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Die Skandale in der Transplantationsmedizin wirken sich negativ auf die Spendenbereitschaft aus.

Dramatische Entwicklung

Zahl der Organspenden weiter gesunken

In Deutschland warten rund 11.000 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan. Doch die Zahl der Organspenden ist in den ersten zehn Monaten dieses Jahres auf einen neuen Tiefstand gesunken.

Von Januar bis Oktober gab es insgesamt 754 Organspender, das waren 15,5 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Zahl der gespendeten Organe sank in den ersten zehn Monaten zugleich um 11,8 Prozent auf 2647. 2012 standen im gleichen Zeitraum noch 3001 Spenderorgane für schwerkranke Patienten zur Verfügung.

An mehreren Universitätskliniken waren Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland bereits im vergangenen Jahr dramatisch ein. Der Skandal beeinträchtigte laut DSO das gesamte System der Organspende und führte zu einem erheblichen Vertrauensverlust.

Nach Auffassung der Stiftung, die die Organspenden in Deutschland koordiniert, ist die Talsohle jedoch möglicherweise durchschritten. 2013 zeichne sich wieder "eine stabilere Entwicklung" ab. Die Ergebnisse der ersten drei Quartale würden voraussichtlich "nicht mehr unterschritten".

DSO-Chef Rainer Hess verwies auf die zahlreichen nach dem Skandal ergriffenen Maßnahmen wie stärkere Kontrollen. Absolute Transparenz in den Abläufen der Organspende und eine vermehrte Aufklärung seien eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass die Menschen dem System wieder vertrauten, erklärte Hess.

Ein entscheidender Schritt dazu sei der Aufbau eines Transplantationsregisters, in dem Spender und Empfängerdaten zusammengeführt werden. Dadurch könnten die Ergebnisse der Transplantation einschließlich der Nachbehandlung und der Überlebenschance der Patienten künftig besser beurteilt werden. Zudem solle das Register bei der Beurteilung der Qualität der einzelnen Transplantationszentren helfen, betonte Hess.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation mahnte "echte Reformen" bei der Organspende an. Nur so könne das Vertrauen der Bevölkerung in die Transplantationsmedizin wiederhergestellt werden. Derzeit gebe es aber noch eine erhebliche Verunsicherung in der Ärzteschaft. Auch viele Angehörigen entschieden sich im Zweifel gegen die Organspende, erklärte Vorstandschef Eugen Brysch.

Nach der Aufdeckung des Organspendeskandals im vergangenen Sommer hatte eine unabhängige Prüfkommission alle 24 Leberprogramme an den Transplantationszentren kontrolliert. In zahlreichen Fällen wurden Krankenakten manipuliert, so dass bestimmte Patienten in der Warteliste für ein Spenderorgan nach oben rückten und bei der Organspende bevorzugt wurden. Ein ehemaliger Transplantationsmediziner aus Göttingen muss sich deshalb derzeit vor Gericht verantworten. Neben der Uniklinik Göttingen waren auch Kliniken in Leipzig, Münster und München von Manipulationen betroffen.

In Deutschland warten rund 11.000 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben im Schnitt drei Patienten, weil sie nicht rechtzeitig ein neues Organ erhalten.

AFP

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