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K.o.-Tropfen werden von den Tätern unbemerkt ins Glas gemischt.

Wie Sie sich schützen

Nach Gruppen-Vergewaltigung: So erleben Opfer den K.o.-Tropfen-Horror

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München - K.o.-Tropfen setzen ihr Opfer außer Gefecht. Knockout, wortwörtlich. Schrecklicher Beweis ist die Gruppenvergewaltigung in München. Wie so ein Horrortrip abläuft - und wie man sich schützt.

Es ist der absolute Horror, was einer jungen Münchnerin Mitte April 2016 widerfuhr: Sie wacht in ihrer eigenen Wohnung auf und kann sich nicht erinnern, was in den letzten Stunden passiert ist. Ihr Unterleib schmerzt und in ihrer Wohnung fehlen Wertgegenstände - etwas Schreckliches muss passiert sein. Inzwischen hat die Polizei fünf junge Männer festgenommen, die die 26-Jährige gemeinsam vergewaltigt haben sollen. Ob K.o.-Tropfen im Spiel waren, ist noch nicht endgültig geklärt, doch der Verdacht liegt nahe.

Wie dem auch sei: Immer wieder hört man von Fällen, bei denen Menschen zuerst betäubt und dann Opfer eines Verbrechens wurden. Wir haben alle Fakten rund um K.o.-Tropfen zusammengefasst. Und Tipps, wie man sich schützen kann. 

Was sind eigentlich K.o.-Tropfen?

Als K.o.-Tropfen (K.o. ist die Abkürzung für Knockout) werden flüssige Drogen bezeichnet, mit der vor allem Mädchen und Frauen schachmatt gesetzt werden. Die bekannteste Substanz ist laut kotropfen.net Gamma-Hydroxybuttersäure (kurz GHB), auch bekannt als Liquid Ecstasy. Über das Internet gelangen Kriminelle leicht an die Substanz. Mithilfe von legalen Mitteln, die sogar im Baumarkt erhältlich sind, lassen sich K.o.-Tropfen auch selbst herstellen. 

Wer wird Opfer von K.o.-Tropfen?

K.o.-Tropfen werden von den Tätern vor allem eingesetzt, um Mädchen und Frauen wehrlos zu machen, um sie zu vergewaltigen. Auch Männer werden laut dem Portal "K.o.-Tropfen - Nein Danke" Opfer. Bei ihnen haben es die Täter meist auf einen Raub abgesehen, doch auch in der Schwulen-Szene nehmen Vergewaltigungen mit Hilfe von K.o.-Tropfen zu. Die Tropfen werden dem Opfer ins Getränk oder ins Essen gemischt. In geringen Dosen wirken sie euphorisierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd, informiert das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) auf ihrer Homepage

Wie kann ich K.o.-Tropfen erkennen?

K.o.-Tropfen sind lauf BMBF farb- und geruchlos und schmecken unverdünnt salzig oder seifig. Ins Getränk gemischt, ist dieser Geschmack jedoch kaum wahrnehmbar. Dass man die Tropfen verabreicht bekommen hat, erkennt man daher meistens nur an ihrer Wirkung. 

Was machen K.o.-Tropfen mit einem?

Die Wirkung setzt 10 bis 20 Minuten nach der Einnahme ein. Manchen Opfern wird plötzlich schlecht oder schwindlig, andere sind besonders gut drauf, euphorisch und enthemmt, sie reden und flirten viel. Später setzt eine schlagartige Müdigkeit ein, die Opfer werden "praktisch willenlos und leicht manipulierbar", informiert ko-tropfen-nein-danke.de

Den Tätern bleibe "genug Zeit, mit der Frau Kontakt aufzunehmen oder Hilfe anzubieten, um sie dann nach draußen oder an einen anderen Ort zu bringen. Dort sind die Betroffenen dann leichte Beute für die Täter." Bei einer Überdosis oder in Kombination mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten können die Tropfen zum Atem- oder Herzstillstand führen und tödlich sein.

Typisch für den Konsum von K.o.-Tropfen ist ein Filmriss: Das Opfer wacht benommen auf, fühlt sich wie verkatert und kann sich nicht erinnern, was in den vergangenen Stunden los war. "Klare Anhaltspunkte für sexuelle und körperliche Übergriffe sind blaue Flecken, Unterleibsschmerzen oder Spermaspuren sowie zerrissene oder fehlende Kleidungsstücke", schreibt das Bundesministerium für Bildung und Frauen. Dann gilt: Sofort zur Polizei oder in die Notaufnahme eines Krankenhauses Denn K.o.-Tropfen sind nur zwölf Stunden lang im Körper im Blut und im Urin nachweisbar. Wenn der Verdacht auf sexuelle Übergriffe vorliegt, nicht waschen, duschen und die Kleidung wechseln, bevor man zum Arzt geht, sonst werden wichtige Beweise vernichtet.

Wie kann ich mich vor K.o.-Tropfen schützen?

Die beste Prävention ist: Genau aufpassen, dass niemand einem etwas ins Getränk oder Essen mischt! Das bedeutet: Das Glas oder die Flasche in Clubs, Kneipen, Privatpartys und Restaurants niemals unbeaufsichtigt stehen lassen. Im Fall das Falles mit Freunden absprechen, wer auf die Gläser aufpasst. Wer sich nicht sicher ist, ob er richtig aufgepasst hat, soll sich vorsichtshalber lieber ein neues Getränk bestellen, empfiehlt das Portal "Ko-Tropfen - Nein danke". Und: Einen Vollrausch vermeiden. Denn wer betrunken ist, wird leicht zum Opfer. Freunde sollen außerdem aufeinander acht geben und gemeinsam nach Hause fahren.

Auch bei Blind Dates, zum Beispiel mit Internet-Bekanntschaften, ist besondere Vorsicht geboten. Diese sollten immer an einem öffentlichen Ort stattfinden. Bei einem Treffen im Café, im Restaurant oder in einer Kneipe sollte man sein Getränk nicht aus den Augen lassen. Den Schutz vor K.o.-Tropfen einfacher machen soll künftig eine Erfindung aus Nürnberg, der so genannter K.o.-Tropfen-Melder, der aber frühestens Ende 2016 auf den Markt kommen soll. 

Bei Verdacht auf K.o.-Tropfen: Sofort-Maßnahmen

Bei plötzlich auftretender Übelkeit oder Schwindel - oder auch völliger Enthemmtheit und extrem euphorischer Stimmung - sollen Betroffene so schnell wir möglich Hilfe holen. Am besten Freunde ansprechen oder anrufen, auch wenn es mitten in der Nacht ist, empfiehlt ko-tropfen-nein-danke.de. 

Ist man allein in einem Club oder einer Kneipe, an das Personal wenden. Vorsicht bei Fremden, die Hilfe anbieten: "Geh immer dorthin, wo andere Menschen sind", rät das Portal. Im Zweifelsfall die Polizei oder den Notarzt rufen. Wem Verdächtiges bei seinen Freunden, Bekannten  oder auch Fremden bei einer Party oder in der Disco auffällt, soll diese auf jeden Fall ansprechen und Hilfe holen. Ist es schon so weit, dass die Person nicht mehr ansprechbar ist oder bewusstlos wird, muss sofort unter 112 Notarzt oder Feuerwehr gerufen werden, denn es besteht Lebensgefahr.

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