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Test der Lungenfunktion: Prof. Joachim Meyer prüft, wie es um Waltraud Rickls Atmung steht.

COPD

Ventile für einen freien Atem

Immer mehr Menschen leiden an einer Verengung der unteren Atemwege. Diagnose: Chronisch obstruktive Bronchitis, kurz COPD.

Als Folge kann sich das Lungengewebe krankhaft verändern. Ein Lungenemphysem entsteht und raubt den Betroffenen den Atem. Eine neue Methode konnte ihn Waltraud Rickl (68) zurückgeben.

Nur wenige Monate ist es her, dass Waltraud Rickl im Rollstuhl durch die Klinikgänge geschoben werden musste. Jeder Schritt war eine zu große Anstrengung, löste Atemnot aus. Das ist Vergangenheit: Heute sitzt die 68-Jährige in ihrem Wohnzimmer, erzählt lebhaft, kocht zwischendrin Kaffee. Nur wenn sie allzu rasch aufsteht, wird ihr Atmen schwer. „Ich bin glücklich, dass ich das wieder kann“, sagt sie. Möglich machen dies Ventile in ihrer Lunge.

Die Probleme begannen bereits in Waltraud Rickls Kindheit. Sie macht eine schwere Lungenkrankheit durch. Ihr Leben lang bleibt sie danach anfällig für Infekte. Eine harmlose Erkältung – bei ihr kriecht sie gleich tief in die Atemwege. Diagnose: chronische Bronchitis. Dennoch raucht sie, wenn auch nicht viel. „Ich hätte wohl überhaupt keine Zigaretten anfassen dürfen“, sagt sie heute. Doch habe sie ihre Erkrankung wohl nicht ernst genug genommen – wie viele Patienten. Denn eine COPD, eine chronisch obstruktive Bronchitis, verläuft schleichend. Rickl ist schlank, macht Sport. Doch die letzten Jahre ihres Berufslebens ist sie oft im Stress, gibt auf sich und ihre Gesundheit weniger Acht. Auch das schadet ihrer Lunge.

Infekte, schwere Bronchitis, Schmerzen beim Atmen – immer wieder plagen Rickl solche Beschwerden. Doch verschwinden sie auch immer wieder. Dann, im Alter von 60 Jahren, ein erster Anfall von Atemnot. Zudem wird Rickls Mutter schwerkrank. Mit Unterstützung ihrer Geschwister pflegt sie sie bis zu ihrem Tod. Auch das kostet Kraft. Wenig später bei einem Urlaub in Cuxhaven wird es schlimmer. Schon ein paar Treppenstufen – und sie keucht. Ein Lungenexperte stellt die Diagnose: Lungenemphysem. Die chronische Bronchitis, bei der sich die Atemwege verengten, hat dazu geführt, dass das Lungengewebe geschädigt wurde. Die Lungenbläschen, die am Ende der Atemwege sitzen, sind überbläht. Die eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig ausgeatmet werden. Die Lunge vergrößert sich, der Brustkorb bläht sich auf, im Lungengewebe entstehen manchmal zentimetergroße Blasen. Die Patienten können nur noch einen Teil der Luft wieder aus ihrer Lunge atmen. Das führt zu Atemnot. Nicht selten gibt es eine familiäre Neigung zum Lungenemphysem. Auch Rickls Vater war daran erkrankt.

Rickl gibt nicht auf, geht ins Fitnessstudio. Doch die Beschwerden nehmen zu. „Ich war machtlos“, sagt sie. Ärzte empfehlen Sauerstoff. Diesen kann sie über eine Nasenbrille erhalten. Doch Rickl will das noch nicht. Doch im Winter schafft sie es nicht mehr bis ins Fitnessstudio. In einer Fernsehsendung sieht sie „Ihren Fall“. Ein Patient mit Lungenemphysem berichtet von einer relativ neuen Therapie: Mit Hilfe von Lungenventilen wurde das Volumen seiner Lunge verringert. Sein Zustand besserte sich erheblich. Behandelt wurde er in der Heidelberger Thorax-Klinik.

Rickl erkundigt sich. In Heidelberg empfiehlt man ihr das Pneumologie-Zentrum in der Städtischen Klinik in Harlaching. Dort betreut Prof. Joachim Meyer auch Patienten mit Lungenemphysem. Rasch hat Rickl einen Termin. Doch der Weg bis zum Eingriff ist lang. Denn die Behandlung ist nicht für jeden Patienten geeignet. Erforderlich sind zunächst umfangreiche Untersuchungen. „Es dürfen keine Verbindungen zwischen den Lungenlappen bestehen“, erklärt Meyer. Die Lungenventile werden am Eingang zu einem Lungenlappen eingesetzt. Luft kann zwar herausströmen, aber nicht mehr hinein – der Lungenlappen fällt zusammen. Dies passiert aber nur, wenn keine Verbindung zu anderen besteht. Zudem verspricht die Methode nicht bei jedem Emphysem Erfolg. „Die meisten positiven Erfahrungen liegen bei Patienten vor, bei denen das Gewebe der oberen Lungenabschnitte stärker geschädigt ist“, erklärt Meyer. Die Verteilung des Lungenemphysems zeigt die Computertomographie. Zudem verschließen die Experten probeweise die Zugänge zu den Lungenlappen. Dazu führen sie mit einem Bronchoskop einen Ballon ein, der am Lappeneingang aufgeblasen wird und diesen kurz abdichtet. Am Ende steht fest: Rickl ist eine geeignete Patientin. Die bronchoskopische Verringerung des Lungenvolumens kann die Überblähung verringern und die Leistungsfähigkeit verbessern.

Bei den Untersuchungen wird zudem klar: Rickl leidet an Schlafapnoe, hat nachts ständig Atemaussetzer. Auch das hat die Krankheit wohl gefördert. Jetzt trägt sie im Schlaf eine Maske, die sie regelmäßig atmen lässt.

Der Eingriff selbst ist nicht groß – seine Wirkung schon. Zunächst kommt es zwar zu Problemen. Rickl hat einen Infekt. Doch als dieser auskuriert ist, geht es ihr rasch besser. Sie beantragt eine Rehabilitation. Denn die Krankheit hat sie lange Zeit an die Wohnung gefesselt. Sie muss ihre Muskeln, ihren Körper regenerieren. „Ich hatte auch Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Rickl. Zuerst lehnt die Kasse ab. Doch Rickl erhebt Einspruch – und kann schließlich nach Bad Reichenhall. Dort nimmt sie alle Angebote dankbar an, trainiert fleißig, findet neue Kraft.

Doch ist die Krankheit damit nicht besiegt. Rickl muss auch in Zukunft auf sich Acht geben, sich etwa vor erneuten Infekten schützen. Denn die bedeuten für COPD-Patienten meist eine dauerhafte Verschlechterung. „Ich hüte mich aber zu raten: Meiden Sie Ihre Umwelt“, sagt Meyer. Haben die Patienten wenig Kontakt zu anderen und vergraben sich stattdessen zu Hause, neigen sie eher zu Depressionen. Doch sollten Patienten aufmerksam sein. „Sie merken schnell, was ihnen guttut und was nicht“, sagt Meyer. So erschwert nasskaltes Wetter das Atmen. Kein Problem ist meist trockene Kälte.

Auch Rickl merkt, was ihr guttut. Etwa die Luft im Gradierwerk in Bad Reichenhall, wo früher Salz gewonnen wurde. Während der Reha ging sie täglich dorthin. Auch merkt sie, welche Belastung ihr besser bekommt. Bei der Hausarbeit fehlt ihr noch manchmal die Puste. Sie musste lernen, alles langsamer anzugehen – nicht leicht für die agile Frau. „Spazieren gehen ist besser“, sagt sie. Jede Woche geht sie in die Lungensportgruppe. Das hilft sehr. Noch immer kommt sie leicht außer Atem. Aber das Leben hat sie wieder.

Von Sonja Gibis

Stichwort: die Lunge

Die menschliche Lunge besteht aus zwei Flügeln. Der rechte ist dabei in drei sogenannte Lungenlappen unterteilt, der linke in zwei. Der linke Lungenflügel ist kleiner, weil das Herz auf dieser Seite einigen Raum einnimmt. Die Lungenlappen werden wiederum in verschiedene Lungensegmente unterteilt, die jeweils von einem Bronchialast versorgt werden.

Mit Hilfe des Zwerchfells und der Muskulatur der Rippen weitet sich der Brustkorb. Die Luft wird durch diesen Unterdruck in die Lungen gesaugt. Die Luft strömt über die Luftröhre in die Bronchien, die sich wie ein Baum immer weiter verzweigen. Die feinen Verzweigungen nennt man Bronchiolen. Diese enden schließlich in den Lungenbläschen, den Alveolen. Deren Wand durchziehen feine Blutgefäße. Hier kann der Sauerstoff direkt in das Blut übertreten, indem er sich an die roten Blutkörperchen bindet.

sog

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