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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem HIV-Virus ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren konstant geblieben. Foto: Arne Dedert

Robert Koch-Institut

Weiter kein Rückgang bei HIV-Neuinfektionen

"Kondome schützen": Seit Jahren fließt viel Geld in Kampagnen gegen HIV. Auch Medizin ist heute verfügbar. Beim Kampf gegen HIV zeichnet sich in Deutschland aber noch kein Durchbruch ab.

Berlin (dpa) - Etwa 3200 Menschen haben sich nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr neu mit HIV angesteckt. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zu den Vorjahren konstant, wie das RKI in Berlin mitteilte.

Im Vergleich zu anderen Ländern sei das zwar eine positive Nachricht, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Die Zahlen zeigten aber, dass bei der Vorbeugung nicht nachgelassen werden dürfe. "Die Empfehlung, Kondome zu verwenden, bleibt Grundpfeiler der HIV-Prävention und hat nichts an Aktualität verloren", hieß es vom RKI. Die Experten sehen HIV und Aids weiter als "Gesundheitsrisiko in Deutschland". 

Am stärksten betroffen seien Männer, die Sex mit Männern haben - in dieser Gruppe steckten sich geschätzt 2200 Menschen neu an. Diese Zahl gehe seit einigen Jahren aber leicht zurück. Die übrigen Ansteckungen kämen zustande bei heterosexuellem Sex (750 Fälle) und durch verunreinigte Nadeln beim Drogenkonsum (250), so das RKI.

Ende 2015 lebten den Schätzungen zufolge rund 84 700 Menschen mit HIV in Deutschland, davon 12 600 ohne es zu wissen. Angesichts dieser Zahl müssten die Hürden, sich auf HIV testen zu lassen, abgebaut werden, bilanzieren die Experten. Das Virus drohe ansonsten unabsichtlich weitergegeben zu werden. 

Zudem wird angenommen, dass knapp 11 000 Menschen von ihrer Infektion wissen, aber keine Medikamente nehmen, um das Virus im Körper zurückzudrängen. Offenbar gebe es Zugangsbarrieren, die ausgeräumt werden müssten, teilte das RKI mit.

Auch die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) sieht Nachbesserungsbedarf. Die Zahlen könnten noch niedriger sein, erklärte Sylvia Urban vom DAH-Vorstand in einer Reaktion auf die neuen Daten. "Denn zurzeit sind einige hochwirksame Maßnahmen zur Vermeidung von HIV-Infektionen in Deutschland nicht zugänglich." Dazu gehöre die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), bei der HIV-Medikamente vorbeugend eingenommen werden. Zwar sei sie in Deutschland inzwischen verschreibungsfähig, doch für die Finanzierung gebe es bisher keine Lösung - bei Kosten von über 800 Euro pro Monat. "Die Folge sind vermeidbare HIV-Infektionen."

Ein weiterer Punkt sei die Verfügbarkeit von sauberen Spritzen für Drogenkonsumenten. "In deutschen Haftanstalten sind bisher keine sauberen Spritzen verfügbar", hieß es. "Menschen mit einem drastisch erhöhten Infektionsrisiko die Schutzmaßnahmen zu entziehen, ist irrational und hoch gefährlich", erklärte Urban. Ausgebaut werden müssten demnach auch die Angebote für freiwillige und anonyme HIV-Tests, insbesondere für schwule und bisexuelle Männer, Drogenkonsumenten und Migranten.

Die RKI-Schätzungen anhand von Modellrechnungen zu neuen Infektionen sind nicht zu verwechseln mit der Zahl der Neudiagnosen, bei denen HIV tatsächlich festgestellt wird. Das passiert in der Regel später, da HIV über viele Jahre keine auffälligen Beschwerden verursacht. Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die Immunschwächekrankheit Aids.

Informationen des RKI zu HIV

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