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Laut DGE sollten Erwachsene nur fünf Gramm Salz pro Tag essen. Doch die meisten nehmen viel zu viel auf.

Blutdruck, Herzinfarkt & Co.

So versalzen wir unser Leben - und unseren Körper

Salz galt früher als das weiße Gold - ist es doch lebenswichtig für uns und unseren Körper. Doch zu viel des Guten kann böse gesundheitliche Folgen haben.

Alles in Maßen – das ist immer ein guter Rat. Funktioniert im Alltag auch meistens ganz gut – bloß beim Thema Salz wird es schwierig. Auf der einen Seite verteufelt man jeden Griff zum Salzstreuer, auf der anderen Seite gibt es auch alarmierende Studien, die darauf hinweisen, dass zu wenig Salz ungesund sei.

Was sagen also die neuesten Forschungen, was sind die größten Salz-Fallen und was die Alternativen? Die Ernährungswissenschaftlerin Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern klärt auf

Wofür braucht der Körper Salz? 

"Ohne Salz geht es nicht", sagt Daniela Krehl. Unser Speisesalz, das hauptsächlich aus Natriumchlorid besteht, hat lebenswichtige Aufgaben: Es reguliert den Wasserhaushalt im Körper und ist wichtig für die Reizübertragung von Muskeln und Nerven.

Wenn jemand zum Beispiel einen Muskelkrampf hat, muss nicht unbedingt ein Magnesiummangel schuld sein. "Es kann auch ein Hinweis für einen Salzmangel sein." Außerdem ist Salz wichtig für den Knochenaufbau und die Bildung von Verdauungssäften, insbesondere für die Magensäure – und damit für die Abwehr von Bakterien.

Wann ist Salz im Körper schädlich? 

Salz gilt zum Beispiel als wahrscheinlicher Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. Vor allem aber kann Salz zu Bluthochdruck führen – und dieser schädigt im Laufe der Zeit wichtige Organe wie das Herz, die Herzkranzgefäße, das Gehirn, die Nieren und die Blutgefäße. Mögliche Folgen: Herzinfarkt und Schlaganfall.

Gegenteilige Studien, die zeigen sollen, dass ein niedriger Salzkonsum mit einer höheren Sterblichkeit verbunden ist, werden von der Fachwelt stark kritisiert, warnt die Ernährungsberaterin: "Ohne Zweifel besteht in Deutschland nicht die Gefahr, dass wir zu wenig Salz essen."

Groß angelegte Studien zeigten eindeutig: Je weniger Salz eine Gesellschaft zu sich nimmt, umso niedriger sind die Blutdruckwerte und desto weniger Infarkt- und Schlaganfallopfer gibt es.

Übrigens ist ein Drittel unser Bevölkerung salz-sensitiv, erklärt die Expertin. Das heißt: Diese Menschen reagieren bei erhöhter Salzaufnahme automatisch mit Bluthochdruck. "Leider gibt es noch keinen Test, der einem sagen kann, ob man sensitiv ist oder nicht", so Krehl.

Worauf sollten wir achten? 

Nur 20 Prozent unseres Salzkonsums nehmen wir tatsächlich über das Salzen aus dem Streuer auf. Die Gefahr sind die versteckten Salze: Etwa 80 Prozent der Salzzufuhr stammt aus verarbeiteten Lebensmitteln. Hauptquellen dafür sind Brot, Brezen und Semmeln (27 bis 28 Prozent der Salzzufuhr), Fleisch- und Wurstwaren (15 bis 21 Prozent) sowie Käse (zehn bis elf Prozent).

Besonders häufig enthalten auch Fertiggerichte und Instantsuppen sehr viel Salz, ebenso Knabbergebäck. Ernährungswissenschaftlerin Krehl rät, zum Beispiel mehr mit Kräutern wie Schnittlauch oder Petersilie zu würzen statt mit Salz. Und eh klar: Nie salzen, ohne vorher überhaupt probiert zu haben.

Hohes Risiko durch zu viel Salz?

Bluthochdruckpatienten oder Nierenerkrankte müssen aufpassen. Sie erhalten beim Arzt entsprechende Beratung. "Auch Babys und Kleinkinder sollten weniger Salz aufnehmen."

Wie viel Salz ist gut für den Körper?

Täglich höchstens sechs Gramm Kochsalz – so die Empfehlung für Erwachsene der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nur fünf Gramm. Kinder bis drei Jahre sollten nicht mehr als zwei Gramm, von vier bis sechs nicht mehr als drei und von sieben bis zehn nicht mehr als fünf Gramm zu sich nehmen.

Muss es nicht doch manchmal mehr Salz sein? 

Sportler brauchen manchmal mehr, denn: Schwitzen bedeutet Salzverlust. "Dann ist es ratsam, ein isotonisches Getränk zu trinken", rät Daniela Krehl. Wobei isotonisch nichts anderes heißt, als dass bei dem Getränk das Verhältnis von Nährstoffen zu Flüssigkeit dem des Blutes entspricht. Eine Apfelschorle mit mineralstoffreichem Mineralwasser passt genauso.

Wie wichtig sind Zusätze im Salz? 

Aktuelle Studienergebnisse der DGE ergaben, dass die Jod-Versorgung in Deutschland nicht optimal ist – gerade bei Kindern. Deshalb wird die (sparsame) Verwendung von jodiertem Speisesalz empfohlen. Das gilt auch für Fluor: Das ist wichtig für die Knochen und die Zähne.

Die DGE empfiehlt deshalb die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz zur Kariesprophylaxe. Und auch Salz mit Folsäure ist gesund: Sie ist ein lebenswichtiges B-Vitamin, das an vielen Wachstums- und Entwicklungsprozessen im Organismus beteiligt ist.

Was ist mit exotischen Salzen? 

Zig Spezial- und Gourmet-Salze werben mit ganz besonderen Herkunftsgebieten, Herstellungsverfahren oder Geschmack. Als Gemeinsamkeit teilen sie sich alle den stolzen Preis. Für den mythischen Beisatz "Himalaya" muss der Kunde zum Beispiel meistens fünf- bis zehnmal so viel zahlen wie für herkömmliches Speisesalz. Dabei stammt das Produkt oftmals gar nicht aus dem legendären Gebirge, sondern aus Salzlagerstätten in Zentral-Pakistan.

Und eine Analyse von Stiftung Warentest hat ergeben, dass das teure Salz in der Zusammensetzung unserem Speisesalz sehr ähnelt. Es sind nur ein paar wenige weitere Mineralstoffe enthalten – in minimalen Spuren. Für den gesunden Salzkonsum reiche unser Speisesalz aus, so die Verbraucherzentrale. Andere Spezialprodukte sind unter anderem:

  • Bambussalz (Meersalz, das in Korea in Bambusrohren ein- bis neunmal gebrannt wird)
  • Inka Sonnensalz (aus salzhaltigen Quellen in der peruanischen Hochebene)
  • Dänisches Rauchsalz (in Dänemark über Buche geräuchert)
  • Fleur de Sel (die von Hand mit einer Holzschaufel abgeschöpfte hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche in Meerwasserbecken)

Kosten: bis zu 25 Euro pro Kilo. Weil für exotische Salze wie das Himalaya-Salz Tausende Kilometer an Transportwegen zu Buche schlagen, vergaben die Verbraucherzentralen die Umweltnote ungenügend.

tz

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