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Die teuren Dritten

Jedes Jahr gehen in Deutschland 14 Millionen Zähne verloren. Zahnkiller Nummer eins ist die Paradontitis. Die Zahnfleischentzündung hat Karies vom ersten Platz verdrängt. Waren vor 30 Jahren bei einem durchschnittlichen Zwölfjährigen...

...noch sieben Zähne von Karies zerfressen, ist es heute – statistisch gesehen – weniger als ein Zahn. Die Menschen behalten ihre Zähne immer länger. Damit rücken andere Erkrankungen ins Zentrum: Etwa 70 Prozent der 35 bis 50-Jährigen und über 80 Prozent der Senioren haben entzündetes Zahnfleisch. „Dies stellt für die Zahnheilkunde eine große Herausforderung dar. Denn unbehandelt kann eine Paradontis den Kieferknochen befallen und zum Zahnausfall führen“, warnt Professor Reinhard Hickel, Direktor der Poliklinik für Zahn­erhaltung und Parodontologie der LMU München.

Alles rund um das Thema Zahn

Alles rund um das Thema Zahn

Welche Möglichkeiten gibt es, einen verlorenen Zahn zu ersetzen?

Wenn Zähne ausfallen, ist das für viele Menschen ein wahr gewordener Albtraum. Es gibt viele Möglichkeiten, die Lücke zu füllen. Welche am besten geeignet ist, hängt zum Beispiel davon ab, wie gesund die übrigen Zähne sind, wie groß die Lücke ist und welche Wünsche der Patient hat. Der Arzt wird mit dem Patienten das Ziel der Therapie festlegen und dann die Behandlung planen. Es gibt festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz. Festsitzend sind Brücken und Kronen. Herausnehmbare Prothesen können an Zähnen oder Implantaten befestigt werden, oder sie kleben sich am Gaumen fest. Natürlich ist es möglich, verschiedene Techniken miteinander zu kombinieren.

Was tun, wenn ein Zahn fehlt – das sind die wichtigsten Methoden

Während die meisten Zahnärzte noch zu Brücken oder Teilprothesen raten, wächst der Anteil der Patienten, die sich eine künstliche Zahnwurzel aus Titan in den Knochen schrauben lassen. Wurden im Jahr 2000 erst rund 200.000 Implantate pro Jahr gesetzt , sind es heute eine Million Implantate pro Jahr, die als Träger für Kronen, Brücken oder Prothesen eingesetzt werden

Wer trägt die Kosten?

Die Krankenkassen zahlen die Hälfte der Kosten, die bei der jeweiligen Standardbehandlung anfallen würden. Wer in seinem Bonusheft nachweisen kann, dass er in den letzten fünf bzw. zehn Jahren regelmäßig beim Zahnarzt war, bekommt statt der üblichen 50 Prozent, 60 bis 65 Prozent der Kosten erstattet. So bekommt man bei einer Einzelzahnlücke je nach Bonussituation einen Zuschuss von 291 bis 397 Euro – egal ob man sich für eine Brücke oder ein Implantat entscheidet.

Wie haltbar sind Implantate?

Noch fehlen verlässliche Studien, die die verschiedenen Techniken miteinander vergleichen. Auch gibt es kein zentrales Register, in dem alle Implantate geführt werden. An der Tübinger Uni werden die Patienten mit eingesetzten künstlichen Zahnwurzeln jedoch weiter beobachtet. Das Ergebnis: Über einen Zeitraum von acht Jahren fielen 15 Prozent der Implantate aus, wobei die neueren System bessere Erfolgsraten hatten. Die größte Gefahr bei Implantaten ist eine Infektion (siehe Interview). In Tübingen war jeder fünfte Patient betroffen, es gibt aber auch neuere Studien, die feststellen, dass gut die Hälfte der Patienten eine Entzündung bekam. Der große Vorteil bei Implantaten ist die Lebensqualität der Patienten, wie neuere Untersuchungen belegen. Wenn alles gut ausheilt, merkt der Patient keinen Unterschied zu echten Zähnen. Träger von herkömmlichen Vollprothesen, die über einen Gummigaumen in den Mund geklebt werden, sind dagegen deutlich weniger zufrieden. Das liegt auch daran, dass aufgrund des fehlenden Kaudrucks der Knochen schwindet, die Prothese locker wird, und neu angepasst werden muss.

Wie erkennt der Patient einen guten Implantologen?

 Meist wird geraten, zu einem Arzt zu gehen, der viele Implantate einsetzt, mindestens 150 sollten es im Jahr sein. Aber eine große Erfahrung garantiert nicht automatisch eine besonders gute Arbeit. Da es sich um eine Operation handelt, sollte der Zahnarzt über eine solide chirurgische Ausbildung verfügen.

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Zahnersatz: Die verschiedenen Methoden im Vergleich

Zahnersatz Kosten* Haltbarkeit Vorteile Nachteile
Kleine herkömmliche Brücke

1100 bis 2000 €

rund 90% halten noch nach 10 Jahren, nach 15 Jahren noch 72%

Unkomplizierte Routinebehandlung, optisch schöne Lösung ist möglich

Nachbarzähne müssen die Brücke halten, Verlust dieser Zähne später möglich. Kieferknochen unter der Brücke baut ab.

Klammer-

prothese

600 bis 900 €

Übergangslösung, z. B. wenn Knochen aufgebaut werden muss

Schnell und unkompliziert

Optisch meist nicht sehr befriedigend, auf Dauer lockern sich die Haltezähne und können verloren gehen.

Implantat

1 Zahn

1600 bis 3000 €

Rund 90% der Implantate wachsen ein. Davon wiederum 90% halten noch nach 10 Jahren. Auch bei Verlust ist es möglich, wieder ein neues Implantat einzusetzen, nachdem die Wunde geheilt ist.

Die Funktion des Knochens bleibt erhalten, er baut sich nicht ab. Gute Funktionalität, optisch sehr schöne Lösung, die gesunde Nachbarzähne schont. Implantat-Prothesenträger haben eine höhere Lebensqualität als Träger herkömmlicher Prothesen.

Operationen nötig, sehr hohe Infektionsgefahr des Gewebes und der Knochen. Implantate bleiben ein Fremdkörper, der künstliche Zahn wird nie ins Weichgewebe einwachsen, daher ist lebenslang eine sehr gute Mundhygiene nötig.

Brücke auf

zwei Implantaten

3700 bis 4700 €
Implantatgestützte Vollprothese 

Je nach Methode und Anzahl der nötigen Implantate: ab 11.000 €

Herkömmliche Vollprothese,
die am Gaumen festgeklebt wird.

Je Kiefer 500 bis 800 €

Je nach Pflege und Zustand des Kiefers und der Mundschleimhaut passt und hält sie viele Jahre

Keine Operation nötig. Günstige Lösung.

Um einen guten Tragekomfort zu gewährleisten, muss die Prothese sehr gut am Gaumen und den Kauflächen angepasst werden. Der Kieferknochen wird sich mit der Zeit zurückbilden, dann rutscht die Prothese, es kann zu Druckstellen und Geschwüren kommen.

* Die angegebenen Kosten sind Annäherungswerte, sie können stark schwanken, da sie vom Zustand des Gesamtgebisses abhängig sind Quelle: www.implantate.com

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