Explosion? Nordkorea erneut von Erdstößen erschüttert 

Explosion? Nordkorea erneut von Erdstößen erschüttert 
+
Irmgard Strobel arbeitet als Stationsleiterin im SeniVita Seniorenhaus St. Laurentius in Piding.

Personalnotstand in den Altenheimen

Eine Pflegerin für 40 Leute: Wie soll das gehen?

Seit gut 30 Jahren ist Irmgard Strobel nun Altenpflegerin. Und ja, die 50-Jährige liebt ihren Beruf. Doch die Umstände sind nicht gerade einfach. Ihr fehlt schlicht die Zeit, um sich um ihre Patienten ausreichend zu kümmern.

 „Ich habe es nie bereut – auch wenn es manchmal schwierig ist“, sagt die zweifache Mutter. Schwierig – das wird es, wenn Irmgard Strobel wieder auf die tägliche Jagd gehen muss. Auf die Jagd nach Zeit. „Weil die Behandlungspflege immer mehr wird, fehlt uns einfach auch immer mehr die Möglichkeit, mit den Bewohnern mal nur zu reden oder spazieren zu gehen.“ Irmgard Strobel lächelt und fügt dann an: „Ja, unser Job ist manchmal hart.“

Das ist er fürwahr. Für viele zu hart. Die neuesten Statistiken zeigen, dass schon jeder zweite examinierte Altenpfleger nach vier Jahren wieder aus dem Beruf aussteigt. Irmgard Strobel weiß, warum: „Wir haben viel Schichtarbeit, viel Verantwortung, eine hohe psychische Belastung – das packt nicht jeder“, erklärt die Bayerin aus Piding (nahe Bad Reichenhall). Dazu kommt der Berg an Dokumentation. Teils hat ein Bewohner bis zu 27 Blätter, die über ihn geführt werden, die ständig ausgefüllt und aktualisiert werden müssen: Welche Medikamente hat er bekommen, wie verhält sich der Demenzkranke heute, welche Therapie-Ansätze sind sinnvoll … Auch das raubt wieder immens viel Zeit – und Nerven. Altenpfleger müssen heute schon längst Organisationstalente sein, sagen Experten.

Pflegeexperte Joachim Görtz.

Die ständig steigenden Belastungen – auch Joachim Görtz, Bayernchef des bpa (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.) weiß, dass die Lage immer schlimmer wird. „Fakt ist: Gute Pflege steht und fällt mit den Pflegekräften. Haben Sie motivierte, engagierte Mitarbeiter ist auch die Versorgung der Bewohner gut“, so der Experte. „Nur leider wird denen vom ganzen System immer mehr aufgehalst. Da muss sich schnellstens etwas ändern.“ Denn die Folge liegt auf der Hand: Immer weniger wollen den wichtigen Sozialberuf überhaupt erlernen – ohne Kräfte aus dem Ausland wäre das System schon längst kollabiert. Die Jagd auf engagierte Mitarbeiter hat schon jetzt teils groteske Züge angenommen. So gibt es Heime, die mittlerweile ein Kopfgeld von 2000 Euro für die Vermittlung von guten Pflegekräften zahlen. Die Statistiken zeigen zudem: Schon im Jahr 2020 fehlen im Land 50 000 Pflegekräfte. „Wo soll das hinführen?“, fragt Joachim Görtz. „Es kommt ja jetzt schon vor, dass in manchen Häusern in einer Nachtschicht eine Pflegekraft für 40 oder 45 Bewohner zuständig ist. Wie soll das auf Dauer gehen? Die Situation ist mittlerweile wirklich beängstigend.“

Bruttomonatsverdienste in ausgewählten Pflegeberufen in Euro (VERGRÖßERN)

Was also tun? Wie könnte das Gesamtproblem gelöst werden? „Der ganze Beruf müsste zum einen endlich finanziell aufgewertet werden“, fordert Joachim Görtz. Denn Tatsache ist, dass das derzeitige Gehalt von rund 2150 Euro brutto (nach einer dreijährigen Ausbildungszeit) junge Menschen eher abschreckt, den Beruf zu ergreifen, als sie begeistert. Ein Pflege-Azubi bekommt 800 Euro. Summen, mit denen es sich gerade in teuren Städten wie München kaum leben lässt. Vor Kurzem forderten Politiker zudem, dass der Pflegeberuf wegen der Altersentwicklung im Land schnellstmöglich akademisiert werden müsste. Heißt in anderen Worten: Bald sollten sich nur noch studierte Kräfte um die Alten kümmern. Ein Vorschlag, den viele Experten für „weltfremd“ halten: „Und wo sollen die Kräfte herkommen? Und wer soll das bezahlen?“, wundert sich Joachim Görtz. Seiner Meinung nach müsste der Berufsweg eher vereinfacht werden. „Eine Idee wäre doch, eine Art Prüfungs-Praktikum einzuführen. Da entscheidet dann eine Instanz – beispielsweise eine Stationsleitung – ob ein Mensch für diesen Beruf geeignet ist. Sagen wir, nach drei Monaten. So kämen wir schnell zu guten Kräften.“

Das Pflegesystem in unserem Land krankt seit Jahren. Auch Altenpflegerin Irmgard Strobel wünscht sich mehr Fachkräfte auf ihrer Station. „Damit einfach mehr Zeit für den Bewohner da ist.“ Ihrer Meinung nach müssten endlich Politik und die Kassen reagieren und mehr Geld in die Pflege pumpen. Aber dennoch sieht sie nicht schwarz: „Viele Pflegekräfte in unserem Land leisten jeden Tag tolle Arbeit. Wissen Sie warum? Weil sie in unserem Beruf abends nach Hause gehen und wissen, dass sie anderen Mitmenschen geholfen haben. Das ist ein großartiges Gefühl.“

Armin Geier

 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Die Krebsneuerkrankungen steigen mit jedem Jahr. Doch manche sind, wenn sie früh erkannt werden, erfolgreich zu behandeln. Achten Sie daher auf folgende Warnzeichen.
Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Eine Frau wacht eines Tages auf und kann ihren Mund nicht mehr öffnen. Fünf Jahre lang muss sie durch die Hölle gehen – und erlebt keinen Tag ohne Schmerzen.
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund
Er hat ständig Hunger und fühlt sich dennoch immer kurz vorm Verhungern: Der kleine Evan leidet an einem unstillbaren Appetit, der sein Leben zur Hölle macht.
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund
Schneller schlank und fit: Das ist die beste Zeit für Sport
Wer abnehmen möchte, muss auch Sport treiben, damit Kalorien und Fett verbrannt werden. Doch wann ist es am effektivsten?
Schneller schlank und fit: Das ist die beste Zeit für Sport

Kommentare