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Führt vegetarische Ernährung bei Kindern zu Wachstumsstörungen? Neue Analyse veröffentlicht

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Von: Juliane Gutmann

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Ein Kleinkind isst eine Gurke
Keine Extrawurst für Kinder: Ob vegetarische Ernährung schadet, haben kanadische Forscher jetzt ermittelt. © Thomas Trutschel/Imago

Kinder ohne Wurst und Fleisch groß ziehen: Eine gute Idee oder steigt so das Risiko von Nährstoffmangel? Ein Forscherteam hat sich mit dieser Frage befasst.

Eine weit verbreitete Mär: Wer sich vegetarisch ernährt, leidet eher an Nährstoffmangel. Tatsächlich kann es durch einseitige Ernährung zu einer Unterversorgung mit Magnesium, Kalium oder anderen wichtigen Substanzen kommen – das gilt allerdings auch für Fleischesser. Wer Wurst und Steak isst, aber andere Lebensmittelgruppen wie Milchprodukte oder Gemüse strikt vom Teller verbannt, erhöht sein Risiko für Mangelerscheinungen. Dasselbe gilt für Vegetarier, die sich zu einseitig ernähren. Generell gilt also: Je ausgewogener Sie sich ernähren, desto besser. Wer Fleisch und Wurst vom Speiseplan verbannt oder nur selten isst, tut sich und seiner Gesundheit sogar etwas Gutes, wie diverse Studien über vegetarische Ernährung nahelegen.

Wer sich vegetarisch ernährt, nimmt in der Regel neben Gemüse und Obst auch Milchprodukte und Eier als Protein-Lieferanten zu sich. Was viele nicht wissen: Tofu, Seitan und Bohnen sind ebenfalls sehr gute Eiweiß-Quellen. Auch die Sorge eines Eisenmangels steht manchmal im Raum, wenn es um vegetarische Ernährung geht. Diese ist allerdings unbegründet, wenn jemand häufig zu pflanzlichen Eisenlieferanten greift. Dazu zählen Haferflocken, Kürbiskerne, Sesam und Vollkornprodukte.

Doch was, wenn Eltern Ihre Kinder vegetarisch ernähren? Kann das Gerücht stimmen, dass die rein pflanzliche Kost ihr Wachstum negativ beeinflusst?

Umfrage zum Thema Ernährung

Vegetarisch ernährte Kinder haben häufiger Untergewicht

Ein Team um Jonathon Maguire vom St. Michael’s Hospital in Toronto hat im Rahmen einer Studie ausgewertet, wie sich die vegetarische Kost auf die Entwicklung von Kindern auswirkt. Wie das Ärzteblatt informiert, wurden hierfür die Daten von Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und acht Jahren analysiert. Insgesamt nahmen 8.907 Kinder teil, darunter 248 Vegetarier und 25 Veganer bei Studienbeginn. In regelmäßigen Abständen wurden die Studienteilnehmer von Kinderärzten auf ihre gesundheitliche Entwicklung hin untersucht. Auch Blutuntersuchungen und Elternbefragungen zu Lebensgewohnheiten und Ernährung wurden ausgewertet.

„Es wurden keine Hinweise auf klinisch bedeutsame Unterschiede beim Wachstum oder bei biochemischen Messungen der Ernährung bei Kindern mit vegetarischer Ernährung gefunden“, so das Studienergebnis der Forschenden, die ihre Studie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlicht haben. Die vegetarische Ernährung hatte weder auf den Body-Mass-Index, noch die Körpergröße, den Vitamin-D-Spiegel oder die Serumwerte wie die Blutfettwerte negativen Einfluss, so die Forscher weiter. Es gibt jedoch eine Einschränkung. So berichteten die Studienleiter, dass die vegetarischen Kinder, die auf Kuhmilch verzichteten, etwas ungünstigere Blutfettwerte hatten als vegetarische Kinder, die täglich zwei Gläser Milch tranken, oder Kinder, die Fleisch aßen.

Was die Studie allerdings offenlegte: Die ausschließlich vegetarisch ernährten Kinder hatten zu 87 Prozent häufiger Untergewicht als die Kontrollgruppe. Studienleiter Jonathon Maguire rät Eltern deshalb, bei einer vegeta­rischen Ernährungsweise auf eine ausreichende Gewichtsentwicklung ihres Kindes zu achten, wie das Ärzteblatt informiert. (jg)

Mehr Informationen zur Studie „Vegetarian Diet, Growth, and Nutrition in Early Childhood: A Longitudinal Cohort Study

Veröffentlichungsdatum: 2. Mai 2022

Untersuchungszeitraum: Die Studie basiert auf den Daten der kanadischen Verbundstudie „targetkids“, deren Ziel es ist, die Gesundheit kanadischer Kinder zu analysieren und zu fördern.

Veröffentlicht im in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Pediatrics

Umfang: 8.907 Studienteilnehmer

Studienautoren: Kanadisches Forscherteam um Jonathon Maguire vom St. Michael’s Hospital in Toronto

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