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Zum Welt-Zöliakie-Tag gibt es vom 14. bis 16. Mai jeweils von 17 bis 19 Uhr eine Hotline 0711/459981-30/-31/-32 für Fragen an Experten. Infos unter: www.dzg-online.de

Gluten, Laktose, Histamine

Krank durch Essen! Das passiert im Darm

München - Essen kann krank machen!  Viele Menschen bezahlen jeden Bissen mit Bauchweh, Darmkrämpfen oder Durchfall. Die tz sprach mit Professor Wolfgang Schmitt vom Städtischen Klinikum Neuperlach über die Erkrankung Zöliakie.

Prof. Wolfgang Schmitt.

Essen ist für die einen die schönste Nebensache der Welt, für andere jedoch ständige Qual. Viele Menschen bezahlen jeden Bissen mit Bauchweh, Darmkrämpfen oder Durchfall. Essen kann krank machen, weil z. B. Enzyme zum Abbau von Nährstoffen wie Milch- und Fruchtzucker fehlen, oder weil der Körper auf Bestandteile der Nahrung allergisch reagiert. Jeder 100. Erwachsene hat Zöliakie bzw. Sprue, er leidet unter einer Allergie auf das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten und im Bier steckt! In dieser Woche ist Welt-Zöliakie-Tag. Die tz sprach mit Professor Wolfgang Schmitt vom Städtischen Klinikum Neuperlach über die Erkrankung.

Zöliakie ist häufig, wird aber selten diagnostiziert. Woran liegt das?

Professor Wolfgang Schmitt: Es handelt sich um ein diagnostisches Chamäleon. Die Erkrankung kann sich in vielen, ganz verschiedenen Symptomen zeigen. Klassischerweise kommt es zu Durchfall und Gewichtsverlust. Manchmal tritt aber gar kein Durchfall auf, bei älteren Patienten z. B. kann es nur zu einem Eisenmangel kommen. Selten passiert es, dass Knochenbrüche im Vordergrund stehen, die entstehen, weil durch die Erkrankung die Kalziumaufnahme vermindert ist.

Wie wird die Krankheit erkannt?

Schmitt: Die Ursache ist eigentlich eine Allergie gegen das Gliadin, ein Teil des Glutens, dem Klebereiweiß in verschiedenen Getreidesorten. Die Schleimhaut des Dünndarms verändert sich im Laufe der Zeit, es kommt zu einer Zottenatrophie, das heißt die Zotten der Schleimhaut bilden sich zurück, sodass keine Nährstoffe mehr ins Blut aufgenommen werden können. Häufig verliert der Patient stark an Gewicht. Als Begleiterscheinung werden auch keine Milchprodukte mehr vertragen, weil im erkrankten Dünndarm auch nicht mehr genügend Enzyme zur Verfügung stehen, um den Milchzucker aufzuspalten. Für die Diagnose der Zöliakie geht man in zwei Schritten vor: Wenn man im Labor spezifische Antikörper, die auf Sprue hindeuten, feststellen kann, wird man dem Patienten bei einer Magen-Darm-Spiegelung aus der Schleimhaut des Dünndarms Proben entnehmen. Bei der Endoskopie sieht man dann, dass die Zotten der Schleimhaut verschwunden sind, es zeigt sich ein sehr typisches Mosaikmuster, das aussieht wie ein gefliester und verfugter Fußboden. Anhand einer Gewebeprobe kann der Pathologe die Krankheit eindeutig nachweisen.

Kann sich die Darmschleimhaut wieder erholen?

Schmitt: Ja, jemand, der an Sprue erkrankt ist, hat rasch dieses Mosaikmuster. Aber hält er konsequent eine glutenfreie Diät ein, erholt sich die Darmschleimhaut wieder komplett. Auch die Antikörper im Blut verschwinden, daran kann der Arzt übrigens sehen, ob der Patient es schafft, auf Gluten zu verzichten. Wer die Diät nicht einhält, erhöht sein Risiko, einen Tumor im Dünndarm zu bekommen um den Faktor zwei bis drei.

Werden wenigstens kleine Mengen an Gluten vertragen?

Schmitt: Das ist von Patient zu Patient verschieden. Es gibt Patienten, die kleine Mengen vertragen. Andere reagieren auf die kleinste Menge. Man wird immer mit einer strikten glutenfreien Diät anfangen, um später zu probieren, ob es Probleme gibt, wenn der Patient z. B. ein Bier trinkt oder ein Weizenbrot isst. Es gibt aber auch Patienten, die halten die Diät streng ein und werden trotzdem nicht gesund. Dann liegt eine refraktäre Sprue vor, die durch tropische Erreger, Medikamente oder eine Bestrahlung verursacht werden kann, oder es liegt ein Zöliakie-assoziierter Tumor (z. B. Lymphom) vor.

Sehr viele Menschen denken, sie vertrügen bestimmtes Essen nicht. Woran liegt das?

Schmitt: Es handelt sich immer um ganz unspezifische Symptome: Bauchdrücken, Unwohlsein, dünner Stuhl. Wer sichergehen will, sollte sich die Mühe machen, ein Nahrungsmitteltagebuch führen und genau aufschreiben, was er isst und wie es ihm anschließend geht. Das kann er allein oder mit seinem Arzt machen. Daraus kann der Arzt sehen, welche Tests z. B. sinnvoll wären, um eine eventuelle Unverträglichkeit genau zu bestimmen.

 

Professor Wolfgang Schmitt ist Leiter der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Klinikum Neuperlach.

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