+
Hinter Knacken und Schmerzen im Kiefer steckt oft die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion - kurz CMD. Oft werden als Ursache stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen vermutet. 

Craniomandibuläre Dysfunktion

Wenn der Kiefer knackt und schmerzt 

Es knirscht, es knackt, und es schmerzt im Kiefer. Den Namen der Störung, die dahintersteckt, kennt fast niemand: Craniomandibuläre Dysfunktion. Doch ungewöhnlich sind die Beschwerden allerdings nicht.

Beunruhigendes Knacken oder Schmerzen im Kiefer: Wer seinen Zahnarzt nach der Ursache dafür fragt, bekommt oft eine seltsam klingende Diagnose: Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD. Unter diesem Begriff fassen Zahnmediziner verschiedene Funktionsstörungen des Kiefers zusammen.

"Zwei Symptome stehen im Vordergrund, nämlich Schmerz und Dysfunktion". So erklärt es Oliver Ahlers vom CMD-Centrum Hamburg-Eppendorf. Konkret heißt das: Ein Teil der Betroffenen hat ständig Schmerzen an den Kaumuskeln oder am Kiefer, manchmal auch begleitende Zahnschmerzen. Andere können den Mund nicht mehr richtig öffnen, oder es knackt und knirscht, wenn sie den Kiefer bewegen. Anzeichen einer solchen Funktionsstörung haben viele Menschen. Sie merken oft nichts oder empfinden eine leichte Fehlfunktion nicht als beeinträchtigend.

Zum Arzt sollte man gehen, wenn man Schmerzen hat oder die Bewegung des Unterkiefers eingeschränkt ist, rät Ingrid Peroz, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGFDT). Der erste Ansprechpartner ist der Zahnarzt. Meist reiche es, eine Aufbissschiene anzufertigen und den Patienten Selbsthilfe-Maßnahmen zu erklären. Denn oft vermutet man stressbedingte Verspannungen der Kaumuskulatur und nächtliches Zähneknirschen als Ursache. Die Patienten sollen lernen, auf Verspannungen zu achten und rechtzeitig gegenzusteuern.

In Ruhe haben Zähne keinen Kontakt

"Als Erstes erkläre ich den Patienten, dass die Zähne in Ruhe nichts aufeinander verloren haben", sagt Peroz. "In Ruhe hängt der Unterkiefer entspannt, die Lippen sind zu, aber die Zähne sind nicht in Kontakt." Menschen, die unter Stress die Zähne zusammenbeißen, merken das in der Regel nicht. Peroz rät den Betroffenen daher, einen kleinen Zettel mit einem roten Punkt irgendwo am Arbeitsplatz, zum Beispiel am Computer-Monitor, zu befestigen. Immer wenn man den roten Punkt sieht, solle man kurz bewusst auf die Kieferstellung achten. Um Verspannungen zu lockern, sollten Betroffene zwischendurch die Wangenmuskeln und die Schläfen massieren.

Wenn sich der Kiefer nicht mehr öffnen lässt, können physiotherapeutische Maßnahmen wie manuelle Therapie, Krankengymnastik, Wärme oder Dehnübungen helfen. Ist die Ursache eine Entzündung im Kiefergelenk, kommen Gelenkspülungen und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Nur in seltenen Fällen, wenn die Zähne beim Zubeißen nicht gleichmäßig zusammenpassen, sei es notwendig, die Fehler im Kauorgan durch Überkronen von Zähnen oder Kieferorthopädie zu korrigieren, sagt Peroz.

Manche haben die Beschwerden schon so lange, dass die Schmerzen chronisch geworden sind und psychosomatische Probleme, Schlafstörungen oder Depressionen auftreten. "Bei chronifizierten Patienten ist die Behandlung schwierig", sagt Anne Wolowski von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (AKPP).

"Wenn wir das Problem bei guter Mitarbeit des Patienten mit einer Aufbissschiene, Entspannungstechniken und Physiotherapie in drei bis sechs Monaten nicht in den Griff bekommen, reichen diese Maßnahmen nicht aus", erklärt die Zahnmedizinerin. Möglicherweise kann dann eine Schmerztherapie oder eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Wolowski warnt vor zu hohen Erwartungen an die Therapie. "In zwei Wochen wird man nicht schmerzfrei. Die Beschwerden sind schleichend gekommen, sie müssen auch wieder herausschleichen."

dpa/tmn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rettung für kranke Zähne
Reparieren ist besser als ersetzen – das gilt auch für die Zähne. Doch worauf kommt es bei Füllungen an? Und wie kann man Karies vorbeugen? Ein Experte klärt auf.
Rettung für kranke Zähne
Junge hat gefährlichen Wurm im Auge - es endet tragisch
Als ein Junge mit starken Schmerzen ins Krankenhaus kommt, stehen die Ärzte vor einem Rätsel. Etwas Ungewöhnliches hat sich in seinem rechten Auge eingenistet.
Junge hat gefährlichen Wurm im Auge - es endet tragisch
Schock: 18 von 22 Bierproben mit gefährlichen Pestiziden belastet
Bier macht schlau, glücklich – und ist leider mit vielen Schadstoffen belastet. Das hat eine Untersuchung ergeben. Doch ist das lebensbedrohlich?
Schock: 18 von 22 Bierproben mit gefährlichen Pestiziden belastet
Probleme beim Lesen der Armbanduhr: Augenkrankheit abklären
Im Alter werden die Augen schwächer, das ist vielen klar. Hinnehmen muss man es allerdings nicht. Im Gegenteil: Sieht jemand zum Beispiel Dinge verzerrt, kann dahinter …
Probleme beim Lesen der Armbanduhr: Augenkrankheit abklären

Kommentare