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Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und der OECD hat ergeben: In bestimmten Regionen Deutschlands kommen Blinddarmpatienten deutlich häufiger unters Messer. Foto: Oliver Berg

Unnötige OPs: Musste der Blinddarm wirklich raus?

Berlin (dpa) - Eine OP belastet den menschlichen Körper. Wenn in einigen Regionen achtmal mehr operiert wird als in anderen, muss man fragen, ob etliche Patienten unnötig belastet werden.

Deutsche Ärzte sind an der Weltspitze, wenn es darum geht, eine Gebärmutter erfolgreich zu entfernen. Sie verzeichnen seit Jahren gute Qualitätsdaten bei Neben- und Nachwirkungen. Das Problem ist nur, es bestehen seit Jahren Zweifel daran, ob alle diese operativen Eingriffe nötig waren und sind. Nun ist die Frage der Indikation, also der Entscheidung, ob ein Eingriff nötig ist oder nicht, sicher mit die schwierigste im Arztberuf. Nicht minder schwierig ist es, danach zu prüfen, ob die Entscheidung richtig war.

Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen. Er stellte für 2013 fest, dass die Qualität der Krankenhäuser unverändert hoch sei, dass aber etwa bei Brustkrebs zu häufig zu früh operiert werde. Die Zweifel werden durch einen jahrelangen Verdacht genährt: Angeblich sollen in manchen Krankenhäusern Chefärzte Verträge erhalten haben, die sich an der Zahl der OPs orientieren.

Zudem belegen immer wieder Studien, dass in bestimmten Regionen bestimmte OPs besonders gern vorgenommen werden. Zuletzt waren das die Studien von der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "In einigen Städten und Landkreisen werden seit Jahren achtmal so vielen Kindern (!) die Mandeln herausgenommen wie anderswo." Die Autoren der Studien nennen Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), Bremerhaven oder Delmenhorst (Niedersachsen).

Kinder belastet eine Mandeloperation nicht unerheblich - zumal sie unter Vollnarkose durchgeführt wird. Und für Erwachsene sind Blinddarm- und Prostata-OPs, der Einsatz künstlicher Kniegelenke, Kaiserschnitte oder eben Gebärmutterentfernungen ebenfalls keine leichten Eingriffe. Bei den drei zuletzt genannten unterscheidet sich laut Studien die Operationshäufigkeit zwischen den Regionen immerhin noch um das Zwei- bis Dreifache.

Die Autoren versichern, dass es sich bei den Spitzenwerten keinesfalls um Ausreißer handle. "Bei den Mandelentfernungen etwa weichen 137 der 402 deutschen Städte und Gemeinden um mehr als 30 Prozent vom Bundesdurchschnitt ab." Und einige Städte wiesen gleich bei mehreren Eingriffen die höchsten Operationsraten auf. Die Studien-Autoren raten zu mehr Kontrolle und bemängeln, dass klare medizinische Leitlinien fehlten. Patienten sollten intensiver nach alternativen Behandlungsmethoden fragen.

Die Krankenkassen dringen schon seit längerem auf eine Neujustierung des Qualitätssicherungsverfahrens. Hier sollte nicht nur die Qualität des Operationsverlaufs und des Heilungserfolges festgehalten werden, sondern eben auch, ob unnötig operiert wird. Vor kurzem sorgte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit der Forderung nach einem Ärzte-Ranking für Unmut bei den niedergelassenen Ärzten.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagt, in diese Neuorientierung gehöre auch das Thema Krankenhausreform. Denn wenn Ärzte in einen Krankenhaus nicht durch ausreichend Patienten ausgelastet seien, bestehe ein höherer Anreiz, OPs eher aus finanziellen als aus medizinischen Erwägungen zu machen.

Es ist also auch eine Frage von Über-, Unter- oder Fehlversorgung in den einzelnen Regionen, die sich Bund und Ländern in ihren derzeitigen Krankenhausreformgesprächen stellt. Dazu gehört auch, Anreize zu schaffen, um junge Ärzte aufs Land zu holen, und nicht in überversorgte Ballungszentren.

Faktencheck Gesundheit der Bertelsmannstiftung

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