Herzleiden: Die wichtigsten Infos

Woran Sie einen Infarkt erkennen

  • schließen

München - Volkskrankheit Herzleiden: Die tz erklärt die wichtigsten Informationen und woran Sie einen Infarkt erkennen. Zudem erfahren Sie hier, warum Experten vor zu vielen Eingriffen warnen.

Es ist immer noch das Volksleiden Nummer eins: Verengte Blutgefäße am Herzen führen die Statistik der Todesursachen an. Bei über 65-Jährigen sind Herzleiden der häufigste Grund für einen Aufenthalt im Krankenhaus. Trotzdem macht eine neue Studie der Barmer-GEK-Krankenkasse stutzig. Denn während die Zahl der Patienten mit Herzproblemen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, steigt die Zahl der Operationen. Experten bezweifeln, dass alle diese Eingriffe medizinisch sinnvoll sind – manche seien finanziell für die Kliniken einfach zu lukrativ. Die tz erklärt die Hintergründe:

Wie viele Herz-OPs haben die Deutschen im vergangenen Jahr über sich ergehen lassen? In ihrem Krankenhausreport zählt die Barmer GEK mehr als 330 000 Eingriffe an Herzkranzgefäßen und Bypass-Operationen. Obwohl in den vergangenen Jahren tendenziell weniger Menschen wegen Erkrankungen der Herzkranzgefäße im Krankenhaus waren, wurden bestimmte Eingriffe deutlich öfter vorgenommen.

Welche OPs haben besonders zugelegt? Besonders beliebt sind mit Medikamenten beschichtete Gefäßstützen – sogenannte Stents. Sie sind eine Art röhrenförmige Gitterstütze aus Metall und sollen verengte Herzkranzgefäße wieder öffnen. Die Zahl der Eingriffe mit solchen beschichteten Stents stieg seit 2005 demnach um 227 Prozent. Im Gegenzug sanken die Eingriffe mit unbeschichteten Gefäßstützen sowie die Zahl der Bypass-Operationen am offenen Herzen deutlich.

Warum steigt die Zahl der Operationen, wenn doch die Zahl der Patienten eher sinkt? Dafür sehen die Experten einen Hauptgrund. Der Report führt den Anstieg der Operationen heute ist es möglich, Patienten zu behandeln, die in der Vergangenheit nicht gar nicht für eine Behandlung in Frage kamen und somit nicht hätten operiert werden können – etwa wegen ihres Alters oder anderer Erkrankungen. Die Implantation eines solchen Stents gilt als vergleichsweise schonend. Allerdings muss sich jeder fünfte Patient innerhalb von zwölf Monaten einem erneuten Eingriff unterziehen. Andererseits sei die Sterblichkeit fünf Jahre nach dem Einsetzen des Stents mit 15 Prozent im Vergleich zu anderen Methoden am geringsten.

Was wirft die Kasse den Kliniken vor? Knallharte finanzielle Interessen. Der Verdacht der Kasse: Kliniken setzten Stents hunderttausendfach auch deshalb ein, weil sie damit ihre Umsätze steigern wollten. Denn die Implantate selbst seien im Einkauf günstiger geworden, so Barmer-Vize Schlenker. Der Preis für einen Eingriff von rund 5500 Euro könne zu hoch angesetzt sein, meint die Autorin der Studie, Eva Maria Bitzer. Zwar bekommen die Kliniken für eine Bypass-OP 20 000 Euro, trotzdem argwöhnt Barmer-Vize Schlenker: „Es kann sein, dass den Preis die Menge macht.“ Seine Forderung an die Politik: „Man muss gegensteuern.“ Die Verbraucherzentralen stimmen in die Kritik mit ein: „Es gibt finanzielle Interessen der Krankenhäuser, die für planbare, große Eingriffe wirken“, sagt die Gesundheitsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ilona Köster-Steinebach. Mögliche Alternativen könnten Medikamente sein, aber auch mehr Bewegung, Gewichtsverminderung und Physiotherapie.

Wie reagiert die Politik? Verärgert – über die Parteigrenzen hinweg. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn etwa meint: „Die Frage muss erlaubt sein, ob alle Eingriffe medizinisch begründet sind.“ Es verbiete sich, mit teuren Operationen die eigenen Klinikfinanzen zu sanieren. Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Harald Weinberg, kritisierte, die Patienten müssten sich „überflüssigen oder medizinisch nicht notwendigen Eingriffen am Herzen unterziehen, um den Krankenhäusern ein finanzielles Überleben zu ermöglichen“.

Was sagen die Kliniken? Sie fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und poltern zurück. Die steigende Zahl der Herzoperationen sei ein Beweis für „die hohe Leistungsfähigkeit“ der Kliniken. „Die Krankenkassen sollten aufhören, steigenden medizinischen Behandlungsbedarf in den Verdacht nicht notwendiger Leistungen zu rücken“, findet Georg Baum, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

M. Kniepkamp

So erkennen Sie einen Herzinfarkt

Eine Herzerkrankung macht sich oft erst bemerkbar, wenn es schon fast zu spät ist: Die Warnsignale bei verengten Herzkranzgefäßen sind Schmerzen in der Brustmitte rund um das Brustbein, die in den Oberkörper ausstrahlen. Prof. Dietrich Andresen von der Deutschen Herzstiftung beschreibt sie als „flächenartig, drückend und brennend“ und verbunden mit einem Engegefühl in der Brust. Die Annahme, dass die Schmerzen bei einem Herzinfarkt immer in den linken Arm ausstrahlen, sei allerdings falsch. „Das kann, muss aber nicht sein“, sagte der Kardiologie von der Evangelischen Elisabeth-Klinik Berlin. Begleitend hätten Herzinfarkt-Patienten oft Schweißausbrüche, ihnen werde übel und sie müssten sich übergeben.

Wer die Anzeichen eines Infarkts bemerkt, sollte umgehend den Notarzt rufen, denn es besteht Lebensgefahr. Es bleiben etwa sechs Stunden Zeit, um das verstopfte Herzkranzgefäß wieder durchlässig zu machen, zum Beispiel durch den Einsatz eines Stents. Eine zweite Form der koronaren Herzkrankheit spüren Betroffene bei körperlicher Belastung: „Bei einer Angina pectoris verengen sich die Herzkranzgefäße immer mehr, sind aber noch offen“, erklärt Andresen. Bleibt der Betroffenen stehen, verschwinden die Schmerzen wieder.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Ständig Migräne? So beugen Sie den Attacken endlich vor
Leiden Sie auch an Migräne-Attacken? Ob Wetter, zu viel Alkohol oder Stress – es gibt viele Faktoren, die sie auslösen. Doch mit diesen Tipps bleiben Sie ruhig.
Ständig Migräne? So beugen Sie den Attacken endlich vor
Ekelhaft: Raten Sie mal, was sich diese Frau ins Gesicht schmiert
Sie ist jung, hübsch und Beauty-Bloggerin: Doch Tracy Kiss hat mit Rosazea zu kämpfen. Ihr Wundermittel dagegen ist alles andere als gewöhnlich.
Ekelhaft: Raten Sie mal, was sich diese Frau ins Gesicht schmiert

Kommentare