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Warmes Bier ist gut bei Erkältung? Dieser Medizinmythos hält sich hartnäckig.

Journalistenschüler klären auf

Ob warmes Bier bei Erkältungen hilft - und andere Mythen aus der Medizin

München - Wachsen sieben neue Haare nach, wenn man sich ein weißes ausreißt? Muss man bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen? Und ist Rotwein gut fürs Herz? Diese und andere Medizinmythen - und ob sie wahr sind oder nicht.

Rasierte Haare wachsen stärker nach

Stimmt nicht. „Wenn das so wäre, könnte man bei Haarausfall eine Kopfrasur empfehlen, damit die Haare mehr werden“, sagt der Münchner Hautarzt Dr. Harald Bresser. Dass viele die nachwachsenden Haare nach dem Rasieren als stärker oder dicker empfinden, ist aber keine Sinnestäuschung. Ein Haar ist an der Basis breit und an der Spitze dünn. Rasiert man es ab, sieht man den dickeren Teil.

Ana Maria Michel

Reißt man ein weißes Haar aus, wachsen sieben neue nach

Diesen Samstag finden Sie in Ihrem Münchner Merkur einen Schwerpunkt zum Thema Gesundheit mit Texten von Journalistenschülern der DJS. Dieser Artikel ist Teil der Aktion. Mehr Texte können Sie in der gedruckten Ausgabe lesen.

Stimmt nicht. Wenn die ersten weißen Haare auftauchen, konzentriert man sich stärker darauf, was auf dem Kopf passiert. Wenn man graue Haare bekommt, werden die weißen mehr und die dunklen weniger. Kein Wunder also, dass man mit der Zeit immer mehr weiße Haare findet. „Dieser Prozess läuft unabhängig davon ab, ob man die weißen Haare ausreißt oder nicht“, sagt der Münchner Hautarzt Dr. Harald Bresser.

Ana Maria Michel

Wer ab 18 Uhr auf Kohlenhydrate verzichtet, der nimmt ab

Stimmt nicht. Beim Abnehmen spielt es keine Rolle, ob man auf Fett, Eiweiß oder auf Kohlenhydrate verzichtet. Es kommt auf die gesamte Kalorienmenge an und nicht auf die Uhrzeit. „Ich empfehle trotzdem, die letzte Mahlzeit vier Stunden vor dem Schlafengehen zu essen“, sagt Monika Bischoff, Ernährungswissenschaftlerin im Krankenhaus Barmherzige Brüder. Dann hat der Körper mehr Zeit für die Fettverbrennung.

Christina Hertel

Früher waren mehr Keime im Wasser

Wer Kirschen isst und dazu Wasser trinkt, bekommt Bauchweh

Stimmt nicht mehr. Kirschen haben eine große Oberfläche, auf der viele Hefepilze sitzen. Wenn die Hefe den Zucker der Kirschen im Magen vergärt, kann man Bauchweh bekommen. „Das hängt aber von der Menge der Kirschen ab und nicht davon, ob man Wasser dazu trinkt“, sagt die Münchner Ernährungsmedizinerin Dr. Kathrin Hausleiter. Doch kann sie sich gut vorstellen, wie es zu der Überzeugung kam: „Früher ist das Wasser viel keimbelasteter gewesen.“

Ana Maria Michel

Wer zu viel Schokolade isst, bekommt Pickel

Stimmt eher nicht. „Zwischen unreiner Haut und dem Konsum von Schokolade besteht kein erwiesener Zusammenhang“, sagt Monika Bischoff, Ernährungswissenschaftlerin im Krankenhaus Barmherzige Brüder in München. Fett und Zucker fördern aber sogenannte Entzündungsbotenstoffe und die sind nicht gut für den Körper. „Der eine bekommt Gelenkschmerzen, der andere unreine Haut.“

Christian Hertel

Essen mit viel Fett sollte man generell meiden

Stimmt nicht, sagt Dr. Andrew Alcock, Gastroenterologe aus München: „Etwa 30 Prozent unserer Kalorien nehmen wir als Fett zu uns – wir können nicht ohne weiteres darauf verzichten.“ Einige Fettsäuren sind sogar essentiell, das heißt: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, braucht sie aber zum Überleben. Allerdings gibt es aus Sicht der Medizin „gute“ und „schlechte“ Fette: Tierische Fette gelten in der Regel als ungesünder als pflanzliche. Sie enthalten viel Cholesterin und wenig ungesättigte Fettsäuren. „Das kann unsere Blutgefäße schädigen.“

Johanna Roth

Wer viel Bier trinkt, bekommt einen Bierbauch

Stimmt. Zumindest wenn man ein Mann ist. Generell gilt: Bei Männern setzt überschüssiges Fett eher am Bauch an, genauer: im Bauch. Es wird nämlich auch zwischen den Eingeweiden eingelagert. Bei Frauen setzt Fett dagegen eher an den Hüften und Beinen an. Bier ist sehr kalorienreich. „Wenn man(n) abends noch ein, zwei Bier trinkt, setzt das ebenso an wie eine vierte Mahlzeit“, sagt Dr. Andrew Alcock, Gastroenterologe aus München. „Nicht umsonst haben die Mönche früher in der Fastenzeit extra starkes Bier gebraut.“

Johanna Roth

Vitamin-C-Mangel ist hierzulande äußerst selten

Man sollte so viel Wasser trinken wie möglich

Falsch. Die optimale Trinkmenge von gesunden Menschen ist individuell. Sie errechnet sich aus der Formel 0,03 mal das Körpergewicht in Kilogramm. Bei einem Menschen, der 60 Kilo wiegt, wären das 1,8 Liter. „Wer Sport macht oder sich in den Tropen aufhält, sollte natürlich mehr trinken“, sagt Monika Bischoff, Ernährungswissenschaftlerin im Krankenhaus Barmherzige Brüder in München. Zu viel zu trinken, kann allerdings auch ungesund sein. Vor allem für Menschen, die an Nieren-, Herz- oder Leberproblemen leiden.

Maria Wölfle

Mit nasser Kleidung erkältet man sich leichter

Stimmt. „Nasse Kleidung und auch feuchte Haare können dazu führen, dass der Körper auskühlt“, sagt Dr. Christoph Pooth, Allgemeinmediziner in der Münchner Innenstadt. Das beeinflusst wiederum die Immunabwehr, vor allem die der schützenden Schleimhautbarriere in Mund und Rachen. Viren dringen dann leichter in den Körper ein und können etwa zu einer Erkältung oder Grippe führen. Wer in den Regen gerät, sollte daher seine nasse Kleidung schnell wechseln.

Alex Sarovic

Vitamin C hilft bei einer Erkältung

Falsch. Die Einnahme von Vitamin C hilft nach heutigem Wissensstand nicht, um einer Erkältung vorzubeugen. Noch wird man schneller gesund, wenn man es schluckt. „Das haben viele Studien gezeigt”, sagt der Münchner Allgemeinmediziner Dr. Christoph Pooth. Denn ein Mangel ist hierzulande äußerst selten. Allenfalls bei Menschen, die extremen Belastungen ausgesetzt waren, zeigte sich bei Erkältungen eine Wirkung, etwa bei Marathonläufern, Skitourengeher und Soldaten. Wirksamer sei hochdosiertes Zink. Dieses kann die Erkältung Studien zufolge etwas verkürzen.

Alex Sarovic

Dünne sind gesünder als Dicke

Stimmt nicht. „Dass dick gleich ungesund ist, hat jahrzehntelang gegolten“, sagt der Münchner Allgemeinmediziner Werner Höfner. Sehr starkes Übergewicht kann die Lebenszeit zwar verkürzen. So leiden sehr dicke Menschen eher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. „Studien aus den letzten Jahren haben aber gezeigt, dass leichtes Übergewicht die Lebenserwartung positiv beeinflussen kann.“

Julia Hägele

Alkohol ist bei Erkältungen nicht zu empfehlen

Eine Erkältung dauert ohne Arzt 7 Tage, mit Arzt eine Woche

Stimmt. „Es gibt kein Medikament, das direkt gegen die Erkältung wirkt“, sagt Dr. Anne Kaschak-Gürtler, Internistin und Hausärztin in München. Denn dahinter stecken Viren – und zwar viele verschiedene. Wenn die Nase läuft, hilft daher nur eins: Bettruhe und viel trinken. Medikamente können allerdings die Beschwerden lindern. Grundsätzlich sollte man das nehmen, was einem gut tut. Das kann ein Schmerzmittel sein oder eines, das den Schleim löst. Halten die Beschwerden länger an, sollte man allerdings einen Arzt aufsuchen. Denn zu einer harmlosen Erkältung kann schnell eine bakterielle Infektion kommen.

Johannna Roth

Warmes Bier hilft gegen Erkältungen

Stimmt nicht. Dr. Kathrin Hausleiter hält nicht viel von diesem Hausmittel. „Bei einer Erkältung sollte man lieber warme Milch mit Honig oder Tee trinken“, sagt die Münchner Ernährungsmedizinerin. Bier kann zwar dafür sorgen, dass man schneller einschläft, aber der Schlaf wird auch unruhiger. Generell ist Alkohol bei einer Erkältung nicht zu empfehlen, denn er schwächt das Immunsystem.

Ana Maria Michel

Kalt duschen stärkt das Immunsystem

Stimmt. „Leute, die kalt duschen, sind hart im Nehmen und stärken ihre Abwehr“, sagt der Münchner Allgemeinmediziner Werner Höfner. Der kalte Guss bringt die Durchblutung in Schwung und trainiert so die Gefäße. Der Körper gewöhnt sich an Kältereize, die für ihn auch Stress bedeuten. Für ein starkes Immunsystem reicht das allerdings nicht aus. Hinzu kommen sollte eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil, heißt: viel Schlaf und Bewegung, wenig Alkohol und Nikotin.

Julia Hägele

Pflanzliche Medikamente sind besser als chemische Pillen

Stimmt nicht. Zwar gelten viele pflanzliche Mittel als gut verträglich. Doch wirken „chemische“ Medikamente, wie synthetisch hergestellte Arzneien oft genannt werden, in der Regel deutlich stärker als pflanzliche. „Pflanzliche Mittel haben aber genauso ihre Berechtigung in der Medizin“, sagt der Münchner Allgemeinmediziner Werner Höfner. Ein gutes Beispiel seien Depressionen. „Bei einem leichten Verlauf hilft Johanniskraut. Bei schweren Depressionen sollte man zu chemischen Wirkstoffen greifen.“

Julia Hägele

Beim Niesen werden Viren mit 150 Stundenkilometern in die Luft geschleudert

Niesen zu unterdrücken ist gefährlich

Stimmt. Auch wenn man von einem unterdrückten „Hatschi!“ natürlich nicht gleich krank wir. „Der Niesreflex hat einen Sinn“, erklärt der Münchner HNO-Arzt Peter Flora. Er bedeutet: Es steckt etwas in der Nase, was raus soll. Wenn man das Niesen unterdrückt, sucht sich der Druck in den Atemwegen einen anderen Weg, der Luftstrom entweicht etwa in die Nasennebenhöhle oder ins Ohr. Und der enthält oft auch Krankheitskeime. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Mittelohrentzündung kommen. „Da müssten Sie aber schon sehr viel Pech haben”, sagt Flora.

Julia Ley

Wunden heilen an der Luft schneller als unter Pflastern

Stimmt nicht. An einer Wunde tritt normalerweise ein Sekret aus, das bei der Heilung hilft. „Grundsätzlich wird der Heilungsprozess im feuchten Milieu eher angeregt als im trockenen”, sagt der Münchner Dermatologe Dr. Christoph Liebich. Ohne Pflaster kann die Wunde schnell austrocknen. „Ein Wundpflaster ist daher durchaus sinnvoll, weil es das feuchte Wundmilieu aufrechterhält.” Ohne Pflaster kann die Wunde schnell austrocknen.

Sina Ojo

Bei Nasenbluten soll man den Kopf in den Nacken legen

Stimmt nicht. Dr. Jochen Reichel, HNO-Arzt in Bogenhausen, rät dringend davon ab. „Wenn man das längere Zeit macht, läuft das Blut in den Rachen zurück und man verschluckt es.“ Das hat zwei Nachteile: Man sieht nicht, wie viel Blut verloren gegangen ist. Außerdem kommt es zu Erbrechen und Übelkeit, wenn man größere Mengen Blut verschluckt. Man sollte daher den Kopf nach vorne beugen und die Nase leicht zuhalten. Zusätzlich hilft kühlen.

Alex Sarovic

Beim Niesen soll man die Hand vor den Mund halten

Stimmt nicht. „Am schlechtesten ist es aber, wenn man ohne jeden Schutz niest“, sagt der Münchner HNO-Arzt Dr. Jochen Reichel. Dann werden Erkältungsviren mit 150 Kilometern pro Stunde in die Luft geschleudert, und zwar bis zu fünf Meter weit. Doch selbst, wenn man die Hand davorhält, können die Erreger an den Händen vorbei heraustreten. Außerdem landen Viren und Bakterien so leicht auf der nächsten Türklinke und können sich per Schmierinfektion verbreiten. Also: am besten ein Taschentuch benutzen.

Alex Sarovic

Antibiotika helfen gegen Erkältungen

Stimmt nicht. „Bei einer normalen Erkältung hilft kein Antibiotikum, da sie von Viren ausgelöst wird”, sagt die Münchner Hausärztin Dr. Marlies Brügmann. Wenn zu einer Virusinfektion eine Bronchitis oder eine Nasennebenhöhlenentzündung hinzu kommt, kann jedoch ein Antibiotikum sinnvoll sein. Denn das bedeutet: Auf den geschädigten Schleimhäuten können sich leicht Bakterien ansiedeln und zu einer Infektion führen. Entscheidend ist die Farbe des Schleims: „Grün deutet auf eine bakterielle Infektion hin.“

Elisa Harlan

Schwarzer Hautkrebs neigt dazu, mal zu bluten

Gesunde Ernährung und Sport helfen gegen Cellulite

Stimmt nicht. Bei Cellulite gelangen Fettzellen, die eigentlich zwischen dem Bindegewebe im Unterhautfettgewebe eingelagert sind, in obere Hautschichten – und bilden so die typischen Dellen. Man spricht daher auch von Orangenhaut. Frauen haben oft ein schwächeres Bindegewebe, was Cellulite begünstigt. Dermatologe Dr. Christoph Liebich aus München sagt: „Sport kann zwar unterstützend helfen und das allgemeine Hautbild verbessern.“ Zudem hilft er Übergewicht vorzubeugen, das wiederum Cellulite verstärkt. An der persönlichen Veranlagung für eine schwache Bindehaut ändert jedoch auch intensive Bewegung nichts.

Sina Ojo

Das Hormon Testosteron macht aggressiv

Stimmt. Entscheidend ist die Dosis. „Nur ein zu hoher Testosteron-Spiegel fördert aggressives Verhalten“, sagt Dr. Helmut Lacher vom Hormonzentrum an der Oper in München. Bei Triebtätern und Sportlern, die sich Hormone spritzen, lässt sich häufig ein Ungleichgewicht der Hormone im Körper feststellen. In der Pubertät ist der Testosteron-Spiegel am höchsten: „Deswegen verhalten sich manche jungen Männer auch wie balzende Graureiher.“

Eva Casper

Kratzt man ein Muttermal auf, entsteht Hautkrebs

Stimmt nicht. „Irritationen an der Haut können durchaus zu Veränderungen am Muttermal führen”, sagt Dr. Christoph Liebich. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich das Krebsrisiko erhöht, wenn man daran kratzt. Dennoch rät der Münchner Dermatologe: „Falls man sich versehentlich ein Muttermal aufgekratzt hat, sollte man es vorsichtshalber einmal kontrollieren lassen.” Denn schwarzer Hautkrebs neigt dazu, mal zu bluten.

Sina Ojo

Von Fingerknacken bekommt man Arthrose

Stimmt nicht. „Fingerknacken ist völlig harmlos“, sagt Dr. Christian Massing, Handchirurg an der Orthopädischen Chirurgie München. Forscher vermuten, dass das Knack-Geräusch durch Kohlenstoffdioxid entsteht, das in unserer Gelenkschmiere gelöst ist. Zieht der Knacker seine Gelenke lang, geht das Kohlenstoffdioxid in Gasform über und es bilden sich Bläschen. Wenn die zerplatzen, ploppt es.

Christina Hertel

Nach dem Sex ist man ruhig und entspannt

Sex senkt die Leistungsfähigkeit von Sportlern

Stimmt. Zumindest bei einigen Sportarten. „Bei Männern, die wenige Stunden vor einem Box- oder Taekwondo-Wettkampf einen Orgasmus hatten, nahmen Konzentrationsfähigkeit und Aggressivität ab“, sagt Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch Leichtathleten sollten 36 Stunden vor dem Wettkampf sexuell abstinent blieben. Bei Sportarten wie Bogen- oder Pistolenschießen wirkt sich Sex dagegen positiv aus. Ein Grund könnte sein: Nach dem Sex ist man entspannt – und hat dann eine ruhigere Hand.

Julia Ley

Frauen nutzen mehr die rechte Gehirnhälfte, Männer die linke

Stimmt nicht. Es lassen sich aber durchaus Unterschiede bei der Gehirnaktivität von Männern und Frauen feststellen: „Frauen sind in der Anwendung sprachlicher Fähigkeiten überlegen“, sagt Oliver Behrend, Neurowissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sprache wird allerdings vor allem in der linken Gehirnhälfte verarbeitet. Stärker als Männer nutzen Frauen allerdings die rechte Hälfte, um Emotionen und Gesichtsausdrücke ihres Gegenübers zu analysieren.

Eva Casper

Handys beeinträchtigen medizinische Geräte

Unsicher. Es gibt Studien, die das für wenig wahrscheinlich halten, andere haben eine Wirkung festgestellt. Ein gesetzliches Handyverbot in Krankenhäusern gibt es nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn geht davon aus, dass es zu keinen Störungen kommt, wenn die Sicherheitsabstände eingehalten werden und alle Geräte die vorgeschriebenen Normen erfüllen.

Bernhard Hiergeist

Nach dem Sport unbedingt 15 Minuten lang dehnen

Menschen nutzen nur 10 Prozent ihrer Gehirnkapazität

Stimmt nicht. „Dann würden die restlichen 90 Prozent absterben“, sagt Professor Paul Sauseng vom Institut für Biologische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dass nicht genutzte Hirnregionen verschwinden, zeigen die Gehirne verstorbener Alzheimer-Patienten. Auch Gehirnscans – also tomografische Aufnahmen des Gehirns, die dessen Aktivität sichtbar machen – belegen den Mythos nicht: Flächen, die dabei grau erscheinen, sind auch aktiv. „Die farbigen Bereiche sind nur die Wolkenkratzer unseres Denkprozesses. Darunter liegt eine lebendige Stadt.“

Eva Casper

Vor dem Sport sollte man sich dehnen

Stimmt nicht. Zumindest nicht, wenn man Hobbysportler ist. „Für den Freizeitsportler gilt: Vor dem Training aufwärmen, nach dem Training dehnen“, sagt Dr. Maximilian Madl vom Orthopädischen Versorgungszentrum München. Stretching vor dem Sport kann die Verletzungsgefahr sogar erhöhen. „Nach dem Sport ist eine Dehnphase von etwa 15 Minuten allerdings ein Muss“, sagt Madl.

Sofia Faltenbacher

Magnesium hilft gegen Krämpfe

Stimmt nicht. „Krämpfe werden meist durch Überlastung und nur selten durch Magnesiummangel ausgelöst“, sagt Dr. Maximilian Madl vom Orthopädischen Versorgungszentrum München. Aber auch wenn Letzteres tatsächlich einmal zutrifft, hilft Magnesium erst ab einer Dosis von 600 Milligramm – und davon bekommt man in erster Linie Durchfall. „Besser ist es bei einem Krampf meist, wenn man versucht, die Muskulatur zu dehnen“, sagt Madl.

Sofia Faltenbacher

Wenn man aufhört zu rauchen, erholt sich die Lunge vollständig

Stimmt nicht. Wer mit dem Rauchen aufhört, tut seiner Gesundheit natürlich immer etwas Gutes. Nur weil man lange keine Zigarette mehr angerührt hat, hat man aber noch nicht die Lunge eines Nichtrauchers. „Die Lungenfunktion wird zwar wieder besser“, sagt der Münchner Lungen-Facharzt Dr. Rainald Fischer. Auch das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, sinkt deutlich. Doch bleibt es im Vergleich zu einem Nichtraucher erhöht. Das gilt auch für andere Erkrankungen, die durch Rauchen ausgelöst werden.

Simone Stern

Lesen bei schlechtem Licht schadet Hühnern

Verschluckt sich jemand, sollte man ihm auf den Rücken klopfen

Stimmt. Durch Klopfen auf den Rücken wird der verschluckte Gegenstand in der Luftröhre bewegt. Das reizt die Schleimhaut und löst einen Hustenreflex aus. Der Gegenstand wird ausgehustet. Bei Kleinkindern reicht Klopfen oft nicht. „Zusätzlich sollte man das Kind mit dem Kopf nach unten halten, um das Aushusten zu erleichtern“, sagt der Münchner HNO-Arzt Prof. Frank Martin.

Sebastian Grosser

Gegen Schluckauf hilft es, dreimal zu schlucken ohne dabei zu atmen

Stimmt nicht. Zumindest dürfte es eher selten gelingen. Der Münchner HNO-Arzt Prof. Frank Martin rät jedenfalls davon ab. „Diese Technik ist schwierig“, sagt er. Eine weitaus bessere Methode sei es, tief einzuatmen und dann die Luft lange anzuhalten. Dadurch löst sich der Krampf im Zwerchfell, der den Schluckauf ausgelöst hat. Besteht der Schluckauf über einen längeren Zeitraum, kann eine ernste Erkrankung dahinterstecken. Darum sollte man einen Arzt aufsuchen, rät Martin.

Sebastian Grosser

Lesen bei schlechtem Licht schadet den Augen

Stimmt. Zumindest, wenn man ein Huhn ist. Denn beim Menschen wurden bisher keine entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt. Frank Schaeffel vom Zentrum für Augenheilkunde der Universität Tübingen konnte in einer Studie allerdings zeigen, dass Hühner bei schlechtem Licht kurzsichtig werden. Dafür bekam er sogar den Max Planck-Forschungspreis. Die Ergebnisse lassen sich aber wohl auf Menschenaffen übertragen, zu denen auch der Mensch zählt.

Bernhard Hiergeist

Regelmäßig Rotwein trinken ist gut für das Herz

Stimmt eher nicht. Einen geringfügig positiven Effekt gibt es allenfalls bei einem sehr geringen Wein-Konsum. Bei Frauen sind das gerade mal 0,1 Liter pro Tag, bei Männern 0,25 Liter. „Im ärztlichen Alltag spielt der ,Therapiebaustein Rotwein‘ auf jeden Fall keine bedeutsame Rolle“, sagt der Münchner Kardiologe Dr. Gregor Ley. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation WHO warnt man vor täglichem Alkoholkonsum.

Simone Stern

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