107 Millionen Fehltage wegen psychischer Probleme.
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107 Millionen Fehltage wegen psychischer Probleme.

Immer mehr Menschen betroffen

Volksleiden Burnout: Wenn Stress krank macht

  • Andreas Beez
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Immer mehr Menschen leiden an Burnout oder Depressionen. Die Zahl der Krankentage hat sich seit 2007 verdoppelt. Die Bundesregierung sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht.

München - Burnout, Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen: Die Zahl der Krankentage wegen solch psychischer Probleme hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt! Waren 2007 noch rund 48 Millionen Krankentage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, waren es im Jahr 2017 rund 107 Millionen.

Bayern: Psychische Erkrankungen zweithäufigste Ursache dafür, dass Arbeitnehmer im Job fehlten

Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage weiter hervorgeht, haben sich die daraus resultierenden Ausfallkosten in diesem Zeitraum sogar fast verdreifacht – von 12,4 Milliarden auf 33,9 Milliarden Euro.

In Bayern waren psychische Erkrankungen wie Depressionen 2017 laut DAK-Gesundheitsreport die zweithäufigste Ursache dafür, dass Arbeitnehmer im Job fehlten. Bezogen auf 100 Versicherte waren es 202 Fehltage. Bei den psychischen Erkrankungen gab es zwar einen Rückgang bei den Fehltagen um sechs Prozent, aber die Anzahl der Betroffenen stieg auf 4,3 Prozent – ein Rekordwert. Laut Arbeitsministerium stieg zwischen 2007 und 2017 auch die Zahl der Renteneintritte wegen psychischer Störungen deutlich an – von rund 53 900 auf mehr als 71 300 (rund 41 200 Frauen und rund 30 100 Männer).

Lesen Sie auch: Burnout abseits der Arbeit: Wenn das Privatleben zu viel wird

Bundesregierung sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht

Damit sind psychische Störungen mit Abstand die Hauptursache, die zum Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente führt. Knapp 43 Prozent aller neuen Rentenbezieher einer Erwerbsminderungsrente konnten wegen einer Psycho-Diagnose nicht oder nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, so die Deutsche Rentenversicherung. Die Bundesregierung sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht: Gegen psychische Belastungen würden keine neuen Arbeitsschutzregeln helfen, zitieren dieFunke-Zeitungen aus der Regierungsantwort. Ziel müsse vielmehr sein, Betriebe und Beschäftigte zu befähigen, das vorhandene Arbeitsschutz-Instrumentarium zu nutzen.

Jutta Krellmann, arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisierte diese Haltung scharf. „Viele Arbeitgeber fahren auf Verschleiß: Starker Druck, hohe Flexibilität – immer schneller, immer mehr. Beschäftigte werden über ihre Belastungsgrenze getrieben“, sagte sie. „Die Bundesregierung schaut Däumchen drehend zu.“

Die tz hat auch im großen Burnout-Report mit Experten über die Symptome und Wege aus der Psycho-Falle Stress gesprochen. Lesen Sie hier das interview mit Professor Dr. Dr. Martin Keck.

Auch interessant: Depressionen: Deuten Sie dieses gefährliche Alarmsignal richtig

bez

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