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Traumurlaub mit Nebenwirkungen: Tausende Reisende aus Deutschland kehren krank heim.

Fiese Urlaubssouvenirs

Bei welchen Alarmzeichen Reisende fachliche Hilfe brauchen

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Der Urlaub war toll, das Essen gut und das Hotel schien sauber. Aber daheim fühlt man sich auf einmal unwohl. Kommt Fieber dazu oder ständiges Bauchweh, hat man vermutlich einen Krankheitserreger als heimtückisches Reisesouvenir mit nach Hause genommen.

Neben Durchfallerkrankungen sind laut Robert-Koch-Institut die von Mücken übertragenen Krankheiten wie Malaria und Denguefieber mit Abstand die häufigsten von Urlaubern eingeschleppten Infektionskrankheiten. Unsere Redaktion sprach mit der Professorin Brigitte Mayinger, Chefärztin am Helios-Klinikum München West in Pasing darüber, bei welchen Warnzeichen man zum Arzt gehen sollte und was sich hinter Fieber, Durchfall und Hautveränderungen verbergen kann.

Fieber

Manche Erkrankungen treten relativ schnell auf, doch einige haben lange Inkubationszeiten, das heißt zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung können Wochen vergehen. So viel Zeit, dass viele die Symptome gar nicht mehr mit dem Urlaub in Verbindung bringen. Tigermücken  übertragen hauptsächlich drei Virusarten: Zika, Chikungunya und Dengue. Diese Infektionen kommen vor allem in Asien, Afrika sowie in Süd-und Mittelamerika vor. Sie gehen einher mit Fieber, Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen. Seit Oktober 2015 wurden in Deutschland schon 146 Zika-Infektionen gemeldet. In fast allen Fällen handelt es sich bei den Erkrankten um Reiserückkehrer aus Mittel- und Südamerika. Zika löst meist keine oder nur milde Symptome wie Fieber aus. Infizieren sich allerdings Schwangere können ihre Babys mit zu kleinen Schädeln auf die Welt kommen. Im Jahr 2013 kehrten 879 Reisende mit Denguefieber heim. Chikungunya-Infektionen sind mit bis zu 50 Fällen pro Jahr bei uns noch recht selten. Der größte Teil der Malaria-Erkrankungen wird aus Westafrika und Kenia importiert. Indien und Pakistan sind die wichtigsten Infektionsländer außerhalb Afrikas. Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu 500 bis 600 Krankheitsfällen. Ausgenommen 2014, wo über 1000 Fälle gemeldet wurden. Dieser unerwartete Anstieg wird gerade vom Robert-Koch-Institut untersucht.

Hautveränderungen

Von Zecken übertragene Krankheiten kann man sich auch in Deutschland oder Österreich einfangen. Allein bis August dieses Jahres wurden über 3000 Borreliose-Fälle nur aus Bayern gemeldet. Borreliose beginnt meist mit der sogenannten Wanderröte. Einer kreisrunden Hautveränderung rund um die Bissstelle der Zecke. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber sein und auch erst Wochen nach dem Stich auftreten. Die Borrelien können mit einem Bluttest nachgewiesen werden. Die Krankheit wird mit Antibiotika behandelt. Hat man Stiche auf der Haut, die in einer Reihe oder in einer kleinen Gruppe angeordnet sind, kann es sich um einen Befall mit Bettwanzen handeln. Die kleinen Blutsauger müssen oft mehrmals zustechen, bevor sie auf Blut treffen. Die Wanzen werden meist im Koffer eingeschleppt. Alarmmeldungen zum Thema Bettwanzen kommen vor allen aus den USA, wo sogar renommierte Hotels in New York mit den Plagegeistern kämpfen. Die kleinen nur vier bis sechs Millimeter langen Blutsauger krabbeln ins Gepäck. Daher wird geraten, Koffer nie auf den Boden zu stellen. Ein einzelnes begattetes Weibchen reicht aus, um einen Haushalt zu verseuchen. Los wird man Bettwanzen nur mit einem professionellen Kammerjäger.

Das sind die häufigsten Irrtümer über Zecken

Durchfall

Risikofaktor Nummer eins beim Reisen ist das Essen, und daher ist Durchfall die mit Abstand häufigste Reisekrankheit. Bei Aufenthalten in Indien, im übrigen Asien und Afrika sowie in Mittel- und Südamerika erkranken nach Schätzungen 20 bis 50 Prozent der Urlauber an Diarrhoe. Sehr häufig werden die Patienten dabei mit multiresistenten Keimen besiedelt. Eine Studie in Leipzig an gesunden Probanden ergab, dass 30 Prozent nach einer Fernreise mit einem multiresistenten Keim heimkamen. Gegen diese Keime sind die üblichen Antibiotika wirkungslos. Das kann gefährlich werden, wenn der Reisende später einmal im Krankenhaus behandelt werden muss. Bei Lamblien handelt es sich um einen Durchfallerreger, den man sich praktisch überall holen kann und der auch noch Monate nach der Infektion für Darmprobleme sorgt. Es gibt ein Antibiotika gegen die Einzeller, aber die richtige Diagnose zu stellen, gelingt meist erst einem speziell geschulten Tropen- oder Reisemediziner. Ähnliches gilt für Shigellen, das Risiko sich mit diesem Durchfallerreger anzustecken, ist in Ägypten, Tunesien, Indien oder der Türkei besonders groß. 

Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu rund 600 Fällen von Hepatitis-A, Reisegelbsucht genannt. Das Hepatitis-A-Virus wird durch direkten Kontakt, verunreinigte Nahrungsmittel oder verseuchtes Trinkwasser übertragen. Viele stecken sich z.B. bei Urlauben in der Türkei oder in Ägypten an. Das Virus kann sich durch leichtes Fieber und Durchfall äußern und zu einer akuten Leberentzündung mit Gelbsucht führen.

Interview mit Prof. Brigitte Mayinger: Dann sollten Sie zum Arzt gehen!

Welche Alarmzeichen deuten darauf hin, dass man aus dem Urlaub etwas eingeschleppt hat? 

Professorin Brigitte Mayinger: Alarmzeichen sind Durchfall, vor allem wenn er länger anhält und mit Blut und Brauchkrämpfen verbunden ist, sowie Fieber und auch neu auftretende Hautveränderungen. Wenn das Fieber über 38,5 Grad steigt, was einen ja auch ziemlich schwer mitnimmt, und Durchfall länger anhält, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Auch bei Hautveränderungen, die man so nicht kennt und die länger anhalten, sollte man sich untersuchen lassen. Man sollte die vorangegangene Reise bei dem Arztgespräch unbedingt erwähnen. Es muss auch nicht immer ein Tropenurlaub gewesen sein. Schon aus Italien oder Frankreich kann man Krankheiten mitbringen, die wir hier noch nicht so kennen.

Welche Infektionen von Urlaubern sind häufig? 

Mayinger: Wir sehen häufig Patienten, die nach einer Urlaubsreise an Durchfällen durch pathogene Keime leiden wie e-Coli oder Salmonellen oder sich mit Amöben angesteckt haben. Ein Erreger, an den meist nicht gleich gedacht wird. Dabei ist er auch in Deutschland verbreitet. In die Notaufnahme kommen häufig Patienten mit Zeckenbissen. Manchmal diagnostizieren wir auch Malaria. Dagegen sehen wir Zika, Dengue-Fieber und die Chikungunya-Erkrankung eher selten. Aber als Arzt ist es immer wichtig, ganz genau nachzufragen: Wann und wo waren Sie im Urlaub? Hatten Sie Fieber, Ausschlag oder Gelenkschmerzen?

Bringen die Menschen ihre Beschwerden mit dem Urlaub in Verbindung?

Mayinger: Je länger die Reise zurückliegt, desto weniger wird sie als Ursache in Betracht gezogen. Über Malaria sind die meisten Menschen gut aufgeklärt, aber die anderen Viruserkrankungen sind noch eher unbekannt. Die Ansteckung kann ja auch Monate oder Jahre zurückliegen. Das macht die Diagnose manchmal recht schwierig.

Was raten Sie? 

Mayinger: Wichtig ist, sich vor einer Fernreise zu erkundigen, welche Erkrankungen im Land vorkommen und wie man sich schützen kann. Und natürlich sollte man seinen Impfstatus auf den neuesten Stand bringen. Man muss sich selbst auch disziplinieren und darf nicht leichtsinnig werden. Es ist eben leider so, dass man in einigen tropischen Ländern, z.B. in Afrika, nicht in Süßwasserseen baden darf, nicht ein einziges Mal. Die Gefahr sich mit Bilharziose (Schistosomiasis) anzustecken, ist einfach zu groß. Das sind winzige von Schnecken ausgeschiedene Larven, die sich durch die menschliche Haut bohren und im Körper zu Saugwürmern heranwachsen. Diese Erkrankung ist bei uns sehr selten, aber 90 Prozent der Patienten haben sich im Afrika-Urlaub angesteckt.

sus

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