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Ein Pieks in den Oberarm: Wer vor FSME sicher sein will, lässt sich impfen. Gegen Borreliose ist das nicht möglich. Anders als FSME handelt es sich dabei um eine bakterielle Infektion, keine Virus- Erkrankung.

Steigende Temperaturen

Zecken – wieder auf der Lauer

Milder Winter – viele Zecken? Keine Sorge, mehr als sonst sind es auch heuer nicht. Doch: Gefährlich bleiben die Spinnentiere allemal. Worauf Sie besonders achten sollten, das erklärt Dr. Markus Frühwein, Allgemeinmediziner aus München. Fragen und Antworten im Überblick.

„Ixodes Ricinus“, der „Gemeine Holzbock“, ist erwacht. Wochenlang hat er in einer Winterstarre verbracht. Doch jetzt wird er aktiv. Der „Gemeine Holzbock“ ist die häufigste Zeckenart in Deutschland. Nun, wo die Temperaturen steigen, machen sich die Spinnentiere auf die Suche nach einem Wirt – sie brauchen Blut zum Überleben. Obwohl sie nichts sehen können, wissen sie genau, wohin sie müssen: Ein kompliziertes System von Rezeptoren an ihren Vorderbeinen weist ihnen den Weg zu Körperstellen, an denen die Haut besonders dünn ist – und wo es feucht und warm ist. Also in der Leistengegend, in den Kniekehlen und Achseln sowie am Haaransatz. Dort saugen sie sich dann fest. Bleiben sie tagelang unentdeckt, können die Zecken sogar das bis zu 200-fache ihres Körpergewichts zulegen – und uns Menschen gefährlich werden. Nachfolgend die wichtigsten Fakten.

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

Die zwei Haupterkrankungen, die nach einem Zeckenstich auftreten können, sind Borreliose und auch Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Wegen des Zika-Virus’ müsse man sich – bei Zecken – „überhaupt keine Sorgen“ machen, sagt Dr. Markus Frühwein. Der Münchner Allgemeinmediziner leitet zusammen mit seinem Vater, Dr. Nikolaus Frühwein, eine Gemeinschaftspraxis, die sich auf Vorsorge- und Tropenmedizin spezialisiert hat. Das Zika-Virus, das vor allem in Süd- und Mittelamerika verbreitet ist, wird von der Aedes-Mücke übertragen. „Eine Zecke ist aber ein ganz anderer Krankheitsüberträger. Hinweise auf Infektionen gibt es hier nicht“, erklärt Experte Frühwein. Dafür können Zeckenstiche eine sogenannte Anaplasmose auslösen – die kommt allerdings bei Haustieren häufiger vor, Menschen sind extrem selten betroffen.

Wie erkennt man eine Borreliose?

Hat eine Zecke gestochen, erkennt man eine bakterielle Infektion mit Borrelien häufig an einer Hautrötung, der sogenannten Erythema migrans: „Das ist eine ringförmige Rötung, die sich über den ganzen Körper ausdehnen kann. Direkt an der Einstichstelle aber ist sie abgeblasst“, sagt Frühwein. Er rät deswegen, die Einstichstelle auch immer zu markieren, um den Verlauf der Rötung besser beobachten zu können. Tritt eine solche auf, dann sollte man sofort den Hausarzt aufsuchen. Das gilt auch bei der sogenannten Neuroborreliose. Das ist eine andere Erscheinungsform der Borrelien-Erkrankung, bei der die Erreger das zentrale Nervensystem befallen. „Sie kann im akuten Zustand das Sprechen und Hören beeinträchtigen oder auch zu einer Herzmuskelentzündung mit Rhythmusstörungen führen,“ erklärt Frühwein. Anders verhält es sich bei möglichen Spätstadien der Borreliose (siehe Kasten).

Wie sieht die Therapie aus?

Tauchen die oben beschriebenen Symptome auf, verabreicht der Hausarzt Antibiotika („Doxycyclin“), das zwei bis vier Wochen lang eingenommen werden muss. „Je früher man mit der Therapie beginnt, desto besser“, sagt Frühwein: So könnten gefährliche Spätstadien der Borreliose vermieden werden. Im Übrigen macht auch eine Blutuntersuchung oft keinen Sinn, da es mehrere Wochen dauert, bis das menschliche Immunsystem Antikörper gegen besagte Bakterien bildet. Doch selbst nach einer Therapie kann ein weiterer Zeckenstich erneut zu Borreliose führen, denn gegen ihre Erreger gibt es keinen wirksamen Schutz.

Wie äußert sich FSME?

Die gute Nachricht zuerst: Im Gegensatz zur Borreliose kann man sich gegen die FSME-Erreger immunisieren lassen – und ist dann geschützt. Nun die schlechte: Die Infektion mit diesen sogenannten Flaviviren erfolgt unmittelbar, sofort beim Zeckenstich. Etwa 30 Prozent der Infizierten zeigen gleich Symptome einer FSME-Erkrankung, die wiederum in zwei Phasen abläuft: Zu Beginn der Erkrankung hat der Patient häufig Fieber und typische Symptome einer leichten Grippe, wie Gelenk- und Gliederschmerzen. Während es nach wenigen Tagen dann zu einer deutlichen Besserung kommt, beginne die zweite Phase mit starkem Fieber und neurologischen Symptomen: „Man erkennt eine FSME-Erkrankung oft daran, dass die Leute schon einmal Fieber hatten, es ihnen danach besser ging, sie dann aber erneut auffiebern“, erklärt Experte Frühwein. Das Virus befällt dann die Hirnhäute (Meningitis) oder das Gehirn (Enzephalitis), seltener betroffen ist das Rückenmark (Myelitis). Das Problem: Eine FSME-Erkrankung selbst ist nicht therapierbar. „Es verhält sich wie bei einer Grippe“, sagt Frühwein. „Wir können nur die Symptome behandeln, also Fieber senken, Schmerzmittel geben, den Patienten auch notfalls auf die Intensivstation bringen.“

Wer sollte sich impfen lassen?

„Jeder, der das Stadtgebiet von München verlässt und zum Starnberger See fährt, befindet sich eigentlich schon im FSME-Risikogebiet“, warnt Frühwein. Wer also auf Nummer sicher gehen will, lässt sich gegen FSME impfen – und zwar alle drei bis fünf Jahre. „Wir haben jedes Jahr immer noch zwischen 200 und 400 Erkrankungsfälle, das könnten wir durch eine höhere Durchimpfungsrate verhindern“, sagt Frühwein. Zumal die Impfung „wahnsinnig gut verträglich“ sei, es gebe sogar „eine eigene Impfung für Kinder“. Auch Säuglinge, deren Mütter sich vor der Schwangerschaft impfen ließen, seien in den ersten Lebensmonaten gegen das teils lebensbedrohliche Virus geschützt: Die von der Mutter gebildeten Antikörper werden auf das Kind übertragen. Ist jemand bereits infiziert, ist eine sogenannte Nachimpfung zwar möglich – sie kann aber höchstens die Ausbreitung des Erregers eindämmen. Denn: „Ganz bewiesen ist diese Wirksamkeit nicht“, sagt Frühwein.

Von Christian Dengg

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