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Das Unkrautmittel Glyphosat ist von der WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuft worden. Hergestellt wird das Herbizid vom US-Hersteller Monsanto, der bei Umweltschützern schon länger in der Kritik steht. Das US-Unternehmen produziert Saatgut und Herbizide und seit den 1990er Jahren Biotechnologien zur Erzeugung gentechnisch veränderter Feldfrüchte einsetzt.

Streit um Pflanzengift

WHO: Glyphosat wahrscheinlich krebserregend

Umweltschützer haben das Anti-Unkraut-Mittel Glyphosat schon länger auf dem Kieker. Eine WHO-Agentur liefert ihnen nun neue Munition im Ringen um die laufende Überprüfung des Wirkstoffs in der EU.

Das weit verbreitete UnkrautbekämpfungsmittelGlyphosat ist nach Einschätzung der  Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) wahrscheinlich krebserregend. Zu diesem Schluss kam die Behörde der Weltgesundheitsagentur (WHO) nach Auswertung zahlreicher Studien zu dem Mittel. Auf Bayerns Feldern darf der Stoff übrigens weiter versprüht werden.

Sie widersprach damit in einem nun veröffentlichten offiziellen Bericht der Einschätzung anderer Behörden wie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Umweltorganisationen forderten, in Deutschland sofort Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen.

Streit um das Pflanzengift Glyphosat geht weiter

"Alle Anwendungen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Menschen mit Glyphosat in direkten Kontakt kommen, müssen umgehend ausgesetzt werden", erklärte Greenpeace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff. Das BfR kündigte am Donnerstag an, den Bericht zu prüfen. Die EU-Kommission hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nach Angaben eines Sprechers bereits aufgefordert, die Ergebnisse bei der laufenden Überprüfung der Zulassung für Glyphosat zu berücksichtigen.

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Das BfR war in seiner jüngsten Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass bei richtiger Anwendung kein Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist. Das deutsche Institut hat die Federführung beim EU-Zulassungsverfahren für Glyphosat.

Krebsrisiko durch das Pflanzengift

Die WHO-Krebsforschungsagentur in Lyon gelangte zu einer anderen Einschätzung. Dies hatte sie bereits im März angekündigt, in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht lieferten die Wissenschaftler nun die Begründung nach. Sie sehen in Studien bei Menschen eingeschränkte Belege dafür, dass Glyphosat Krebs erzeuge. Bei Tierversuchen gebe es ausreichende Belege für einen solchen Effekt. Insgesamt stuften sie Glyphosat in die zweithöchste Risikokategorie ein ("wahrscheinlich krebserregend beim Menschen").

Deutsche Umweltschützer und Grünen-Politiker kritisierten die Haltung des Bundesinstituts. "Was das BfR vorgelegt hat, taugt nicht als Grundlage für ein Wiederzulassungsverfahren", kommentierte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling. Er forderte eine Neubewertung. "Es ist unverantwortlich, Glyphosat weiter als unbedenklich einzustufen", meinte auch der Pestizidexperte des BUND, Tomas Brückmann.

Darf Glyphosat weiter angewendet werden?

Das BfR wies darauf hin, dass auch ein WHO-Gremium zu einer anderen Einschätzung gelangt sei als die Krebsforschungsagentur und eine WHO-Task Force zurzeit nach den Gründen dafür suche. Inhaltlich werde es erst nach Prüfung des IARC-Berichts Stellung nehmen.

dpa

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