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Wissenschaftlerteam entdeckt, wie Lust unser Gehirn regiert.

Intime Einblicke ins Gehirn

Keine Liebe ohne Sex

Die Diskussion ist so alt wie der Geschlechterkampf: Lassen sich Liebe und Sex trennen? Nein, werden wahrscheinlich vor allem Frauen sagen. Die sollten jetzt aber ganz stark sein:

Ein internationales Forscherteam der Universitäten Montréal und Genf hat nämlich herausgefunden, dass unser Gehirn strikt zwischen Liebe und Sex unterscheidet!

Für ihre Studie, die im Journal of Sexual Medicine erschienen ist, werteten die Wissenschaftler Ergebnisse von 20 bereits vorhandenen Untersuchungen aus, die sich mit der Reaktion des Gehirns auf Lust- sowie Liebesgefühle befassten. Dafür wurde die Gehirnaktivität der Probanden aufgezeichnet, wenn sie erotische Fotos und Pornofilme anschauten oder aber Fotos ihres Partners. „Bisher hatte aber keiner die beiden zusammengebracht, um die Aktivierungsmuster zu vergleichen“, sagt Sexualforscher James Pfaus.

Er und seine Kollegen kombinierten die Ergebnisse in einer Gehirnkarte. Fazit: Liebe und Lust aktivieren unterschiedliche Areale unseres Denkorgans, die sich aber miteinander verknüpfen – und zwar, wenn wir uns verlieben! „Die Überschneidung der beiden Funktionsbereiche bedeutet, dass wir nicht in jemanden verliebt sein können, ohne diese Person auch sexuell zu begehren“, erklärt Pfaus. Dies gilt für Männer ebenso wie für Frauen: Bei den Tests stellten die Wissenschaftler keine geschlechtsspezifischen Unterschiede fest.

Für ihre Studie erstellten die Forscher eine Karte, in der sie die Reaktion des Gehirns auf Lust (blau) und Liebe (rot) kombinierten (A). Bei verliebten Personen reagieren beide Gehirnareale (A). Bei rein sexuellem Verlangen konzentriert sich die Hirnaktivität auf den hinteren Bereich des Striatums und der Inselrinde (B), bei Liebesgefühlen wird zusätzlich der vordere Teil des Striatums aktiv, der mit dem Streben nach Erfüllung und Befriedigung verknüpft ist (C).

Konkret aktivieren Lust und Liebe einen Teil der Großhirnrinde (Inselrinde) sowie das sogenannte Striatum des Vorderhirns. Während der hintere Bereich der Inselrinde auf Lustgefühle reagiert, aktivieren romantische Gefühle die vorderen Areale. Ebenso stimulieren Sex und Liebe unterschiedliche Bereiche des Striatums: Sexuelle Lust lässt den Teil aufleuchten, der auch auf andere angenehme Erfahrungen wie etwa gutes Essen anspringt. Liebe dagegen aktiviert eine Region, die eng mit dem Belohnungszentrum und mit Gewohnheiten und Süchten verknüpft ist. „Letzlich ist Liebe auch nichts anderes als eine Art Sucht“, erklärt Wissenschaftler Pfaus. „Sie ist eine Gewohnheit, die sich aus den befriedigenden Erfahrungen der gestillten Lust entwickelt. Gleichzeitig löst Liebe wiederum ein Verlangen nach Interaktion und die Lust nach Sex mit dem Partner aus.“

Beweise für diese Theorie präsentieren die Wissenschaftler in ihrer Studie. Dank der neuen Gehirnkarte konnte das Forscherteam nachvollziehen, was geschieht, wenn aus körperlicher Anziehungskraft mehr wird: Beim Verlieben wandert das Aktivitätssignal Pfaus zufolge vom Lustbereich des Gehirns in den vorderen Teil der Hirnbereiche – „dorthin, wo wir uns unserer Gefühle bewusst werden und ihnen eine Bedeutung geben“.

ISP

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