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Akupunkturnadeln sollen den Energiefluss anregen

Die Heilkunst aus dem fernen Osten

Jesus war noch lange nicht auf der Welt, da hatten schon die großen Lehrmeister der chinesischen Philosophie, wie Laotse und Konfuzius, Grundgerüste eines Denkens gesetzt, unter dessen Einfluss im fernen Osten eine der ältesten Heilmethoden der Menschheit aufkeimte: die klassische chinesische Medizin.

Sie schöpft ihre Kraft aus einer über 2500 Jahre alten Erfahrung und Entwicklung. Auch im aufgeklärten Westen setzt sich der Glaube an den Erfolg der alternativen Methoden immer mehr durch. Selbst viele Schulmediziner tun die TCM, einer der bekanntesten Stile innerhalb der chinesischen Medizin, längst nicht mehr als Hokuspokus ab.

„Sie kann auch bei Rückenleiden helfen“, sagt Wirbelsäulen- Experte Dr. Martin Marianowicz. Deshalb hat er sich einen Fachmann auf diesem Gebiet ins Team geholt: den Heilpraktiker Johannes Langemann. In der Privatklinik Jägerwinkel in Bad Wiessee leitet er den Bereich Traditionelle Chinesische Medizin und alternative Heilmethoden, im Münchner Marianowicz-Zentrum ist er Spezialist für chinesische Akupunktur und japanische Meridiantherapie. In der tz erläutert Langemann einige gängige Behandlungsmethoden der TCM.

Gesund sein, ausgeglichen, mit sich selbst im Reinen – Basis für dieses Gefühl der inneren Balance ist nach der Lehre der TCM ein harmonisches Fließen von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten. Qi steht hier für Lebensenergie.

Aufgezeichnete Stechpunkten für die Akupunktur

 „Die chinesische Akupunktur geht davon aus, dass der Körper von 71 bis 72 Leitbahnen durchzogen wird, die die Energieverteilung im gesamten Körper regulieren“, erläutert Experte Johannes Langemann. Bei einem kranken Menschen ist der Fluss des Qi durch innere oder äußere pathogene Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten. „Schmerz ist nach chinesischem Verständnis eine Stagnation von Qi und Blut.“ Hier setzt die uralte Heilkunde an. Im Fokus steht das Bemühen, das Gleichgewicht der Energien wiederherzustellen. Ausgeprägter als in der westlichen Medizin, wird bei der Erarbeitung eines Therapiekonzeptes immer der ganze Mensch betrachtet, unter Berücksichtigung all seiner Lebensumstände. Diese Betrachtungsweise ist kein Widerspruch zur westlichen Medizin, sondern eine Ergänzung.

Ein harmonisches Fließen von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten

 „Für eine westliche Diagnose kann es fünf chinesische Diagnosen geben und umgekehrt“, sagt Johannes Langemann. Viereinhalb Jahre lang hat seine Ausbildung gedauert. Er selbst hat sich auf die klassische chinesische Akupunktur spezialisiert. „Deren Ziel ist es, über die Stimulation klar definierter Akupunkturpunkte eine Selbstregulation des Körpers zu erreichen.“ Dabei wird ein gestörter Energiefluss mithilfe von präzise gesetzten Nadeln ausgeglichen. Zu diesem Zweck verwendet Langemann in seiner Praxis vier bis zehn Nadeln pro Therapiesitzung, die meisten nicht mehr als 0,25 Millimeter dick. „Auf diese Weise lassen sich auch sogenannte Triggerpunkte effektiv behandeln, also verkürzte, verhärtete und druckempfindliche Areale innerhalb der Muskulatur, die vielfach für starke Schmerzausstrahlung verantwortlich sind. Durch den Impuls der Nadel lassen sich schmerzhafte Verhärtungen auch in der Tiefe auflösen.“

Angst vor den Nadeln müssen die Patienten nicht haben. Zum einen sind es sterile Einweg-Instrumente, zum anderen sind die Stiche – bei entsprechender Technik – leicht auszuhalten. „Der Patient sollte die Wirkung der Nadel zwar spüren, dabei aber keine unangenehmen Schmerzen haben“, sagt Langemann. Natürlich könne auch die chinesische Medizin keine Wunder vollbringen, betont der Experte.

„Akupunktur geht nicht nach Kochrezept“, sagt Langemann, „es gibt nicht den Akupunkturpunkt für Rückenschmerzen. Das ist eine komplexere Angelegenheit.“ Entsprechend unterschiedlich ist die Zeitspanne, in der sich Therapieerfolge einstellen können. Langemann: „Es gibt zwar Schmerzbehandlungen, die bereits nach ein bis zwei Sitzungen Wirkung zeigen. Aber bei chronischen Beschwerden kann es auch schon mal Wochen und Monate mit zehn oder 20 Terminen dauern, bis der Patient eine Verbesserung verspürt.“ Dafür bleibt so manchem Rückenkranken aber eine Operation erspart.

Die gängigsten Behandlungsmethoden

Moxiustion - traditionelle chinesische Medizin

Moxibustion: Zu handlichen Kegeln geformt oder in Papier gerollt werden die feinen Fasern, des auch hierzulande bekannten Beifußkrautes (Moxa), auf oder über bestimmten Akupunkturpunkten abgebrannt. Hierbei wird dem Körper gezielt Wärme zugeführt. Dadurch wird die Stoffwechselaktivität gefördert und auch das Immunsystem angeregt. Dem Moxakraut werden nicht nur wärmende, sondern auch nährende Eigenschaften zugesprochen, weiß Langemann.

Gua Sha: Eine uralte Schabtechnik, die sehr effektiv zur Beseitigung von Blockaden und Schmerzsyndromen im muskulosk-elettalen Bereich eingesetzt werden kann. Dabei werden vorher eingeölte Hautareale so lange mit einem Holzspatel oder chinesischen Löffel bearbeitet, „bis eine teilweise beeindruckende Rötung unter der Haut entsteht, die sich aber nach wenigen Tagen wieder vollständig zurückbildet“, berichtet Langemann. Die Haut bleibt dabei unverletzt.

Beim Schröpfen wird Gewebe angesaugt und gelockert

Schröpfen: Bei dieser in vielen Kulturkreisen beheimateten Methode, wird in einem Schröpfkopf ein Vakuum erzeugt, während dieser auf die betroffene Körperregion gesetzt wird. Durch den so erzeugten Unterdruck wird das darunterliegende Gewebe vom Schröpfkopf angesaugt. Mittels mehrerer Schröpfköpfe können größere Muskelgruppen gleichzeitig behandelt werden. „Bei Muskelverletzungen, Verspannungen, aber auch zur Anregung des Lymph-flusses ist diese Technik sehr hilfreich“, sagt der Experte.

Tuina-Massagen: Eine spezielle, äußerst komplexe und vielfältig einsetzbare chinesische Therapieform – tui bedeutet übersetzt schieben, na steht für ziehen –, die sich in ihrer harmonisierenden und Leitbahn regulierenden Wirkung, gerade auch bei Sörungen des Bewegungsaparates immer wieder bestens bewährt, berichtet Heilpraktiker Langemann. Allerdings ist bei dieser Therapieform eine fundierte Kenntnis der chinesischen Medizin unverzichtbar.

Experten-Tipps für Patienten

  • Ein seriöser Therapeut wird sich immer über Ihr Interesse freuen, wenn Sie ihn nach Art, Inhalt und Dauer seiner Ausbildung fragen. Zwei bis drei Jahre lang sollte jeder Heilpraktiker, der chinesische Medizin betreibt, sein Metier mindestens studiert und erlernt haben.
  • Ein seriöser Therapeut beachtet sowohl die hygienischen wie die diagnostischen Standards seines Fachs. Die Basis einer jeden Behandlung liegt in einer gewissenhaft durchgeführten Anamnese. Dieses Patientenerstgespräch dauert in der Regel eine bis eineinhalb Stunden und beinhaltet eine ausführliche Befragung, die sich nicht nur auf die Beschwerden beschränkt, sondern die gesamten Lebensumstände des Patienten einbezieht.
  • Die Puls-Diagnose ist ein Muss. In der Regel wird diese an beiden Handgelenken an jeweils drei Taststellen durchgeführt. Die vom Therapeuten ertasteten Pulsbilder, bei denen sich insgesamt 28 verschiedene Pulsqualitäten unterscheiden lassen, können entscheidende Hinweise auf den Zustand von Qi, Blut und inneren Organen liefern.
  • Wichtig ist auch die Zungendiagnose: Das Betrachten von Farbe, Form und Belag der Zunge geben dem Therapeuten Anhaltspunkte über den gesundheitlichen Zustand seines Patienten.
  • Je nach Therapiestil steht dem Behandler ein ganzes Arsenal an weiteren diagnostischen Methoden zur Verfügung. Wenn ein Therapeut allerdings seinem Patienten das Blaue vom Himmel verspricht, ist Vorsicht geboten.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Heilpraktiker vor der Behandlung ausführlich über die Kosten. Die gesetzlichen Versicherungen erstatten die Ausgaben leider nicht. In welchem Rahmen private oder Zusatzversicherungen Akupunkturbehandlungen abdecken, sollte vorher abgeklärt werden.

ANDREAS BEEZ

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