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Was das Gesicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel verrät, hat "Facereading" Expertin Tatjana Strobel in ihrem Buch „Der Blick hinter die Maske“ (Knaur-Verlag).

Zehn Jahre Bundeskanzlerin

Frauen und Macht: Psychologin über Angela Merkel

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Das US-Magazin „Forbes“ hat jüngst Angela Merkel zur einflussreichsten Frau der Welt gekürt. In wenigen Tagen, am 22. November, ist sie seit zehn Jahren Bundeskanzlerin.

Ein Gespräch über die weibliche Seite der Macht mit Psychologin Felicitas Heyne.

Rein psychologisch betrachtet: Was zeichnet Angela Merkel als Bundeskanzlerin aus?

Was am meisten auffällt, ist ihre Geduld und Gelassenheit: Sie hat einen extrem langen Atem, ein dickes Fell und viel Selbstbeherrschung. Sie lässt Kritik oder andere unangenehme Dinge immer an sich abprallen. Sie wird nicht emotional, sie bleibt sachlich, kühl, überlegt. Zumindest nach außen hin.

Das wird ihr aber auch schon mal vorgeworfen ...

Ja – aber im Großen und Ganzen mögen das die Deutschen, es vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit.

Merkel gilt als mächtigste Frau der Welt. Ist Macht nicht Männersache?

Frauen verfügen genauso gern über Macht wie Männer – sie können genauso ehrgeizig sein. Es ist nur halt so, dass wir seit Urzeiten in einer patriarchalen Gesellschaft leben, in der Männer natürlich schon rein strukturell begünstigt sind, wenn es um Macht und Karriere geht – und verständlicherweise sind sie auch nicht daran interessiert, das zu verändern. Frauen sind zudem oft weniger bereit, die unvermeidlichen „Schattenseiten“ der Macht in Kauf zu nehmen.

Was heißt das?

Etwa Konflikte auszuhalten und konsequent auszutragen, sich unbeliebt zu machen, die eigene Meinung energisch zu vertreten, Lorbeeren einzufordern, die eigene Werbetrommel zu rühren, Seilschaften zu bilden, Bauernopfer über die Klinge springen zu lassen. Und, und, und. Damit hat Merkel kein Problem.

Worin unterscheidet sich weibliche von männlicher Macht?

Felicitas Heyne ist Psychologin und Buchautorin.

Frauen neigen weniger dazu, prätentiös zu werden und demonstrativ auf den Putz zu hauen, wenn sie an die Macht kommen. Männer kriegen hingegen gern einen Höhenkoller, sie fangen an, sich total selbst zu überschätzen und sich auch mal lächerlich zu machen – viele wissen einfach nicht, wann es genug ist und verlieren jedes Augenmaß für die eigene Bedeutung respektive Bedeutungslosigkeit. Auch der extreme Hang zur Selbstdarstellung und -inszenierung ist eher typisch für mächtige Männer als für Frauen.

Merkel inszeniert sich überhaupt nicht ...

Sie wirkt bei allem sehr bodenständig, authentisch, uneitel – und keineswegs so, als wüsste sie nicht um ihre eigenen Grenzen. Sie neigt nicht zu Theaterdonner und sie prahlt auch nicht herum. Das ist etwas, was man bei vielen mächtigen Frauen findet: Denen reicht es, wenn sie ihren Einfluss still und undramatisch geltend machen können, ohne Zinnober. Sie brauchen keine große Bühne und Scheinwerfer. Bei Merkel hat man stets das Gefühl, eigentlich ist sie eher froh, wenn sie wieder vom Rednerpult runter und hinter den Kulissen verschwinden darf.

Was können Frauen von Merkel lernen?

Vor allem eines: sich weniger von subtilen Unterdrückungsmechanismen aus dem Tritt bringen zu lassen. Verhaltensweisen, die bei einem Mann als „taff“ bewundert werden, werden ja naserümpfend beäugt, wenn eine Frau sie an den Tag legt. Das muss man erst mal aushalten können!

Können Männer auch was von Merkel lernen?

Eigentlich genau dasselbe, nur von der anderen Perspektive her: Egal, wie hoch man steigt, man sollte sich die Fähigkeit zur Selbstkritik bewahren und um die eigenen Schwächen wissen – und eben nicht in diesen narzisstischen Höhenflug abdriften, bei dem man glaubt, man könne, wisse und dürfe alles.

Könnte sich Merkel bis zur „Rente“ halten?

Nun, sie ist keine, die nicht zu Ende bringt, was sie angefangen hat. Dass sie aber nochmal antritt, gilt als unwahrscheinlich. Ihre Politik der „ruhigen Hand“, des Aussitzens, hat zwar bis dato gut funktioniert. Aber jetzt scheinen wir in eine Epoche eingetreten zu sein, in der uns alle erdrutschartige Veränderungen an allen möglichen Fronten in rasender Geschwindigkeit erfassen und mit sich reißen. Dazu passt ihr Regierungsstil nicht mehr.

Interview: Barbara Nazarewska


Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte:  „Der Blick hinter die Maske“. Tatjana Strobel nimmt deshalb so manches Gesicht unter die Lupe.

Schau mir ins Gesicht ... und ich sage dir, wer du bist! Das zumindest verspricht Tatjana Strobel. Und die muss es wissen: Sie ist „Facereading“-Expertin, sie kann also aus unserem Gesicht ablesen, wie wir ticken. Und: Sie enträtselt auch, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sich im Alltag gibt – vor allem aber, woran man das in ihrem Gesicht erkennt. Der tiefe Wangenknochen links verrät zum Beispiel, dass Merkel der Typ „Kümmerer“ ist (siehe Foto). Tja, nicht umsonst wird sie von ihren Polit-Kollegen gern auch mal „Mutti“ genannt. 
Tatjana Strobel, ausgebildete Sozialpädagogin, die später als Verkaufsleiterin in der Parfüm und Kosmetikbranche arbeitete, machte sich bereits im Jahr 2008 selbständig. Seitdem gibt sie Seminare und hält viele Vorträge zum Thema „Physiognomik“, zum „Gesicht der Seele“. Jüngst hat sie auch ein Buch geschrieben: „Der Blick hinter die Maske – Was uns Gesichter verraten“. Davor erschien „Ich weiß, wer Du bist – Das Geheimnis, Gesichter zu lesen“ und wurde zum „Spiegel“-Bestseller. 

Das Buch

Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte: Tatjana Strobel nimmt deshalb so manches Gesicht unter die Lupe. Das Ergebnis? Spannend und aufschlussreich! Mehr in ihrem Buch „Der Blick hinter die Maske“ (Knaur-Verlag; 9,99 Euro).

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