+
Eine Erkältung erwischt jeden Zweiten mindestens einmal im Jahr. Erwachsene brauchen meist sieben bis zehn Tage, um wieder fit zu werden. Kinder oft länger.

Husten, Schnupfen, Halsweh, Fieber

Was bei Erkältung wirklich hilft

Apotheken und Drogerien bieten zahlreiche Mittel an, um Erkältungsbeschwerden zu lindern. Die Stiftung Warentest empfiehlt 50 wirkungsvolle und kostengünstige Helfer.

Der Hals kratzt, die Nase läuft – und die Stimmung ist im Keller. Am nächsten Tag Husten. Kopfweh. Gliederschmerzen. Erkältungskrankheiten setzten auch in diesem Winter Millionen Menschen außer Gefecht: Jeden Zweiten erwischt es einmal oder öfter pro Jahr. Die meisten Betroffenen kämpfen mit Hausmitteln oder Medikamenten gegen ihre Symptome. Allerdings ist nicht jedes Produkt, das Apotheken und Drogeriemärkte bewerben, eine gute Wahl. Um teure Fehlkäufe zu vermeiden, haben die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest ihre Datenbank, in der rund 8000 Medikamente aufgeführt sind, ausgewertet. Für die Zeitschrift „Test“ (Januar 2016) haben die Experten die 50 aktuell günstigsten unter den besten rezeptfreien Mitteln gegen Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber zusammengestellt (siehe unten).

Jedes Symptom einzeln bekämpfen

Die vielverkauften und intensiv beworbenen Kombipräparate wie Grippostad C oder Wick MediNait versprechen, verschiedene Symptome gleichzeitig zu lindern und enthalten daher mehrere Wirkstoffe. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest bewerten Kombimittel gegen Erkältungen aber als wenig geeignet. Schließlich treten Halsweh, Schnupfen, Husten und andere Symptome nicht immer in gleicher Konstellation auf – oft auch nacheinander. Sie auf Verdacht zusammen zu behandeln, sei nicht sinnvoll, schreiben die Experten. Hinzu komme, dass etwa bei Schnupfen ein lokal gesprühtes Nasenspray eine verstopfte Nase gezielt befreie. Kombimittel dagegen werden geschluckt und wirken im ganzen Körper. Nebenwirkungen sind möglich. Zugesetzte Antihistaminika, die Schleimhäute abschwellen sollen, können zum Beispiel müde machen. Diesen Effekt gleichen manche Anbieter aus, indem sie Koffein zusetzen. Das kann wiederum zu Herzrasen oder erhöhtem Blutdruck führen. Wenn Wirkstoffe in einem Präparat kombiniert sind, muss dieses Kombimittel nach Auffassung der Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest aber besser sein als ein Einzelmittel.

Echinacea, Vitamin C Umckaloabo & Zink

Einige Verbraucher setzen auf spezielle Erkältungsmitteln auf pflanzlicher Basis. Darunter sind etwa Echinacea-Mittel, die Extrakte aus dem Kraut des Sonnenhuts (Echinacea purpurea) enthalten. Sie stehen im Ruf, unter anderem das Immunsystem zu stärken und vor Infekten zu schützen. Studien belegen Effekte für Erwachsene, aber nur, wenn sie die Mittel zu Beginn einer Erkrankung einnehmen. Stiftung Warentest bewertet die Mittel als mit Einschränkung geeignet. Wichtig: Die Einnahmezeit sollte 14 Tage nicht überschreiten.

Auch beliebt: Umckaloabo. Der Wurzelextrakt aus einer südafrikanischen Geranienart soll Schleimhäute schützen, Schleim lösen, Bakterien abtöten und das Immunsystem stärken. Zugelassen ist Umckaloabo bei akuter Bronchitis. Die Datenlage zu dem Mittel ist allerdings laut Stiftung Warentest unklar. Die Tropfen bewerten die Experten deshalb als mit Einschränkung, Säfte und Tabletten als wenig geeignet. Zu beachten sei zudem, dass der Pflanzenextrakt Bestandteile enthält, die die Leberfunktion beeinträchtigen können.

Mancher Erkrankte setzt auch auf Nahrungsergänzungsmittel, um wieder fit zu werden. Besonders beliebt sind Vitamin-C-Präperate. Laut Stiftung Warentest fehlen hier allerdings Belege, dass hochdosiertes, zu Beginn der Erkältung eingenommenes Vitamin C den Verlauf abkürzt oder lindert. Etwas besser sieht es für Zink-Lutschtabletten aus. Es gebe Hinweise, dass sie Erkältungen um etwa einen Tag verkürzen – aber nur, wenn sie 24 Stunden nach Beschwerdebeginn und mehrmals täglich gelutscht werden.

Kräutertees und ätherische Öle

Alte Überlieferungen schreiben vielen Pflanzen positive Effekte zu: Lindenblüten sollen den Körper ins Schwitzen bringen, Holunderblüten und Thymian Schleim lösen, Weidenrinde und Mädesüß Schmerzen lindern. Die Wärme und Flüssigkeit tun bei Erkältungen auf jeden Fall gut. Ätherische Öle in Mitteln zum Einreiben oder in Badezusätzen können das Atmen erleichtern. Oft sind Eukalyptus, Pfefferminz, Kampfer enthalten. Morgens und abends eine kirschgroße Portion Salbe auf Brust und Rücken reiben, Baumwollshirt und Wollpulli darüber ziehen.

Allerdings können ätherische Öle bei Asthmatikern und Menschen mit anderen Atemwegserkrankungen Atemnot auslösen. Gleiches gilt für Kinder unter zwei Jahren, wenn Salben und Öle unter Mund und Nase gerieben werden. Auch Bäder können für sie riskant sein. Risikogruppen sollten darauf verzichten. Für alle anderen gilt: Maximal 20 Minuten baden, um den Kreislauf nicht zu belasten.

Selbst die besten Mittel können Erkältungsbeschwerden nur lindern. Der Grund: Fast immer verursachen Viren den Infekt. Gegen die rund 200 bekannten Erreger ist kein Kraut gewachsen. Kein Medikament vertreibt sie schlagartig. Das muss der Körper mit den Abwehrkräften selbst leisten. Erwachsene brauchen sieben bis zehn Tage, um wieder fit zu werden. Kinder, deren Immunsystem sich noch ausbildet, sind oft länger und häufiger krank: Bis zu zehn Infekte pro Jahr sind normal.

Fieber hilft dem Immunsystem

Kinder fiebern bei Erkältungen häufig, Erwachsene selten. Von Fieber sprechen Mediziner, wenn die Körpertemperatur auf mindestens 38 Grad steigt – gemessen wird im Po. Von hohem Fieber ist bei Erwachsenen ab 39 Grad die Rede, bei Kindern ab 39,5 Grad. Im Ohr oder unterm Arm gemessen, ergibt sich eine um 0,5 Grad niedrigere Temperatur. Wer dort misst, muss den Wert entsprechend nach oben korrigieren. Fieber schwächt zwar Patienten, hat aber auch eine wichtige Funktion: Es hilft dem Immunsystem, Viren zu töten. Gefährlich für die Betroffenen wird es erst ab etwa 42 Grad. Dann drohen Organschäden. Hohes Fieber lässt sich mit Medikamenten senken, Hausmittel können da unterstützen.

Vorbeugen und Behandeln

Viele Menschen fangen sich in der kalten Jahreszeit eine Erkältung ein. Einfache Maßnahmen im Alltag können helfen, dass Erkältungsviren sich gar nicht erst im Körper breit machen. Einige Tipps zum Vorbeugen und Behandeln:

Händewäschen: Es empfiehlt sich, mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden die Hände zu waschen. Wasser und Seife reichen aus, um Viren effektiv zu vertreiben. In der Erkältungssaison sollte man zudem aufs Händeschütteln verzichten.

- Abhärten: Wechselduschen, Saunagänge und Kneippmaßnahmen härten den Körper ab und machen ihn weniger anfällig für Infekte. Die Maßnahmen sind aber nur Gesunden zu empfehlen.

- Lüften: Nasse Tücher auf der Heizung, Pflanzen und Lüften befeuchten die Raumluft. Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus, macht sie anfälliger für Viren.

- Ausruhen: Wer sich angeschlagen fühlt, sollte sich Ruhe gönnen. Das hilft dem Immunsystem, den Infekt abzuwehren.

- Trinken: Ungesüßter Kräutertee, Wasser, Saftschorlen: Man sollte regelmäßig und in Maßen trinken. Senioren und Kinder können bei einem Infekt leicht austrocknen, vor allem, wenn der Infekt mit Fieber einhergeht. Rund 1,5 Liter sollten es täglich sein. Diese Menge reicht, um Schleim in Bronchien und Nase zu verflüssigen. Zu viel Flüssigkeit kann manchen Menschen, etwa Patienten mit Herzschwäche, sogar schaden. Ihr Körper kann ein Übermaß an Flüssigkeit nicht schnell genug ausscheiden. Das belastet den Kreislauf.

- Wickeln: Mit feuchten Baumwolltüchern lässt sich Fieber auch ohne Medikamente senken. Normalerweise ist das bei Erwachsenen und bei Kindern erst ab einer Körpertemperatur von 39 Grad nötig. Dazu Baumwolltücher in lauwarmes Wasser tränken, auswringen, locker um die Unterschenkel wickeln. Die Tücher sollte man abnehmen, sobald sie warm sind – bis zu dreimal auswechseln.

- Arzt: Hält sich hohes Fieber trotz Medikamenten länger als drei Tage, sollte man zum Arzt. Gleiches gilt bei echter Grippe (Influenza): Anders als bei Erkältungen setzen alle Beschwerden unvermittelt und gleichzeitig ein – hohes Fieber, heftige Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, lichtempfindliche Augen und starkes Ruhebedürfnis.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Die Krebsneuerkrankungen steigen mit jedem Jahr. Doch manche sind, wenn sie früh erkannt werden, erfolgreich zu behandeln. Achten Sie daher auf folgende Warnzeichen.
Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Eine Frau wacht eines Tages auf und kann ihren Mund nicht mehr öffnen. Fünf Jahre lang muss sie durch die Hölle gehen – und erlebt keinen Tag ohne Schmerzen.
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund
Er hat ständig Hunger und fühlt sich dennoch immer kurz vorm Verhungern: Der kleine Evan leidet an einem unstillbaren Appetit, der sein Leben zur Hölle macht.
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund
Schneller schlank und fit: Das ist die beste Zeit für Sport
Wer abnehmen möchte, muss auch Sport treiben, damit Kalorien und Fett verbrannt werden. Doch wann ist es am effektivsten?
Schneller schlank und fit: Das ist die beste Zeit für Sport

Kommentare