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Im Fritz-Kistler-Haus in Pasing wurde vor fünf Jahren eine Kinderkrippe mit 24 Plätzen eingerichtet. Nicht nur die Heimbewohnerinnen Sigrid Cramer (87, Mitte) und Renate Otto (97, r.) haben Spaß an der Form des Zusammenlebens, auch die Kinder lieben das gemeinsame Spielen.

Das Fritz-Kistler-Haus in Pasing

Alt und Jung unter einem Dach

Mehrere Generationen unter einem Dach: Das funktioniert! Immer mehr ungewöhnliche Wohnkonzepte vereinen das Miteinander unterschiedlicher Altersklassen.

Das Fritz-Kistler-Haus in Pasing.

Nicht nur ältere Menschen, auch die Jungen profitieren von dieser Form des Zusammenlebens. Die tz hat zwei Beispiele besucht: Das Fritz-Kistler-Haus in Pasing ist nicht nur ein Seniorenheim – in dem Gebäude ist auch eine Kinderkrippe mit 24 Plätzen untergebracht. Außerdem waren wir in einem Mehrgenerationenhaus in Riem, in dem 250 Bewohner aller Altersstufen wie eine große Wohngemeinschaft zusammenleben.

Ihren dreijährigen Urenkel hat Sigrid Cramer (87) noch nie gesehen. „Der Kleine lebt in Neuseeland. Da komm ich wohl nicht mehr hin“, sagt die Seniorin. Dafür hat sie im Fritz-Kistler-Haus in Pasing gleich 24 Ersatz-Enkelkinder: In dem Altenheim wurde vor fünf Jahren eine Kinderkrippe eröffnet. Seitdem leben hier Alt und Jung unter einem Dach, turnen, singen und spielen gemeinsam.

Die Glastür am Eingang (unten, mit Krippenleiterin Heike Hölscher) haben die Kleinen gemeinsam mit den Senioren mit bunten Fingerabdrücken verziert.

Heimbewohnerin Renate Otto (97) läuft gerade zum Speisesaal, da winkt ihr die kleine Linda (2) durch die Türe zu. „Die Kinder freuen sich immer, wenn wir vorbeikommen“, sagt die Seniorin. „Das ist wunderschön!“ Die Kinderkrippe im Altenheim war eine Idee der Stiftung Altenhilfe der Stadtsparkasse. 1977 errichtete die Stiftung das Altenheim Fritz-Kistler-Haus, das von der Münchner Arbeiterwohlfahrt betrieben wird – im Pflegebereich leben 97 Senioren, weitere 37 im Wohnbereich. Vor fünf Jahren zog die Kinderkrippe ins umgebaute Erdgeschoss: „Die Idee von Alt und Jung unter einem Dach, hat uns sehr gefallen“, sagt Sprecher Joachim Fröhler. „Außerdem wollten wir unseren Mitarbeiterinnen nach der Geburt den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern.“ Von den 24 Plätzen in der Kinderkrippe Kisterl geht die Hälfte an Stadtsparkassen-Mitarbeiter, der Rest wird normal vergeben.

Um das Miteinander der Generationen weiter zu fördern, wurde die Terrasse der Heim-Cafeteria so umgebaut, dass die Heimbewohner besten Blick auf den Spielplatz der Kinderkrippe haben. „Im Sommer gucken wir den Kleinen gern beim Toben zu“, sagt Renate Otto (97). Die Krippe liegt direkt neben dem Speisesaal des Altenheims und den Briefkästen der Bewohner. Das ist so gewollt: Wer essen geht oder Post holt, kommt automatisch an den Kleinen vorbei. Und dann ist meist Zeit für ein Plausch oder ein kleines Spiel. „Unsere Kinder sind so fröhlich, das steckt viele ältere Menschen an“, sagt Krippenleiterin Heike Hölscher. Gerade Ältere, die keine Familie haben, genießen das. „Viele Senioren sehen ihre Familie vielleicht zwei Mal im Monat, für sie ist das ein prima Mittel, Anschluss zu haben“, sagt Heimleiter Frank Rasenat.

Zudem gibt es gezielte Angebote, die Jung und Alt vereinen sollen: In der Vorweihnachtszeit wird gemeinsam Plätzchen gebacken und gesungen. Die Glastür zur Krippe haben Bewohner und Kinder gemeinsam mit Fingerfarbe bemalt. Absoluter Renner ist die gemeinsame Turnstunde: „Dann kriechen die Kinder unter eine Riesenplane und wir werfen Bälle drauf. Das ist zum Schreien schön“, schwärmt Sigrid Cramer.

Und auch die Kinder profitieren von dem ungewöhnlichen Zusammenleben. „Es ist unglaublich, mit welcher Normalität die Kleinen auf alte Menschen mit Gehwagen oder im Rollstuhl zugehen“, sagt Heimleiter Frank Rasenat. „Sie setzen sich einfach dazu – das ist für sie selbstverständlich.“

Christina Schmelzer

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