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Kampf gegen Herzinfarkt und stille Killer

Wir erklären den Herzkatheter

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Bei Ihnen sollten wir mal einen Herzkatheter machen.“ Diesen Satz haben viele Patienten schon mal von ihrem Arzt gehört. Aber was ist das überhaupt? Wie läuft dieser Eingriff ab? Welche Möglichkeiten bietet er? Und wie erleben Betroffene das Prozedere? 

Bei Ihnen sollten wir mal einen Herzkatheter machen.“ Diesen Satz haben viele Patienten schon mal von ihrem Arzt gehört. Manche werden auch gar nicht erst gefragt, weil sie wegen eines akuten Herzinfarkts so schnell wie möglich im Herzkatheterlabor – so die offizielle Bezeichnung – behandelt werden müssen. Aber was ist das überhaupt? Wie läuft dieser Eingriff ab? Welche Möglichkeiten bietet er? Und wie erleben Betroffene das Prozedere? Antworten auf diese Fragen gibt’s heute zum Abschluss der großen tz-Gesundheitsserie in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung.

Die renommierte Patientenorganisation veranstaltet derzeit bundesweit ihre traditionellen Herzwochen. Dabei informieren Experten unter anderem über die sogenannten stillen Killer wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte. Sie können in einem schleichenden Prozess schwere Schäden am Gefäßsystem verursachen, die schlimmstenfalls in einem Schlaganfall oder in einem Herzinfarkt enden. „Bei Alarmsignalen wie Brustschmerz und Atemnot sollte man nicht zögern, den Notruf 112 zu wählen“, rät Prof. Dr. Thorsten Lewalter (Foto oben), Chefarzt in den Münchner Klinken Dr. Müller und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Und deren Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Thomas Meinertz betont: „Wenn man bei Verdacht auf einen Infarkt nach fünf Minuten die 112 alarmiert und schnell in die Klinik kommt, ist das Risiko, am Herzinfarkt zu sterben, sehr gering.“ 

Wir erklären den Herzkatheter

Dass mit Herzproblemen nicht zu spaßen ist, weiß schon fast jedes Kind. Aber wie entscheidend schnelles Handeln sein kann, hat sich noch längst nicht in alle Köpfe eingegraben. Das gilt vor allem bei einem akuten Herzinfarkt. „Der Patient sollte spätestens innerhalb von drei Stunden in einer spezialisierten Klinik behandelt werden “, sagt Privatdozent (PD) Dr. Klaus Tiemann, der gemeinsam mit Prof. Thorsten Lewalter das Peter-Osypka-Herzzentrum in den Kliniken Dr. Müller leitet. „Denn danach sinkt die Chance, gefährdetes Herzmuskelgewebe retten zu können, massiv.“

Zur Erklärung: Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einem Verschluss in den Herzkranzarterien. Die Gefäße hinter der Blutblockade können das dazugehörige Herzmuskelgewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgen, es stirbt ab. „Bei einem Herzinfarkt können bis zu einer Milliarde Herzmuskelzellen verloren gehen“, weiß Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung.

Um dies zu verhindern, ist eine schnelle Behandlung in einem Experten-Zentrum von entscheidender Bedeutung. „In München wird nahezu jeder Herzinfarkt-Patient in eine sogenannte Chest-Pain-Unit eingeliefert“, erläutert PD Dr. Tiemann. Das sind spezielle Brustschmerzambulanzen mit erfahrenen Behandlern und moderner Technik. Sie müssen sich regelmäßig von unabhängigen Prüfern zertifizieren lassen.

Bei einem akuten Herzinfarkt wird normalerweise ein Herzkatheter gesetzt, um die verschlossene Herzkranzarterie so schnell wie möglich wieder zu öffnen. „Allein in Deutschland finden jährlich etwa 900 000 Herzkatheter-Eingriffe statt“, erläutert Prof. Lewalter. „Aber nur bei etwa jedem dritten wird interveniert – das bedeutet in der Regel, dass dem Patienten ein Stent oder mehrere Stents eingesetzt werden.“

Ein Herzkatheter kann aber auch dazu dienen, einen Herzinfarkt zu verhindern oder andere Herzerkrankungen zu behandeln (siehe Artikel links unten).

Das Wichtigste zum Eingriff gleich vorweg: Er tut nicht weh. Der Patient braucht keine Narkose. Er liegt auf dem sogenannten Kathetertisch unter einer Röntgenanlage. Sie liefert immer wieder Bilder vom Herzen. Der Arzt sticht mit einer Nadel in die Leiste oder in den Arm, die sogenannte Punktionsstelle wird örtlich betäubt. Durch das Blutgefäß werden verschiedene hauchdünne Drähte und Schläuche eingeführt und – im Falle einer sogenannten Koronarangiografie – bis in die Herzkranzarterien vorgeschoben. Dann spritzt der Arzt Kontrastmittel ein. Es hebt sich auf den Röntgenbildern ab und liefert so Erkenntnisse, ob und wo sich Engstellen in den Herzkranzgefäßen befinden.

Die Herzkranzgefäße heißen übrigens deshalb so, weil sie das Herz kranzartig umschließen und die Muskelzellen unter anderem mit Sauerstoff versorgen.

Wenn eine Koronararterie bereits stark verengt oder gar verschlossen ist, transportiert der Herzspezialist mithilfe des Drahts eine Art zusammengefalteten Mini-Ballon bis zum Einsatzort. Dort wird der Ballon aufgepsannt und damit das Gefäß wieder geweitet. Um es auf Dauer offen zu halten, setzt man einen Stent ein – ein gitterartiges Röhrchen. „Der Stent wird mit großem Druck an die Gefäßwände gepresst“, erläutert Prof. Lewalter.

In der Regel bestehen diese Stents aus Metall, neuerdings stehen aber auch Modelle aus gepresstem Magnesium zur Verfügung. Eine solche Alternative hatte Prof. Lewalter zu Jahresbeginn einer Patientin eingesetzt, die an einer Allergie gegen bestimmte Metalle leidet. Der Magnesium-Stent soll sich binnen eines Jahres wieder auflösen und das betroffene Blutgefäß wieder erholen. Herkömmliche Stents verbleiben lebenslang im Körper.

Wie lange eine Herzkatheteruntersuchung dauert, lässt sich schwer vorhersagen. „Bei unkomplizierten Fällen hat der Patient bereits nach 15 bis 20 Minuten alles überstanden“, erläutert PD Dr. Tiemann. „Es kann aber auch schon mal anderthalb Stunden dauern, wenn mehrere Engstellen zu behandeln sind.“

Am Ende des Eingriffs werden Drähte und Schläuche wieder aus der Leiste beziehungsweise aus dem Arm hinausgezogen. Der Patient muss für mehrere Stunden einen Druckverband tragen, um eine Blutung zu verhindern. „Insgesamt handelt es sich um ein gut erprobtes und risikoarmes Verfahren“, betont Prof. Lewalter.

Die Geschichte eines Patienten

Zwei Jahre lang schleppte sich Herbert Kraatz (75) bereits mit seinen Herzbeschwerden durch den Alltag – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: „Bei der kleinsten Anstrengung blieb mir die Luft weg, ich hatte immer wieder Schmerzen in der Brust.“

Wie etwa 2,5 Millionen Frauen und 3,5 Millionen Männer in Deutschland leidet der pensionierte Malermeister an der sogenannten Koronaren Herzkrankheit. Dabei ist die Sauerstoffversorgung des Herzens beeinträchtigt – durch Ablagerungen, sogenannte Plaques, die die Herzkranzgefäße verengen.

Diese Engstellen sind manchmal nur schwer zu orten. „Erst bei einer 90-prozentigen Eingengung ist der Blutfluss im Ruhezustand eingeschränkt. Und unter Belastung haben die Patienten erst ab einer 75-prozentigen Einengung Sympotme wie Luftnot“, erläutert Privatdozent Dr. Klaus Tiemann, Chefarzt im Peter-Osypka-Herzzentrums der Kliniken Dr. Müller. Er konnte die betroffene Stelle mit Hilfe einer CT-Angiografie des Herzens ermitteln – eine spezielle Form der Computertomografie.

Dabei kommt der Patient in die Röhre. Röntgenstrahlen ermöglichen Schnittbilder des Herzens. „Das Verfahren eignet sich hervorragend, um eine erste Beurteilung der Herzkranzgefäße vorzunehmen – und auch dazu, gravierende Engstellen ausschließen zu können. Dadurch lässt sich in vielen Fällen eine Herzkatheteruntersuchung vermeiden“, berichtet Dr. Tiemann.

Bei seinem Patienten Kraatz kristallsierte sich allerdings eine besonders heikle Engstelle heraus, das Gefäß war bereits zu über 90 Prozent verschlossen. Verursacht durch eine sogenannte Soft-Plaque – eine Frühform, bei der sich noch kein Kalk eingelagert hatte. Das Tückische daran: „Die Soft-Plaque kann zu einem Riss der Gefäßinnenhaut führen. Wenn sich dieser Stelle ein Thrombus, praktisch ein Blutpropfen, bildet, kann es zum Gefäßverschluss und damit zum Herzinfarkt kommen“, erklärt Dr. Tiemann.

Zum Glück blieb Herbert Kraatz dieses Schicksal erspart. Er bekam im Herzkatheterlabor einen Stent eingesetzt. „Mir ging es sofort besser“, erzählt er. „Ich habe meine Lebensqualität wieder zurück.“

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