation. Ein Segment besteht immer aus zwei Wirbelkörpern und der dazwischenliegenden Bandscheibe.
Der Ablauf: Die OP erfolgt in Vollnarkose und dauert etwa 90 Minuten. Ein Klinikaufenthalt von 3 bis 4 Tagen ist erforderlich, schon am Abend nach der Operation kann der Patient wieder aufstehen und herumlaufen. Die Wirbelsäule sollte sechs Wochen geschont werden, danach ist eine Vollbelastung möglich, der Patient darf wieder sporteln. Eine Reha ist ebenso wenig erforderlich wie das Tragen eines Stütz­korsetts.
Chancen und Risiken: Seit sieben Jahren erprobtes Verfahren mit stetig verfeinerter Technik. Es wird auch bei Leistungssportlern eingesetzt und ist in über 90 Prozent der Fälle erfolgreich. Komplikationen sind selten, das Risiko von Nervenwurzelstörungen und Defekten an den Schrauben liegt bei einem Prozent. Der Blutverlust ist mit in der Regel weniger als 100 Millilitern gering.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Die Rückenschonung nach der OP ist nötig, um die Verbindung von Schrauben und Knochen nicht zu stören. Der Operateur hat in sieben Jahren nach eigenen Angaben circa 450 Operationen mit diesem System durchgeführt.

Die Skoliose

Unser Experte

Dr. Christoph Mehren, Schön Klinik

Harlachinger Str. 51
81547 München

Tel. 089/62112011

www. schoen-kliniken.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Korrigierende Versteifungs-Operation bei Skoliose. Dabei handelt es sich um eine seitliche Verbiegung bzw. Verkrümmung der Wirbelsäule.
Die typischen Beschwerden: Zunehmende Schiefhaltung des Oberkörpers. Schulterschiefstand, Beckenschiefstand, Rippenbuckel. Manchmal kommt es zu Schmerzen im Bereich der Krümmung.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, körperliche Untersuchung, Röntgenuntersuchung, MRT.
Das Einsatzgebiet: Bei zunehmender Verkrümmung der Wirbelsäule in Abhängigkeit von Alter und vorangegangener konservativen Therapie (Korsettbehandlung) – ab einem Winkelgrad von etwa 40 Grad im Lendenwirbelsäulenbereich und etwa 50 Grad im Brustwirbelsäulenbereich.
So funktioniert’s: Über ein Schrauben-Stab-System, das an den einzelnen Wirbelkörpern befestigt wird, kann die Wirbelsäule Schritt für Schritt „gerade gezogen“ werden. Zusätzlich wird Knochen angelagert, der dann langfristig die Wirbel miteinander verwachsen lässt.
Der Ablauf: Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Zusätzlich wird ein sogenanntes Neuromonitoring angelegt, das während der Operation eine Überwachung der Rückenmarksfunktion möglich macht. Meist reicht ein Schnitt am Rücken, um eine gute Aufrichtung der Wirbelsäule zu erreichen. Manchmal muss ein weiterer Schnitt an der Seite (Brust-/Bauchraum) gemacht werden, um die Verkrümmung zu lockern.
Chancen und Risiken: Wie gut sich die Krümmung korrigieren lässt, hängt sehr vom Ausgangswert und der Flexibilität der Wirbelsäule ab. Prinzipiell dient die OP auch dazu, ein Fortschreiten der Verkrümmung zu verhindern. Als größtes Risiko muss eine Querschnittlähmung erwähnt werden. Das Risiko ist jedoch äußerst gering (Promillebereich).
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Dieses Verfahren sollte erst nach Abschluss des Skelettwachstums erfolgen. Im Kindesalter sind sogenannte „mitwachsende“ Verfahren ratsam. Dabei sind mehrere Operationen im Verlauf des Wachstums nötig, die letztendlich in der abschließenden Versteifung enden. Ab einem gewissen Krümmungsgrad ist von einem langsamen Fortschreiten der Krümmung (ein bis zwei Grad pro Jahr) auszugehen, sodass hier ein frühzeitiges Einschreiten auch bei „Beschwerdefreiheit“ diskutiert werden muss. Die Nachbehandlung erfolgt meist ohne Korsett. Der Patient sollte drei Monate lang gar keinen Sport treiben und die Belastung danach behutsam steigern. Sportarten wie Reiten oder Joggen (sowie alle weiteren Stauchbelastungen) sollten für ein Jahr vermieden werden.

Hitzesonde

Unser Experte

Dr. Andreas Thiess, Krankenhaus Barmherzige Brüder

Romanstr. 93
80939 München

Tel. 089/17972504

www.barmherzige-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Thermokoagulation der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) und der Iliosakralgelenke. Dabei schaltet der Arzt mithilfe einer Hitzesonde Nervenfasern aus und verhindert dadurch die Weiterleitung von Schmerzsignalen.
Die typischen Beschwerden: Tief sitzende Rückenschmerzen, teilweise mit Ausstrahlung in beide Beine, in den Bauch- und-Becken-Bereich oder in den Brustbereich. Häufig sind die Beschwerden nachts besonders stark. Gelegentlich werden sie durch Bewegung und körperliche Betätigung besser.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, manuelle Untersuchung, Röntgen, MRT, teilweise CT. Gezielte Testinfiltrationen (Einspritzungen) unter Bildgebung (Röntgen).
Das Einsatzgebiet: Die Thermokoagulation ist eine Therapiemöglichkeit, wenn konservative Behandlungen etwa mit Krankengymnastik oder Einspritzungen von Medikamenten zu wenig oder gar nicht angeschlagen haben.
So funktioniert’s: Bei dem Eingriff befindet sich der Patient in Bauchlage. Unter Röntgenüberwachung werden die Hitzesonden an die entsprechenden Gelenke gesetzt. Im Anschluss erfolgt nun als Sicherheitsmaßnahme zunächst eine Simulation der Hitzebehandlung mit verschiedenen ansteigenden Energieströmen – um zu testen, dass sich keine anderen Nerven in unmittelbarer Umgebung der Hitzesonden befinden, die geschädigt werden könnten. Ist der Test unauffällig, kann die Thermokoagulation durchgeführt werden, das heißt: Die Hitzesonden werden nun auf 90 Grad erhitzt. Damit werden die Schmerznerven verödet.
Der Ablauf: Eine Narkose ist nicht nötig. Der Eingriff dauert etwa 5 Minuten. Direkt nach der Behandlung können sich die Schmerzen durch den Entzündungsreiz zunächst verstärken, lassen aber bereits nach kurzer Zeit wieder nach. Um die Phase zu überbrücken, spritzt der Arzt oft direkt nach dem Eingriff ein lokales Betäubungsmittel. Der Patient kann nach etwa einer halben Stunde wieder aufstehen.
Chancen und Risiken: Das Plazieren der Hitzesonde unter Röntgenüberwachung ist ein sehr sicheres Verfahren. In Kombination mit dem oben beschriebenen Test kann eine versehentliche Hitzeschädigung weiterer Nerven praktisch nicht passieren. Die Chancen sind hoch, dass sich die Schmerzen deutlich bessern.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen als ambulante Therapie übernommen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Nach aktuellen Studien besseren sich bei 60 Prozent der Patienten die Beschwerden um durchschnittlich 80 Prozent für zwölf Monate. Die Therapie wird in dieser Klinik nach eigenen Angaben regelmäßig durchgeführt.

Mikro-OP

Unser Experte

PD Dr. Andreas Frank

Promenadeplatz 10
80333 München

Tel. 089/54324916

www.neurochirurgie-drfrank.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Behandlung seitlich gelegener Bandscheibenvorfälle und von köchernen Engen des Nervenkanals der Halswirbelsäule (HWS) – hier konkret mit einem Verfahren namens cervikale Mikro­foraminotomie.
Die typischen Beschwerden: Akute Schmerzen, die in Schulter, Arm und Finger ziehen, teils mit Muskelschwäche und/oder Taubheit im Arm und/oder Fingern.
Diese Untersuchungen sind nötig: Körperliche Untersuchung, MRT, teils ergänzend CT und Röntgen der Halswirbelsäule, teils auch Nervenstrommessung (EMG).
Das Einsatzgebiet: Seitlich gelegene Bandscheibenvorfälle und köchernen Engen des Nervenkanals der Halswirbelsäule.
So funktioniert’s: An der HWS können Operationen sowohl von vorne als auch vom Rücken aus durchgeführt werden. Bei der OP von vorne muss die ganze Bandscheibe entfernt und dann entweder ein Platzhalter (Cage) – teils mit Platte zur Versteifung – oder eine Bandscheibenprothese eingesetzt werden. Dagegen können weit seitlich im Spinalkanal oder im Nervenwurzelkanal gelegene Einengungen durch Knochenanbau ­(Foramenstenose) oder kleine Bandscheibenvorfälle sehr schonend mikrochirurgisch vom Rücken aus entfernt werden. In diesem Fällen muss man die Bandscheibe nicht entfernen und auch keine Versteifung vornehmen.
Der Ablauf: OP in Bauchlage und Vollnarkose, Dauer: 1 bis 2 Stunden. Dabei befreit der Operateur mit feinsten Instrumenten und einem Spezialmikroskop die Nervenwurzel von knöchernen Einengungen und/oder einem drückenden Bandscheibenvorfall. Nach der OP braucht der Patient keine Halskrause, darf spätestens am Tag nach der OP wieder aufstehen und den Kopf auch bewegen. Später krankengymnastische Nachbehandlung, der Patient ist in der Regel 3 bis 6 Wochen arbeitsunfähig.
Chancen und Risiken: Die Gefahr einer direkten Schädigung des Rückenmarks ist deutlich geringer als bei der OP von vorne. Je nach Zustand der Rückenmuskulatur kann ein Verspannungsschmerz im Nacken länger bestehen, der Schmerz im Arm ist meist schnell deutlich besser.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Dieses OP-Verfahren ist nicht für alle Befunde an der Halswirbelsäule geeignet. Nur der behandelnde Neurochirurg kann entscheiden, welches Verfahren, ob von vorne oder hinten, für den Patienten optimal geeignet ist.

Spacer

Unser Experte

Dr. Stephan Noe

Nymphenburger Str. 146 80634 München

Tel. 089/1399730

www.ortho-m.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Stabilisierungs-OP bei funktioneller Spinalkanalstenose (Einengung des Wirbelkanals) an der Lendenwirbelsäule mithilfe von Spacern. So nennt man spezielle Platzhalter, die zwischen die Dornfortsätze von zwei Wirbelkörpern eingesetzt werden.
Die typischen Beschwerden: Rückenschmerzen, Beinschmerzen bei Belastung, eingeschränkte Gehstrecke, eventuell Taubheitsgefühle an den Beinen, Schweregefühl an den Beinen, selten Lähmungen, gelegentlich nächtliche Krämpfe.
Diese Untersuchungen sind nötig: Körperliche Untersuchung, Röntgen, MRT, eventuell CT. Knochendichtemessung bei älteren Patienten zum Ausschluss der Osteoporose.
Das Einsatzgebiet: Funktionelle Spinalkanalstenosen, eventuell Facettensyndrom (Verschleiß an den Zwischenwirbelgelenken), gelegentlich auch unterstützend zu Versteifungs-Operationen (s. Beitrag ganz links), um das Nachbarsegment zu unterstützen. Ein Segment besteht aus zwei Wirbelkörpern mit ihren kleinen Gelenken und der dazwischenliegenden Bandscheibe.
So funktioniert’s: Minimalinvasive Technik, das heißt: Es sind nur kleine Hautschnitte von wenigen Zentimetern Länge nötig. Unter Röntgenkontrolle wird der Spacer zwischen den Dornfortsätzen platziert und spreizt diese auseinander. Dadurch werden die Facettengelenke entlastet, das Ligamantum flavum (Band im Wirbelkanal) gestrafft und der Kanal selbst erweitert.
Der Ablauf: Kurze Vollnarkose, die OP dauert weniger als 30 Minuten, nach der OP Vollbelastung erlaubt. Je nach Patient (Alter, Gebrechen) kurzer stationärer Aufenthalt, eventuell auch ambulant. Nach Wundheilung Krankengymnastik.
Chancen und Risiken: Gute Technik bei funktioneller Spinalkanalstenose. Nicht möglich bei Osteoporose (Bruch des Dornfortsatzes) oder bei Infektionen bzw. Tumoren oder Verformungen der Wirbelkörper. Risikoarmer Eingriff ohne Eröffnung des Wirbelkanals und ohne Narbenbildung an den Nerven. Eine dauerhafte Linderung lässt sich allerdings nicht versprechen.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Früher wurde diese Technik sehr häufig eingesetzt, nicht immer führte sie aber auch zum Erfolg. Wenn man die Spacer allerdings nur bei funktioneller Spinalkanalstenose einsetzt, lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Gerätetraining

Unser Experte

Dr. Christian Schneider, Schön Klinik Harlaching

Harlachinger Straße 51
81547 München

Tel. 089/62 11 40 50

www.schoen-kliniken.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Muskeltraining gegen Rückenschmerzen. Hier konkret: sensomotorisches Training und Krafttraining (Krankengymnastik am Gerät).
Die typischen Beschwerden: Rückenschmerzen – meist schon über einen längeren Zeitraum bestehend (chronisch), meist reiner Rückenschmerz ohne Ausstrahlung in das Gesäß oder in Arme und Beine.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung und körperliche Untersuchung, Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen oder Kontraindikationen (Krankheitsbilder, bei denen ein Gerätetraining nicht sinnvoll bzw. sogar schädlich wäre).
Das Einsatzgebiet: Unspezifische Rückenschmerzen (ohne speziellen Auslöser wie beispielsweise eine Stenose), aber auch spezifische Rückenschmerzen: ausgelöst zum Beispiel durch muskuläre Probleme (Dysbalancen), allgemeinen Verschleiß an der Wirbelsäule (degenerative Veränderungen), Spondylarthosen (Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke), Osteochondrosen (Störung des Umwandlungsprozesses von Knorpel zu Knochen) oder Bandscheibenschäden.
So funktioniert’s: Das sogenannte sensomotorische und propriozeptive Training beinhaltet viele instabile Übungsformen (u. a. Weichbodenmatte, Kippbrett, Therapiekreisel) und trainiert die Körperwahrnehmung, Krafttraining findet meist an Geräten statt und trainiert einzelne Muskelgruppen/Regionen spezifisch (Kraftzuwachs).
Der Ablauf: Trainingsplanung und Trainingssteuerung nach Vorgabe des betreuenden Arztes in enger Absprache mit den Therapeuten – sportwissenschaftliche Tests können hilfreich eingesetzt werden, um neue Trainingsreize zu setzen und das Niveau anzupassen oder neue Übungen/Schwierigkeitsgrade einzubauen.
Chancen und Risiken: Gezieltes Training ist ein notwendiges „Übel“ bei allen Formen des Rückenschmerzes. Es muss kontrolliert ablaufen, beim Training in den Schmerz hinein besteht Verschlechterungsgefahr. Bei langfristigem Training gute Chancen, dass sich die Beschwerden bessern. Oft sinnvoll in Kombination mit einer Schmerztherapie und auch nach diversen konservativen und operativen Behandlungen.
Kosten: Werden in begrenztem Rahmen von allen Krankenkassen übernommen. Für spezielle Behandlungsformen empfiehlt sich eine Rücksprache mit der jeweiligen Kasse.
Anmerkungen, Erläuterungen: Verschiedene Trainingszentren bieten unterschiedliche Programme an, die nach sehr ähnlichen Prinzipien arbeiten. Sie setzen auf die Kombination von Kräftigung der tiefen Rückenmuskulatur (vor allem mit sensomotorischem Training) und gezielte Rumpfstabilisation durch Krafttraining.

Bandscheibenprothesen

Unser Experte

Dr. Alexander Kirgis, Orthopädische Chirurgie München (OCM)

Steinerstr. 6
81369 München

Tel.: 089/2060820

www.ocm-münchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Ersatz von geschädigten Bandscheiben durch künstliche Bandscheiben.
Die typischen Beschwerden: Nackenschmerzen oder Kreuzschmerzen, zum Teil mit Ausstrahlung in Arm oder Bein. Morgens Anlaufschmerzen und Belastungsschmerzen. Bewegungseinschränkungen.
Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, händische Untersuchung, Röntgenuntersuchung und Kernspin.
Das Einsatzgebiet: Bandscheibenverschleiß, wiederkehrende Bandscheibenvorfälle, Schmerzen nach Bandscheibenoperationen.
So funktioniert’s: Die Operationstechnik ist an der Halswirbelsäule (HWS) und an der Lendenwirbelsäule (LWS) äußerst schonend. Es wird kein Muskel durchtrennt (minimalinvasive Technik). Von vorn wird die Bandscheibe einschließlich Bandscheibenvorfall oder Knochenspornen entfernt und durch eine neue künstliche Bandscheibe ersetzt.
Der Ablauf: OP in Vollnarkose. Dauer etwa 90 Minuten. Bei sehr geringem Blutverlust ist eine Eigenblutspende nicht erforderlich. Stationäre Aufenthaltsdauer nach Eingriff an der HWS ca. 3 Tage, bei LWS-OPs circa 5 Tage. Der Patient trägt eine weiche Halskrause für 4 Wochen oder einen Rückengurt (Mieder) tagsüber für 4 Wochen. 6 Wochen kein schweres Heben oder Tragen. Die Arbeitsunfähigkeit dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen. Sport nach 12 Wochen wieder möglich.
Chancen und Risiken: Künstliche Bandscheiben werden seit mehr als 25 Jahren eingesetzt. Sie funktionieren an der HWS und an der LWS wie normale Bandscheiben und schützen so auch die Nachbarbandscheiben vor frühzeitigem Verschleiß. Die Ergebnisse sind sehr gut. In ca. 90 Prozent der Fälle ist die Wirbelsäule nach 3 Monaten wieder normal belastbar. Komplikationen wie z. B. Nachblutungen sind äußerst selten (Risiko: unter 1 Prozent). Lähmungen sind so gut wie ausgeschlossen.
Kosten: Werden von allen Krankenkassen übernommen.
Anmerkungen, Erläuterungen: Krankengymnastik und Trainingstherapie sind sehr wichtig, weil eine gute Muskulatur das Risiko von Verschleißschäden der Nachbarbandscheiben erheblich verringert. Der Operateur hat diesen Eingriff über 1000-mal durchgeführt.

Von Andreas Beez

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