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Schock-Bilder auf Tabakpackungen - Hersteller steuern gegen.

Tabakbranche

Verborgener Schock: Handel verdeckt Ekel-Fotos auf Tabakpackungen

Seit einem halben Jahr sind abschreckende Fotos auf Zigarettenschachteln Pflicht. Doch Hersteller und Handel haben darauf reagiert - mit einfachen Plastikkarten.

Berlin - Sie sollen Raucher vom Kauf abhalten: Bilder von Krebsgeschwüren, Raucherlungen oder verfaulten Zähnen auf Zigarettenschachteln und Tabakbeuteln. Doch in manchen Läden bekommen die Kunden diese Bilder erst nach dem Kauf zu sehen, denn die Händler haben die sogenannten Schockbilder verdeckt - mit Plastikkarten, die aussehen wie die Vorderseite von Zigarettenschachteln samt Preis und Stückzahl, nur ohne Warnhinweise. Der Verein Forum Rauchfrei hat die Fälle publik gemacht. Inzwischen gehen in Berlin und Leipzig erste Behörden dagegen vor. Die Tabakbranche jedoch sieht keinen Rechtsverstoß.

Im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nimmt sich aktuell die Lebensmittelaufsicht die Händler zur Brust, die in ihren Regalen die sogenannten Produktkarten vor die Schockbilder stecken. „Wir fordern sie auf, sie zu entfernen“, sagte Ordnungsamt-Leiter Lutz Betzgen. Ändert das nichts, sei im zweiten Schritt ein Zwangsgeld möglich.

Seit dem 20. Mai gilt in Deutschland die EU-Tabakrichtlinie, nach der auf Zigarettenpackungen abschreckende Fotos gezeigt werden müssen. Die Bilder müssen zusammen mit Warnungen wie „Rauchen ist tödlich“ mindestens zwei Drittel der Vorder- und Rückseite der Packungen einnehmen. Zuvor waren solche Hinweise kleiner.

In Sachsen hat Leipzig die Landesdirektion eingeschaltet. Die städtische Lebensmittelüberwachung geht davon aus, dass auch anderswo Warnhinweise verdeckt werden. Die obere Landesbehörde solle klären, ob damit gegen die Verordnung über Tabakerzeugnisse verstoßen wird.

Für das Bundesernährungsministerium ist der Fall klar. Es verweist auf die Verordnung. „Unter anderem dürfen die Warnhinweise zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens nicht teilweise oder vollständig verdeckt werden.“

Der Deutsche Zigarettenverband widerspricht. „Dem Händler steht es frei, wie er seine Waren im Ladenlokal präsentiert“, betont die Lobby der Hersteller, die die Händler mit den Produktkarten versorgen - als Orientierungshilfe, wie es Geschäftsführer Jan Mücke formuliert. „Es fällt schwer, angesichts der übergroßen Schockbilder den Überblick über das Sortiment zu behalten und die gesuchte Marke im Regal aufzufinden“, begründet Mücke dies. Wenn der Kunde die Zigarettenschachtel erhalte, seien die Warnhinweise sichtbar.

Das Forum Rauchfrei spricht von einem schändlichen Vorgehen. „Zu dem Zeitpunkt, wenn der Händler die Schachtel aus dem Regal heraus nimmt, hat sich der Käufer bereits für den Kauf entschieden.“ Der Verein geht davon aus, dass die Schockfotos in jeder zweiten Verkaufsstelle verdeckt werden. Der Verband der Tabakwarenhändler äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgehen.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamt sinkt der Tabakabsatz. Von Juli bis September wurden in Deutschland 11,3 Prozent weniger Zigaretten versteuert als im Vorjahreszeitraum. Die Statistiker führen das auf die Warnhinweise zurück, die Hersteller auf die notwendige technische Umstellung.

Der Bund will nicht aktiv werden, damit Händler die Schockbilder freilegen. Die Kontrolle sei Sache der Länder, teilte das Ernährungsministerium mit. Die zuständigen Behörden nähmen die Aufgabe auch wahr. „Das zeigt, dass die Marktüberwachung in Deutschland gut funktioniert.“

dpa

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