L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist gestorben

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Kinder, die ständig auf ihr Smartphone starren, neigen zu Kurzsichtigkeit.

Das geht ins Auge!

Wegen Handys: Immer mehr Kinder sind kurzsichtig

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München - Ärzte verzeichnen einen dramatischen Anstieg von Kurzsichtigkeit bei Kindern - weil sie ständig auf ihr Handy oder Smartphone starren. Wie Eltern einschreiten können und wie man später auf Kurzsichtigkeit reagieren kann, lesen sie hier:

Die magische Zahl des Auges lautet: 24,2 Millimeter. So lang ist der perfekte Augapfel, damit die Lichtstrahlen durch Pupille und Linse genau auf die Netzhaut treffen. Ein scharfes Bild entsteht. Bei Kurzsichtigen ist der Augapfel zu lang. Er wird durch unsere moderne Lebensweise, bei der wir von klein an auf winzige Bildschirme starren, zum Wachsen angeregt. Dann muss sich die Linse weniger stark krümmen, um in der Nähe scharf zu sehen. Allerdings: Der Blick in die Ferne verschwimmt immer mehr. Dieses Phänomen nimmt erschreckend zu. Das wurde in mehreren Studien bewiesen.

In Deutschland sind schon fast 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen kurzsichtig, vor 40 Jahren waren es 25 Prozent. In Singapur, Südkorea und Taiwan erkennen sogar 80 Prozent der jungen Menschen in der Ferne nur noch Schemen. Wie Eltern verhindern können, dass Kinder schlecht sehen, und wie Kurzsichtigkeit bei Erwachsenen behandelt wird: Darüber sprach die tz mit Professor Armin Scharrer, dem Vorsitzenden des internationalen Kongresses der Augenchirurgen, der vergangene Woche in Nürnberg tagte.

Die Großmutter hatte also Recht mit ihren Ermahnungen wie „Halt Abstand vom Buch“ oder „Lies nicht bei schlechtem Licht, sonst verdirbst du die Augen“!

Dr. Armin Scharrer: Wer viel in die Nähe schaut, z. B. stundenlang ununterbrochen in sein Tablet starrt, zwingt sein Auge dazu, ständig in die Nähe zu fokussieren. Dieser Reiz regt den Augapfel tatsächlich zum Wachstum an. Schlechtes Licht, keine Pausen verstärken diesen Reiz. Tageslicht hingegen und Pausen signalisieren dem Auge über eine Hormonausschüttung, dass es nicht mehr wachsen muss. Und damit sind wir bei den drei wichtigsten Vorsorgemaßnahmen: Wir wissen heute, dass Kinder mindestens zwei Stunden am Tag draußen sein sollen, das reduziert das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit um 50 Prozent. Außerdem sollte man bei allem, was man tut, einen Nahabstand von 30 Zentimetern nicht unterschreiten. Ganz wichtig sind zudem regelmäßige Pausen. In Taiwan gilt an Schulen die 30/10-Regel. Nach 30 Minuten Arbeiten im Klassenzimmer, bekommen die Kinder zehn Minuten Pause.

Warum ist es ein Problem, wenn immer mehr Menschen kurzsichtig werden?

Scharrer: Es ist ein Problem, wenn immer mehr Menschen stark kurzsichtig werden. Wir wissen, dass das Risiko für bestimmte Erkrankungen stark ansteigt. Höhere Kurzsichtigkeiten bis etwa minus fünf Dioptrin bedeuten ein fünffach höheres Risiko, dass im Erwachsenenalter Netzhautprobleme auftreten können wie Ablösungen oder Löcher. Ab minus sechs Dioptrin ist das Risiko schon zehn Mal so hoch. Wir Augenärzte sind also bemüht, die Kurzsichtigkeit möglichst gering zu halten. Außerdem schränkt eine starke Kurzsichtigkeit die Berufswahl der jungen Menschen stark ein. Viele Berufe wie z. B. Pilot, bei der Feuerwehr, Bundespolizei oder im Rettungsdienst haben Aufnahmebedingungen, die starke Kurzsichtigkeit ausschließen.

Gibt es auch Medikamente, um die Kurzsichtigkeit aufzuhalten?

Scharrer: Wenn die genannten Methoden, also Sonnenlicht, regelmäßige Pausen und Abstand halten, nicht ausreichen, um die Kurzsichtigkeit zu stoppen, gibt es ein gut verträgliches Medikament: Atropin 0,01 Prozent. Jeweils ein Tropfen abends in beiden Augen hemmt das Fortschreiten gewaltig. In einer gerade publizierten Fünf-Jahres-Studie wurde gezeigt, dass das Ausmaß der Kurzsichtigkeit um 70 Prozent reduziert wurde. Gerade die niedrige Konzentration der Tropfen zeigt den besten Effekt. Das ist ein etabliertes Medikament und wird beim Augenarzt vor Untersuchungen verwendet, um die Pupillen sehr weit zu stellen. Doch in der niedrigen Dosis weiten sich die Pupillen nur um einen Millimeter, das merkt der Mensch praktisch nicht, auch andere Nebenwirkungen gibt es nicht. Ich denke, dass diese Behandlung bei sechs bis 15-Jährigen in Zukunft zum Standard wird.

Laser-Operationen zur Behandlung der Kurzsichtigkeit sind ja mittlerweile Routine geworden. Gibt es noch Patienten, denen Sie von einem Eingriff abraten?

Strassner: Der Goldstandard in der Operation ist die Fempto-Lasik, damit kann man bei Erwachsenen Kurzsichtigkeiten bis acht Dioptrin und Weitsichtigkeiten und Hornhautverkrümmungen bis vier Dioptrin hervorragend operieren. Ist jemand stärker kurzsichtig, minus elf oder minus 15, gibt es andere Möglichkeiten, wie den sogenannten Linsenaustausch, CLE genannt: Clear lense exchange. Da wird die natürliche Linse entfernt und durch eine künstliche Linse mit einer anderen Brechkraft ersetzt. Damit kann man dann Kurzsichtigkeiten von bis zu minus 15 Dioptrin gut korrigieren.

Empfehlen Sie den Aus­tausch, wenn jemand eigentlich eine gesunde Linse hat?

Scharrer: Abhängig vom Alter; ich würde keinen 20-Jährigen operieren. Aber wir wissen, dass der beginnende Graue Star, den ja fast jeder bekommt, sich schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr bemerkbar macht. Also wenn jemand schon zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, und stark weitsichtig oder stark kurzsichtig ist, dann ist der Linsenaustausch durchaus eine Option. Sie opfern zwar die Fähigkeit der natürlichen Linse zum Zoom, aber wer z.B. 45 Jahre alt und plus acht Dioptrin weitsichtig ist, hat von der Akkumulation seiner Linse gar nichts mehr: Er sieht in der Ferne schlecht, er sieht in der Nähe schlecht. Da kann man die natürliche Linse opfern. Wenn die Patienten über 50 sind, dann sollte man das sogar tun. Die Patienten freuen sich über eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Die Linsen haben auch nicht mehr die Nebeneffekte wie Blendungen?

Scharrer: Man muss unterscheiden, welche Linse man nimmt. Aber die Linsen sind sehr viel besser und die Operationen deutlich sicherer geworden.

Blind – ein Chip hilft beim Sehen

Die Erbkrankheit Retinitis pigmentosa ist besonders gemein: Betroffene verlieren nach und nach ihr Augenlicht, weil die Sehzellen in einer Schicht der Netzhaut langsam absterben. Etwa 60 Menschen in Deutschland mit dieser Erkrankung, die völlig blind waren, können jetzt wieder ein bisschen sehen: Ein Chip in der Netzhaut macht es möglich. Das winzige Hightech-Gerät ist nur drei mal drei Millimeter groß, auf ihm finden 1500 Elektroden Platz – es ist ein hochmoderner Kamerachip, der in die Mitte der Netzhaut eingesetzt wird.

Die Patienten sind blind, weil die Lichtsignale, die durch die Pupille ins Auge gelangen, in der Netzhaut nicht mehr verarbeitet werden können. Diese Aufgabe übernimmt nun der Chip, er übersetzt die Signale in Informationen, die vom Sehnerv an die Sehrinde weitergeleitet werden. Dort im Gehirn entstehen die Bilder. Es sind andere Bilder als die der natürlichen Sehzellen, daher müssen die Patienten das Sehen ganz neu lernen. Die Eindrücke sind noch verschwommen und in neun Graustufen gehalten. Dr. Scharrer: „Für jemanden, der vorher ganz blind war, ist das ein großer Fortschritt.“ Aber generell sieht er bei der Therapie noch viel Potential: „Es ist sozusagen ein Softwareproblem. Man kann also damit rechnen, dass es auf dem Gebiet in Zukunft deutliche Verbesserungen geben wird.“ Neben diesem deutschen System gibt es eine amerikanische Lösung, auch dort wird ein Chip in die Netzhaut implantiert, der Patient trägt jedoch eine Art Videobrille. Bisher liefern beide Ansätze gleichwertige Ergebnisse.

Leider ist der Chip bisher nicht bei Patienten einsetzbar, die wegen eines Schlaganfalls oder einer Makuladegeneration blind geworden sind. Dr. Scharrer: „Bei der Retinitis pigmentosa geht eine spezielle Art von Zellen zugrunde. Aber der Sehnerv und andere wichtige Zellen, wie Gangienzellen und Bipolarzellen, sind völlig intakt. Und diese Zellen werden zur Verarbeitung und Weiterleitung der Reize auch bei der Chip-Technologie genutzt.“

Weitsichtig - und nun?

Es ist bewiesen, dass schlechtes Licht und ausdauernde Belastung den Augapfel zum Wachstum anregen. Könnte das eine Methode sein, um Weitsichtigkeit im Kindesalter zu behandeln? Dr. Scharrer hat sich dies selbst schon gefragt, aber es gibt keine eindeutige Antwort: „So wie die Kurzsichtigkeit zunimmt, wird die Weitsichtigkeit immer weniger. Die Vermutung liegt also nahe, dass es an der Lebensweise liegt. Aber es gibt leider dazu keinerlei Untersuchungen.“

sus

Die häufigsten Augenkrankheiten

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