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Ob beim Rasieren, am Krankenbett oder im Haushalt: Ambulante Pflegedienste helfen vielfältig.

Die tz gibt die wichtigsten Antworten

Woran Sie einen guten Pflegedienst erkennen

Die Zahlen sprechen für sich: Über 70 Prozent aller Pflegebedürftigen - das sind derzeit gut 1,7 Millionen - werden zu Hause versorgt. Hier erfahren Sie, wie Sie einen geeigneten Pflegedienst finden:

Petra M. kümmert sich jeden Tag, jede Nacht um ihren geliebten Ehemann Hans. Seit drei Jahren ist der ehemalige Bahnangestellte nun ein Pflegefall. „Aber ich würde ihn nie ins Heim geben. Er bleibt hier“, erklärt die 64-Jährige resolut. Jede Nacht steht sie mehrfach auf, um ihrem Hans zu trinken zu geben, zu waschen oder umzulagern. „Trotz der Strapazen will ich ihn einfach daheim versorgen - hier haben wir uns unser Leben aufgebaut.“

So wie Petra M. denken viele Menschen in Deutschland. Die Zahlen sprechen für sich: Über 70 Prozent aller Pflegebedürftigen (das sind derzeit gut 1,7 Millionen) werden zu Hause versorgt. Fast ausschließlich von Verwandten, die meist nur von einem ambulanten Dienst unterstützt werden. Letzterer ist dabei oft entscheidend, ob die Situation tagtäglich zu meistern ist – oder unerträglich wird. „Ohne den würde ich es nicht mehr schaffen“, erklärt Petra M. Stellt sich die Frage: Wie findet man einen guten ambulanten Dienst? Und wie erkenne ich ihn? Welche Hilfen stehen mir generell bei der Pflege meines Liebsten zu? Die tz gibt die wichtigsten Antworten:

Finde ich jederzeit einen ambulanten Dienst, wenn ich plötzlich Hilfe brauche?

In München bieten 110 ambulante Dienste ihre Hilfe an. Welche das sind, finden Sie problemlos im jeweiligen Alten- und Servicezentrum Ihres Stadtteils heraus. Außerdem gilt: Fragen Sie im Bekanntenkreis nach Menschen, die einen ambulanten Dienst beschäftigen und damit Erfahrung haben. Deren Tipps sind Gold wert.

Wie viel muss ich im Monat für einen ambulanten Dienst bezahlen?

Das hängt immer von der Menge der Leistungen ab und von der Pflegestufe des Patienten. Ambulante Dienste sind gesetzlich verpflichet, jede Arbeit einzeln abzurechen: So kostet eine Ganzkörperwäsche beispielsweise 11 Euro, das Fingernägelschneiden 1,76 Euro, das Umlegen oder Umsetzen 2,20 Euro. Sie werden also nicht mehr nach Stunden bezahlt. Warum? Weil so Angehörige versuchen, so viel Arbeiten wie möglich selbst zu erledigen – und damit das Pflegesystem exrem entlasten. Sie sind also schlichtweg billiger. Das ist von der Politik so gewollt.

Wer bezahlt diese Leistungen?

Zum Teil die Patienten bzw. Angehörigen, zum Teil die Pflegekasse. Nehmen wir ein Beispiel: Eine Person hat Pflegestufe 3 (die höchste) – ist also schwer krank und bettlägrig. Dann zahlt die Kasse eine sogenannte Pflegesachleistung von 1550 Euro monatlich (bei Stufe 2 sind es 1100 Euro, bei Stufe 1 genau 450 Euro). Alles, was an Kosten darüber hinausgeht, muss der Betroffene dann selbst zahlen. Wie viel das ist? Das hängt immer von dem Leiden selbst ab – aber rund 3000 Euro an Monatskosten sind normal.

Was ist, wenn ich meinen Angehörigen ganz alleine pflege – ohne ambulanten Dienst?

Dann spart der Staat viel Geld, denn jemand, der seinen Liebsten mit Pflegestufe 3 ohne Hilfe versorgt, bekommt ein sogenanntes Pflegegeld im Monat, das sind derzeit 700 Euro. Bei Pflegestufe 2 sind es 440 Euro, bei Stufe 1 nur noch 235 Euro.

Was sollte ich als erstes tun, wenn ich einen ambulanten Dienst suche?

Treffen Sie sich mit dem Dienst und fertigen Sie vorher ein „Pflegetagebuch“ an. Das heißt: Notieren Sie, welche Arbeiten Sie übernehmen können und welche nicht. Dann ist schnell klar, wie der ambulante Dienst eingreifen muss – was Sie einfach nicht selbst schaffen.

Und wie erkenne ich, ob der Dienst gut ist?

Ein guter ambulanter Dienst zeichnet sich durch mehrere Dinge aus: Er ist pünktlich (wenn es später wird, ruft er vorher an); er erklärt immer die Pflegehandlungen, die vorgenommen werden; er betritt die Wohnung so wie es sich gehört – mit Klingeln und Klopfen. Dazu kommt: Ein guter Dienst zeigt immer Respekt, spricht den Patienten immer direkt an (kein Duzen oder gleichgültiges Wegschauen). Und: Die Abrechnungen des Dienstes sind immer verständlich und nachvollziehbar. Kontrollieren Sie diese auch regelmäßig!

Was soll ich tun, wenn ich mit dem Dienst nicht zufrieden bin?

Gibt es Probleme (besonders bei den Abrechnungen), verständigen Sie sofort Ihre Krankenkasse – und erklären Sie, dass Sie den Dienst wechseln möchten. Das sollte kein Problem sein. Wichtig ist hier aber: Achten Sie beim Unterschreiben eines Vertrags immer darauf, dass die Kündigungsfrist nicht zu lange ist.

Gibt es noch zusätzliche finanzielle Hilfen?

Wichtig ist zu wissen: Die Pflegekosten im Jahr sind alle voll steuerlich absetzbar. Zudem gibt es einen Pflegeurlaub, wo Angehörige sich einmal von den Strapazen erholen können und die Kasse für die Versorgung des Patienten – meist in einer Tagespflegeeinrichtung – aufkommt. Fragen Sie hier bei ihrer Krankenkasse nach!

Armin Geier 

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