Gezielte Injektion: Dr. Martin Marianowicz spritzt ein Medikament in den Rücken, um eine optimale Wirkung zu erreichen.

Moderne Therapien für Ihren Rücken

In der Medizin können ein paar Jahre Forschung Quantensprünge bewirken – weltweit tüfteln Wissenschaftler an innovativen Behandlungsmethoden in allen Fachgebieten. Davon profitieren auch Rückenpatienten.

„Bei der Entwicklung neuer Diagnoseverfahren und Therapien hat sich in den vergangenen Jahren viel getan“, berichtet der erfahrene Münchner Wirbelsäulen-Spezialist Dr. Martin Marianowicz. „Viele neuartige Methoden stammen aus den USA, werden inzwischen aber auch bei uns in Deutschland angeboten und teilweise sogar von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Sie können eine echte Alternative zu herkömmlichen Standardbehandlungen sein.“ In der tz erklärt Dr. Marianowicz einige dieser modernen Waffen im Kampf gegen Rückenleiden.

Gezielte Schmerzmittel-Injektionen

Tabletten gegen die Schmerzen – manchmal helfen auch sie nicht mehr. Eine Erfolg versprechende Alternative ist die gezielte Injektion. Dabei werden Schmerzmittel direkt an die gereizten Nervenwurzeln gespritzt. Die Injektionen werden mit modernen Geräten überwacht, beispielsweise Kernspin- und Computertomografie. „Dadurch haben wir eine Komplikationsrate, die gegen null geht“, erklärt Marianowicz.

Epidurale Neuroplastie mit Kathetertechnik

Ein Schmerzkatheter-System, das sich besonders für die zielgenaue Behandlung akuter und chronischer Bandscheibenvorfälle sowie leichter bis mittlerer Spinalstenosen eignet. Zunächst versetzen die Ärzte den Patienten dabei in einen leichten Dämmerschlaf – der Patient verspürt bei dem 30-minütigen Eingriff keine Schmerzen. Durch eine natürliche Knochenöffnung im Steißbein wird ein Schmerzkatheter in den Wirbelkanal geführt. Ähnlich wie bei der Spiegelung des Wirbelkanals ermöglicht es der elastische Schlauch, entzündetes, geschwollenes oder eingeengtes Gewebe an den Bandscheiben direkt zu erreichen. Der Arzt kann entzündungshemmende Medikamente oder abschwellende, schmerzstillende und durchblutungsfördernde Substanzen genau dahin fließen lassen, wo sie am effektivsten wirken. Nach der Behandlung bleibt der Katheter noch zwei bis drei Tage im Körper, so dass die medikamentöse Behandlung wiederholt werden kann. Der Patient darf sich mit Minischlauch im Körper frei bewegen. Er muss erst wieder zur Entfernung des Katheters in die Klinik. „Auch die gesetzlichen Kassen übernehmen diese Behandlung“, weiß Marianowicz.

Injektionen von körpereigenen Stoffen aus Eigenblut (ACP-Therapie/Orthokin-Therapie)

Diese Behandlung kommt für Arthrosepatienten ebenso infrage wie für Menschen, die unter starken Ischias­beschwerden leiden. Sie hilft auch bei gereizten Nerven nach einem Bandscheibenvorfall. So funktioniert die Hightech-Methode aus der Molekularbiologie: Dem Patienten wird Blut abgenommen. Im Labor isolieren und vermehren die Experten dann den Bestandteil Anti-Interleukin-1. Marianowicz: „In unserem Körper ist dieser Wirkstoff quasi der Gegenspieler von knorpelabbauenden Stoffen. Zudem hemmt er Botenstoffe des Immunsystems, die Entzündungen fördern und Gelenke angreifen.“ Das gezüchtete Anti-Interleukin-1 wird eingefroren. Bei Bedarf kann es sich der Patient spritzen lassen. „Um eine anhaltende Besserung zu bewirken, sind fünf bis acht Injektionen erforderlich. Die Wirkung hält dann ein bis drei Jahre an. Der große Vorteil: Die körpereigene Substanz hat keine Nebenwirkungen, sie kann selbst bei Patienten mit einer Medikamentenunverträglichkeit in der Regel bedenkenlos eingesetzt werden.“

Das Problem an der Orthokin-Therapie ist der Preis: Sie kostet rund 1.000 Euro. „Die gesetzlichen Kassen zahlen leider nicht, manche privaten übernehmen zumindest einen Teilbetrag“, erklärt Marianowicz.

Facettengelenke denervieren

Viele Patienten leiden unter Rückenbeschwerden, die von einer Abnutzung der kleinen Facettengelenke herrühren. „Für die Schmerzen ist ein kleiner Ast der Nervenwurzel verantwortlich“, erläutert Dr. Marianowicz. „Der heißt Ramus medialis. Mit einem kleinen Behandlungsschritt lässt er sich praktisch stummschalten.“ Auch bei diesem Verfahren schiebt der Mediziner eine Sonde im Super-Liliput-Format in die Wirbelsäule. Dann rückt er dem Nerv entweder mit großer Kälte (Kryotherapie) oder Radiofrequenzen auf den Pelz. Bei der zweiten Methode wird der Nerv kurz auf 80 Grad erhitzt und so ausgeschaltet. „Eine dritte Alternative ist Laserenergie, auch damit lässt sich der Ramus medialis deaktivieren“, sagt Marianowicz. „Die Kassen zahlen alle drei Methoden. Aber ich persönlich bevorzuge die Radiofrequenz-Behandlung. Sie hält ungefähr 14 Monate an. Dagegen unterbricht die Kältetherapie den Schmerz nur für drei bis vier Monate.“

Spiegelung des Wirbelsäulenkanals

Mediziner sprechen von einer Epiduroskopie. Dazu verwenden sie eine winzige, gerade mal 2,3 Millimeter dünne Sonde mit integrierter Minikamera. Sie wird durch eine natürliche Knochenöffnung im Steißbein bis in den Wirbelsäulenkanal geschoben – schmerzfrei unter lokaler Betäubung. Der gesamte Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde. Mithilfe der Kamera können die Ärzte Entzündungsherde orten und anschließend auch gleich behandeln: Der Mini-Schlauch ermöglicht es, defektes Gewebe auszuspülen und Mittel exakt an die entzündeten Bereiche zu bringen.

Bandscheiben schrumpfen (PLDD)

Dabei handelt es sich um eine Methode zur minimalinvasiven Behandlungen von leichten Bandscheibenvorfällen – für den Fall, dass der Faserring noch intakt ist. Der Arzt setzt einen winzigen Stich, so dass er eine Minisonde ins Gewebe schieben kann. Mit Hilfe eines Lasers, Radiofrequenzen, Hitze, kleiner Fräsen oder eines starken Wasserstrahls wird das schmerzende Bandscheibengewebe zum Schrumpfen gebracht. Die Behandlungen können in einer halben Stunde ambulant erfolgen.

Wirbelkörper mit „Spezial-Zement“ reparieren

auf Fachchinesisch Vertebroplastie, Kyphoplastie, Vesselplastie. „Damit lassen sich morsche oder gebrochene Wirbelkörper wieder kitten“, berichtet Marianowicz. Bei der Vertebroplastie wird der Knochenzement direkt in den brüchigen Wirbelkörper gespritzt und härtet binnen kurzer Zeit aus. Dabei stabilisiert sich der Wirbelkörper. Die Methode erfordert genauestes Arbeiten. „Wenn der Zement in eine Vene oder in den Spinalkanal fließt, kann es zu Komplikationen bis hin zu Lähmungen oder einer Embolie kommen“, warnt Marianowicz.

Es gibt Verfahren mit höherem Sicherheits-Niveau, die allerdings zehnmal so teuer sind. Der Rücken-Profi: „Bei der Kyphoplastie wird zunächst ein Ballon in den Wirbelkörper eingebracht und aufgepumpt. Erst dann wird der Zement mit weniger Druck in die durch den Ballon vorgeformte Höhle gedrückt. Dadurch gelangt seltener Zement in den Wirbelsäulenkanal.“ Bei der dritten Möglichkeit, der Vesselplastie, verwenden die Ärzte statt eines Ballons ein ballonähnliches Netz. Zwar gehört der Einsatz von Knochenzement zu den Kassenleistungen, aber Dr. Marianowicz schränkt ein: „Diese Behandlung macht nur bei einem relativ frischen Wirbelbruch wirklich Sinn – innerhalb der ersten zehn Tage nach der Verletzung.“

Andreas Beez

Quellenhinweis: Mit Passagen aus dem Buch „Aufs Kreuz gelegt“ von Dr. Marianowicz, Verlag Goldmann/Arkana, München.

Antworten in Arbeit

Volksleiden Rückenschmerzen – das Inte­resse der tz-Leser an unserer Zweitmeinungs-Aktion war riesengroß, die Redaktion hat Dutzende Zuschriften aus ganz Bayern erhalten. Inzwischen wertet unser Experten-Team bereits die einzelnen Fragen aus und berät darüber, was den Patienten am besten helfen könnte. Sobald die Rücken-Profis die Zuschriften analysiert haben, werden die Antworten in der tz veröffentlicht. Wir bitten Sie, liebe Leser, noch um etwas Geduld, denn die gründliche Auswertung Ihrer E-Mails und Briefe nimmt viel Zeit in Anspruch.

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