L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist gestorben

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Übergang in eine neue Lebensphase: Die Wechseljahre sind eine Zeit großer Veränderungen. Die Frau auf unserem Foto steckt mittendrin.

Am Dienstag ist Welt-Menopause-Tag

Besser durch die Wechseljahre

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Die Kinder sind aus dem Haus, Frau hat mehr Zeit für sich. In Doch neben den Lebensumständen verändert sich auch der Körper. Die Hormone geraten aus der Balance. Die Wechseljahre machen sich bemerkbar.   

„Die Wechseljahre sind ein gewaltiger Einschnitt im Leben einer Frau“, sagt Dr. Barbara Wiedemann. Wir haben die Münchner Gynäkologin gefragt, wie Frauen besser durch diese Phase kommen.

In welchem Alter geht es typischerweise mit den Wechseljahren los?

Das Klimakterium, die Wechseljahre also, sind kein plötzliches Ereignis. Es handelt sich um einen langsamen, natürlichen Prozess, der von der vollen Geschlechtsreife bis zum Senium, dem Alter, reicht. Der Zeitraum ist dabei individuell, erstreckt sich aber in der Regel über 15 bis 20 Jahre und liegt meist etwa zwischen dem 45. und dem 65. Lebensjahr. Die Wechseljahre lassen sich in drei Abschnitte unterteilen: Da ist zunächst der Zeitraum vor der letzten Regelblutung, in der die Hormonproduktion in den Eierstöcken langsam abnimmt. Es folgt die letzte Regelblutung, die sogenannte Menopause. Dass es wirklich die letzte war – davon kann man erst ausgehen, wenn ein Jahr lang keine Blutung mehr erfolgt ist. Der dritte Abschnitt ist der Zeitraum von der letzten Blutung bis etwa zum 65. Lebensjahr.

Woran erkennt man als Frau, dass man „in den Wechsel“ kommt? Und: Mit welchen Beschwerden kämpfen Betroffene?

Dr. Barbara Wiedemann Fachärztin für Gynäkologie & Geburtshilfe, Reproduktionsmedizin & endokrinologische Gynäkologie

Der Wechsel ist ein sehr bedeutender Einschnitt im Leben einer Frau, viele erleben ihn deshalb sehr gegensätzlich: Zum einen ist eine biologische Schwangerschaft nicht mehr möglich – die Kinder gehen aus dem Haus, neue Schwerpunkte müssen teils gesucht werden; zum anderen fallen Verhütung und lästige Beschwerden bei der Periode weg. Zusätzlich können durch den Hormonmangel aber die typischen Wechselbeschwerden auftreten, das sogenannte klimakterische Syndrom. Dazu zählen zum Beispiel Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen – und eine Gewichtzunahme. Dies kann deutliche Auswirkungen auf den Körper, die Lebensqualität und die Psyche haben – sogar bis hin zu einer depressiven Verstimmung. Von diesen Problemen sind jedoch nicht alle Frauen gleichermaßen betroffen: Etwa ein Drittel von ihnen hat Beschwerden, die behandlungsbedürftig sind. Bei einem weiteren Drittel sind diese nur gering, die übrigen haben fast gar keine Beschwerden.

Woher kommen diese Beschwerden, was passiert dabei im Körper?

Verantwortlich für die Beschwerden in den Wechseljahren und in der Zeit danach ist ein langsam einsetzender Hormonmangel. Dieser betrifft insbesondere das weibliche Sexualhormon Östrogen. Hierbei lassen sich akute und Langzeitfolgen unterscheiden: Zunächst kann es durch ein mangelndes Zusammenspiel der Hormone zu Blutungs-Störungen kommen. Diese können von akuten Wechseljahres-Beschwerden, also dem schon genannten „klimakterischen Syndrom“, begleitet sein. Die hormonellen Veränderungen verursachen aber nicht nur zu Beginn des Wechsels Schwierigkeiten. Sie können noch bis ins hohe Alter Probleme bereiten. Langzeitfolgen des Hormonmangels sind dann zum Beispiel eine Gewichtzunahme, eine Trockenheit der Haut und Schleimhäute sowie Blasenentzündungen und Blasenschwäche. Zudem steigt das Risiko für Knochenschwund, also Osteoporose, und eventuell auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was kann Frau gegen die Beschwerden tun?

Zunächst einmal ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu führen. Gemeint sind damit körperliche Aktivität insbesondere an der frischen Luft, zudem eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und ausreichend Entspannung und Schlaf. Dazu gehört aber auch, auf das Rauchen zu verzichten und seine Haut gut zu pflegen.

Was ist mit pflanzlichen Präparaten?

Pflanzliche Therapien kann man bei leichten Hitzewallungen und Schweißausbrüchen empfehlen. Dazu gehören zum Beispiel Präparate mit „Isoflavonen“ oder „Cimicifuga“, der Trauben-Silberkerze. Allerdings fehlt bislang ein eindeutiger Nachweis einer sicheren Effektivität.

Kommt auch eine Hormon-Ersatztherapie infrage – oder birgt diese zu viele Risiken?

Seit der großen WHI-Studie von 2002 besteht eine große Verunsicherung was die Hormonersatz-Therapie betrifft. Die wichtigsten Erkenntnisse, die man daraus gewonnen hat sind diese: Eine Hormontherapie darf nicht ohne guten Grund und nicht bei jeder Frau eingesetzt werden. Bei Frauen unter 60 Jahren oder innerhalb der ersten zehn Jahre nach der letzten Periode überwiegen in der Regel die Vorteile gegenüber den Risiken. Bei der Entscheidung für eine Hormontherapie müssen der Nutzen, also eine bessere Lebensqualität, und die Risiken, etwa Thrombosen und Schlaganfälle, sehr sorgfältig abgewogen werden.

Kann der Hormonersatz auch das Risiko für Brustkrebs erhöhen?

Medizinischen Leitlinien zufolge erhöht die Anwendung einer Hormonersatz-Therapie das Brustkrebsrisiko ab einer Anwendungsdauer von fünf oder mehr Jahren. Unterscheiden muss man dabei allerdings, ob es sich um eine Therapie mit Östrogen und Gestagen handelt – das ist der Normalfall – oder um eine reine Östrogentherapie bei Frauen ohne Gebärmutter. Im letzteren Fall ist das Brustkrebsrisiko geringer. Leiden Frauen nur unter lokalen Problemen, also etwa an Blasenschwäche, Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sollte man eine lokale Hormontherapie vorziehen. Das können zum Beispiel Salben oder Cremes sein – im Gegensatz zu Tabletten, die im ganzen Körper wirken.

Und wie sieht es mit der Verhütung aus: Wann kann man sicher sein, dass die nicht mehr nötig ist?

Erst wenn die Periode im Zeitraum des Wechsels ein Jahr lang ausgeblieben ist, kann man per Definition sicher nicht mehr schwanger werden. Die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel hat dabei übrigens keinen Einfluss darauf, wann der Wechsel eintritt. Wie lange solche Mittel angewandt werden dürfen, hängt wiederum entscheidend vom individuellen Risikoprofil der betroffenen Frau ab.

Welche Tipps geben Sie Patientinnen, die in den Wechsel kommen?

Das hängt ganz entscheidend davon ab, wie sehr die Frau unter der nachlassenden körpereigenen Hormonbildung leidet – und wie sehr sich dies auf ihren Alltag auswirkt. Wie ich dargestellt habe, ist ein Drittel der Frauen behandlungsbedürftig. Unter Abwägung der individuellen Risiken kann eine Hormonersatztherapie dann durchaus gerechtfertigt sein. Wichtig ist meines Erachtens, rechtzeitig die gynäkologische Sprechstunde aufzusuchen. So können Arzt und Patientin, mit Hilfe einer genauen Diagnostik, gemeinsam eine individuelle Therapie planen.

Interview: Andrea Eppner

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