+
Wenn man öfter auch nach harmlosen Zusammenstößen blaue Flecke bekommt, kann das ein Anzeichen für eine gestörte Blutgerinnung sein. Foto: Andrea Warnecke

Gerinnungsstörung

Wenn Blut kaum zu stoppen ist: Hämophilie nicht verharmlosen

Wenn sie nicht erkannt wird, kann eine gestörte Blutgerinnung lebensbedrohlich sein. Heilbar ist Hämophilie nicht, aber mit Vorsicht und der richtigen Therapie gut in den Griff zu bekommen.

Frankfurt/Main/Chemnitz (dpa/tmn) – Nur ein kleiner Stoß, eigentlich nichts Ungewöhnliches - zum Beispiel im Vorbeigehen mit dem Arm gegen den Türrahmen prallen. Die meisten vergessen so etwas gleich wieder.

Doch manche bekommen kurze Zeit später an der Stelle als Erinnerung einen großen blauen Fleck. Wenn das nach eigentlich harmlosen Zusammenstößen häufiger der Fall ist, kann das ein Anzeichen für eine Blutgerinnungsstörung - die Hämophilie - sein. Die sogenannte "Bluterkrankheit" ist keineswegs harmlos.

Ist das System der Blutgerinnung aus der Balance geraten, kann das einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zur Folge haben. Bei größeren Wunden oder Operationen besteht das Risiko zu verbluten. Wer den Verdacht hat, dass bei der Blutgerinnung etwas nicht in Ordnung ist, sollte unbedingt zum Arzt gehen und sich testen lassen.

"Erste Anzeichen für eine gestörte Blutgerinnung können neben gehäuften Blutergüssen nach kleineren Blessuren etwa auch häufiges und sehr starkes Nasenbluten sein", erklärt der Chemnitzer Allgemeinmediziner Diethard Sturm. Er ist Patientenbeauftragter des Vorstands des Deutschen Hausärzteverbandes. Betroffene Frauen haben nicht selten eine starke und lange Periode. Wenn kleine Wunden nicht aufhören zu bluten, kann das ebenfalls auf Hämophilie hindeuten.

Für eine sichere Diagnose wird dem Betroffenen unter anderem Blut abgenommen und im Labor untersucht. Der Arzt wird auch wissen wollen, ob in der Familie schon einmal Hämophilie festgestellt wurde.

Eine Blutgerinnungsstörung wird häufig vererbt. "Betroffen sind vor allem Männer", sagt Wolfgang Mondorf. Er ist Facharzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Hämostaseologie in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der Deutschen Hämophiliegesellschaft (DHG). "Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie unter einer Blutgerinnungsstörung leiden."

Eine Blutgerinnungsstörung wird nicht nur vererbt, sie kann auch im Laufe eines Lebens entstehen. "Das ist etwa bei schwersten Leberstörungen oder bei einer Blutkrebserkrankung der Fall", erläutert Sturm. Bei einer Krebstherapie können bestimmte Medikamente die Blutgerinnung beeinträchtigen – "in solchen Fällen ist ein strenges Kontrollregime erforderlich", sagt Sturm.

Bei Hämophilie A und B kann man den fehlenden oder nur unzureichend vorhandenen Blutgerinnungsfaktor in den Blutkreislauf zu bringen. "Hierfür gibt es Medikamente, die intravenös gespritzt werden", erläutert Mondorf. Außerdem sollten Betroffene die Finger von Alkohol und bestimmten Medikamenten lassen, die die Leber schädigen könnten. Im Zweifelsfall sollten Betroffene ihren Arzt oder Apotheker fragen.

Aber nicht nur eine unzureichende Blutgerinnung ist ein Problem: Wenn bei einem Patienten die Blutgerinnung dauerhaft verstärkt ist, kann ein Blutgerinnsel entstehen - eine sogenannten Thrombosen. "Eine solche Gerinnselbildung kann durch Tabletten, die ein Arzt verschreibt, verhindert werden", sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Sie könnten jeden Tag Salami-Pizza essen – doch plötzlich vergeht Ihnen die Lust? Dann könnte es ein Anzeichen auf etwas Bedrohliches sein.
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Mit nur 25 Jahren starb Bodybuilderin und Mutter Meeghan Hefford an einer Proteinüberdosis. Der Grund: ein seltener Gen-Defekt. Doch was hat es damit auf sich?
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Kommentare