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Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Vorstufe von Diabetes, wissen aber nichts von der Gefahr.

Wird Diabetes heilbar?

Diabetes mellitus ist die Volkskrankheit Nummer 1. Doch die Zuckerkrankheit ist gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Die neuesten Therapien und Infos rund um  Diabetes lesen Sie hier.

Ohne Zucker geht beim Menschen gar nichts: Weder würden die Beine einen Schritt gehen, noch das Gehirn einen klaren Gedanken fassen.

Diabetes-Risikotest

Mit dem Diabetes-Risikotest vom Forschungszentrum für Ernährung in Potsdam kann sich jeder selbst testen: http://drs.dife.de/

Wie der Automotor Benzin, so verbrennt unser Körper Traubenzucker und bezieht daraus seine Energie. Allein das Gehirn verbraucht 140 Gramm pro Tag! Der Körper holt sich die Glukose aus der Nahrung, über das Blut wird es zu den Organen transportiert und hineingeschleust. Doch dieser Glukose-Stoffwechsel ist bei jedem zehnten Menschen gestört. Eine Schlüsselrolle spielt das Hormon Insulin, das für die Aufnahme des Zuckers in die Organe verantwortlich ist. Es verliert zunächst unbemerkt seine Wirkung. Um die gleiche Menge Zucker zu verarbeiten, wird also mehr Insulin benötigt. Der Körper produziert immer mehr Insulin, bis die dafür zuständigen Zellen in der Bauchspeicheldrüse zugrunde gehen. In Folge steigt der Blutzucker im Blut drastisch an, die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Treibstoff und Sauerstoff versorgt. Die Folgen sind dramatisch wie Herzinfarkte, Nierenschäden oder schlecht heilendes Gewebe: Pro Jahr werden in Deutschland 28.000 Füße von Diabetikern amputiert.

Diabetes: Das sollten Sie wissen

Diabetes: Das sollten Sie wissen

WARNSIGNALE!

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Vorstufe von Diabetes, wissen aber nichts von der Gefahr. In München trifft dies nach Schätzungen auf etwa 100.000 Männer und Frauen zu!

Die Krankheitszeichen sind oft recht allgemein, doch folgende Alarmsignale (siehe Fotostrecke) können auf einen krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel hinweisen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt über 45-Jährigen alle drei Jahre eine sogenannte Nüchtern-Blutglukosebestimmung beim Hausarzt. Früh erkannt, ist die Krankheit gut behandelbar.

  • Verschwommenes Sehen
  • Heißhunger
  • Schlecht heilende Wunden
  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Übermäßiger Harndrang
  • Sexuelle Störungen
  • Anhaltende Müdigkeit
  • Ständiger Durst
  • Taube Hände und Füße

Das Neueste von der Impfung bis zur Stammzellen-Therapie

Professor Dr. Martin Hrabĕ de Angelis vom Diabetes Research Department, München

Vor fünf Jahren haben die Vereinten Nationen Diabetes zur weltweiten Bedrohung erklärt – als erste Nicht-Infektionskrankheit. Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes, 95 Prozent den sogenannten Typ II, der früher Altersdiabetes hieß, aber immer mehr junge Menschen trifft. Dazu kommen etwa noch mal so viele Menschen, die an der Vorstufe von Diabetes leiden, aber nichts ahnen.  Am 16. Novmeber 2011 wird am Münchner Helmholtz-Zentrum das in Deutschland einzigartige Diabetes Research Department eröffnet. Wir sprachen vorab mit dem Sprecher, Professor Dr. Martin Hrabĕ de Angelis, über die Trends der Forschung.

Bisher ist es Ziel der Therapie, den Blutglukosespiegel durch Ernährung, Tabletten und in schwerwiegenden Fällen durch Insulinspritzen zu senken. Wird Diabetes in Zukunft heilbar sein?

Hrabĕ de Angelis: Das wünschen wir uns. Dafür forschen wir. Aber wir verstehen die genauen Entstehungsmechanismen der Krankheit noch nicht. Erst wenn wir diese kennen, können wir darauf aufgebaute Therapien entwickeln. Erschwerend kommt dazu, dass es verschiedene Typen von Diabetes gibt, denen wiederum verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Und meistens sind es mehrere und nicht eine Ursache allein.

Was ist das Besondere am Typ-1-Diabetes?

Hrabĕ de Angelis: Das ist eine Autoimmunerkrankung des Körpers gegen die Bauchspeicheldrüse, bei der sich der Körper mit seinem Immunsystem praktisch selbst zerstört. In Deutschland leben etwa 550.000 Betroffene, Tendenz steigend. Typ-1-Diabetes erkennt man oft recht schnell: Durch eine rapide Gewichtsabnahme, der Körper zehrt und trocknet aus. Die Patienten sind extrem müde und abgeschlagen. Wird das nicht mit Insulin behandelt, sterben diese Menschen. Die Ursachen sind teilweise genetisch, aber es sind nicht die Gene allein. Es gibt auch lebensstilbedingte Faktoren.

Wir erhoffen uns einen Erfolg von Impfstudien, von denen auch eine in München läuft. Mitglieder aus Risikofamilien, die genetisch vorbelastet sind, werden mit Insulin über die Nasenschleimhaut geimpft. Die Hoffnung ist, dass so das Immunsystem gedämpft wird und nicht die Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse angreift. Ob das gelingt, ist aber noch völlig offen.

95 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden am Typ 2, der oft lange nicht erkannt wird.

Hrabĕ de Angelis: Typ-2-Diabetes ist wirklich völlig anders: Die Personen entwickeln häufig über viele Jahre diese Krankheit, merken es aber nicht. Oft wird sie zufällig beim Arzt entdeckt. Generell liegen die Ursache in der Umwelt, damit meine ich Ernährung und Bewegung, aber auch Gene spielen eine wichtige Rolle. Möglich ist auch, dass Chemikalien aus der Umwelt einen Einfluss haben, die wie Hormone wirken und dadurch den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Bei circa 80 Prozent der Patienten hat eine Änderung des Lebensstils einen sehr guten Einfluss. Das heißt, wenn sie sich ausgewogen ernähren, abnehmen, moderat bewegen, brauchen sie keine Medikamente. Doch wir lernen gerade, dass es auch beim Typ 2 weitere Untergruppen gibt. Denn bei 20 Prozent wirkt es nicht, ihre Blutwerte verändern sich einfach nicht. Wir fragen uns natürlich, warum das so ist. Hier forschen besonders unsere Kollegen der Tübinger Uni-Klinik. Wir gehen davon aus, dass bei den sogenannten Non-Respondern gewisse molekulare Strukturen anders sind. Zudem gibt es vielfältige Verbindungen zum Gehirn, da spielt das Appetitverhalten, das Bewegungsverhalten und auch das Suchtverhalten eine Rolle. Wir wollen die Subgruppen bestimmen, um sie später individuell behandeln zu können.

Allen wäre vermutlich geholfen, wenn man die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse wieder dazu bringt, Insulin zu produzieren.

Hrabĕ de Angelis: Dazu gibt es mehrere Ansätze in der Stammzellenforschung. Man versucht Stammzellen, also diejenigen Zellen, die sich noch in jede beliebige Zelle verändern können, dazu zu bringen, Insulin zu produzieren. Das ist prinzipiell möglich mit fremden oder mit körpereigenen Stammzellen. Fremde Zellen haben immer das Problem, dass sie eine Abstoßungsreaktion des Körpers provozieren und der Patient dann sein Leben lang Medikamente dagegen nehmen muss. Viel schöner wäre es, körpereigene Zellen zu aktivieren und in die Bauchspeicheldrüse einzuschleusen. Beim Typ-1-Diabetes müssten wir diese Zellen jedoch maskieren, ungetarnt würden sie vom Immunsystem wieder angegriffen und zerstört werden. Da laufen weltweit Projekte.

Welcher Ansatz ist denn besonders erfolgversprechend?

Hrabĕ de Angelis: Das ist noch völlig offen. Die Hauptwaffe der Behandlung wird auch in Zukunft die Prävention sein müssen. Oft wissen wir ja, was uns gut tut oder schadet, aber wir handeln nicht danach. Je mehr wir die Grundlagen der Krankheit verstehen, desto genauer können wir den Menschen sagen, wie groß ihr persönlicher Nutzen sein wird. Ich hoffe, dass infolge dessen die Kooperation der Patienten mit ihrem Arzt wachsen wird.

tz

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