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Für den Urlaub mit Wohlfühlgarantie

Zehn Last-Minute-Tipps für eine gesunde Reise

Die eigene Gesundheit wird als selbstverständlich vorausgesetzt. 40 Prozent aller Fernreisenden starten völlig unvorbereitet, so eine Studie der Weltgesundheitsorganisation.

Egal ob Sommer, Sonne und Faulenzen, Abenteuer oder Sportkurs – schon ­Wochen vorher ist die Freude über den bevorstehenden Urlaub groß. Meist ist man noch sehr beschäftigt damit, alles zu organisieren: Wer gießt die Blumen und füttert das Haustier? Die Zeitung muss abbestellt werden. Die eigene Gesundheit wird als selbstverständlich vorausgesetzt. 40 Prozent aller Fernreisenden starten völlig unvorbereitet, so eine Studie der Weltgesundheitsorganisation. Doch eine gesunde Reise kann man auch noch auf den letzten Drücker organisieren. Die tz hat zehn Last-Minute-Tipps für einen Urlaub mit Wohlfühlgarantie zusammengestellt.

Vertretung im Büro organisieren

Für Thomas Rigotti, Organisationspsychologe an der Uni Leipzig, ist es besonders wichtig, dass kein Ballast in Form von unerledigten Aufgaben mitgenommen wird: „Diese Dinge bleiben uns im Gedächtnis.“ Der Erholungsfaktor sinkt, das Risiko für Krankheiten wie Depressionen steigt nachweislich an. Der Tipp des Professors: Für anfallenden Aufgaben während der Urlaubszeit eine Vertretung organisieren und die Übergabe nicht am letzten Tag machen. Wer ständig für den Chef erreichbar sein muss, kann sich schlechter erholen – Handy und E-Mail ausschalten oder zumindest feste Kontaktzeiten vereinbaren.

Impfungen auffrischen

Wer in ein exotisches Reiseland fährt, muss sich Monate vorher über erforderliche Impfungen informieren. Die Apothekerin Ulrike Mehrlich von der Ahorn-Apotheke (FFB) rät jedoch: „Meine Kunden frage ich immer, ob sie die üblichen Impfungen haben. Denn Auffrischungsimpfungen z. B. von Tetanus und Diphterie sind jederzeit möglich.“ Reisenden nach England wird aktuell geraten, ihre Masernimpfung zu überprüfen, weil auf der Insel einige Masernausbrüche registriert wurden.

Medikamente vom Arzt bescheinigen lassen

Damit es beim Sicherheitscheck und beim Zoll keine Probleme mit größeren Mengen Medikamenten oder Spritzen gibt, brauchen Reisende eine Bescheinigung ihres Arztes, dass es sich um persönlich benötigte Arzneimittel handelt. Die Apothekerin Ulrike Mehrlich warnt, dass bei Opiaten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, die Regelungen noch strenger sind. Bei Reisen in die Schengen-Mitgliedsstaaten muss die ärztliche Bescheinigung von der zuständigen Landesgesundheitsbehörde beglaubigt sein. Darauf weist das Bundesinstitut für Arzneinmittel hin. Die Menge darf den Bedarf für 30 Tage nicht überschreiten. Liegt das Reisziel außerhalb des Schengen-Raums, sollten die Unterlagen mehrsprachig sein. Es muss die tägliche Dosis aufgeführt sein sowie die genaue Reiseroute.

Wichtige Mittel ins Handgepäck

Wer chronisch krank ist, muss zwangsläufig besser planen und wird sich mit seinem Arzt beraten und z. B. überlegen, wie man die benötigten Medikamente während der Autofahrt und am Urlaubsort kühl lagert. Bei Flugreisen rät die Apothekerin Ulrike Mehrlich ihren Kunden, einen Teil der Arznei im Handgepäck mitzunehmen, falls der Koffer verloren geht. Die Lufthansa empfiehlt ihren Kunden sogar, doppelt so viel wie benötigt einzupacken – Flüge können umgeleitet werden oder sich verspäten. Flüssigkeiten, dazu gehört auch das Nasenspray gegen Ohrendrücken im Flieger, müssen in einen kleinen wiederverschließbaren durchsichtigen Plastikbeuteln verstaut werden.

Notfallset packen

Bei Reisen innerhalb von Europa ist es jederzeit möglich, übliche Medikamente wie Kopfschmerztabletten oder Halswehpastillen zu kaufen. In exotischeren Ländern sollte man darauf achten, dass Arzneipackungen unversehrt, Tuben und Cremedosen versiegelt sind. Ein Notfallset jedoch hat in jeder Tasche Platz. Die Apothekerin Ulrike Mehrlich von der Ahorn-Apotheke in Fürstenfeldbruck rät, immer Pflaster- und Verbandsmaterial, etwas zum Desinfizieren, Sonnenschutzcreme, Mittel gegen Mücken und eine Creme zur Versorgung bei Sonnenbrand und Insektenstichen dabeizuhaben. Auch eine Pinzette sollte nicht fehlen. Ansonsten kommt es auf persönliche Bedürfnisse an. Mehrlich: „Wer verreist? Sind Kinder oder ältere Menschen dabei? Was ist das Reiseziel? Das sind die Fragen, die wichtig sind für die Auswahl der richtigen Präparate. Da sollte sich jeder in seiner Apotheke beraten lassen.“ Das geht ja auch noch am Tag vor der Abfahrt!

Sich vor Mücken schützen

Ein weiteres Problem, mit dem Urlauber oft zu kämpfen haben, sind Mücken. Sie können je nach Reiseregion Infektionskrankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen. Guter Schutz vor Stichen durch körperbedeckende Kleidung, den Gebrauch von Mückenschutzmitteln und Moskitonetzen ist unerlässlich. Gegen das Dengue-Fieber, das sich durch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar macht, gibt es keine Impfung. Gegen Malaria kann man sich zwar vorbeugend mit Medikamenten schützen. Da die Nebenwirkungen aber so gravierend sein können, wird die sogenannte Chemoprophylaxe nur für Hochrisikogebiete empfohlen. Ansonsten reicht es, für den Notfall ein Antimalariamittel im Gepäck zu haben.

Den Venen zuliebe die Beine vertreten

Lange Auto- und Flugreisen sind für Menschen mit Venenerkrankungen nicht ungefährlich. Stundenlanges Sitzen kann den Blutfluss in den Venen so beeinträchtigen, dass sich Gerinnsel bilden, die auch größere Adern ganz verschließen können. Betroffenen wird geraten, Stützstrümpfe oder medizinische Thrombose-Prophylaxe-Strümpfe tragen. Die Strümpfe sollten schon zwei Stunden vor Flugbeginn angezogen werden. Für Menschen, die venengesund sind, reicht es, wenn sie sich ab und zu bewegen: Gymnastikübungen fürs Sitzen liegen meist im Flugzeug aus, auch einfach mal aufstehen und ein wenig gehen, senkt das Thrombose-Risiko. Bei Autofahrten sollte bei Pausen einige Minuten stramm marschiert werden, das sieht vielleicht etwas albern aus, macht aber fit für die Weiterreise.

Aktiv sein

Wer im Urlaub nur auf der faulen Haut liegt, ist hinterher weniger erholt als jemand, der in den Ferien körperlich aktiv war. Darauf weist Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln hin: „Nach einem erholsamen, aktiven Urlaub hat man bis zu zehn Wochen lang nachweisbar weniger Stresshormone im Körper. Auch das Immun­system wird gestärkt und ist dann widerstandsfähiger gegen Bakterien und Viren im Alltag.“

Ruhe für die Ohren

Gegen vielerlei Lärmbelastungen am Urlaubsort oder zur Erleichterung des Einschlafens im Flugzeug, Zug oder Reisebus empfehlen sich Ohrstöpsel, die den Geräuschpegel bis zu 30 Dezibel absenken. Sie sollten im Handgepäck nicht fehlen. Darauf weist die Fördergemeinschaft Gutes Hören hin und erinnert alle Hörsystemträger daran, ihre Geräte vor dem Urlaub überprüfen zu lassen.

Hygieneregeln befolgen

Besonders wer in Regionen reist, in denen das Gefälle zwischen Arm und Reich sehr groß ist, muss sich bewusst machen, dass dort die Gesundheitsrisiken höher sind. Das gilt besonders im Hinblick auf das Essen. Verunreinigte Nahrung oder schmutziges Wasser sind bei Urlaubern häufig Auslöser von Durchfall. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf empfiehlt daher die altbekannte Regel: „Koch es, schäl es oder vergiss es.“ Soll heißen: Nur gut durchgegarte Speisen, abgepackte Getränke oder Obst, dessen Schale man selbst vor dem Verzehr entfernt, sind sicher. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Elke Arms erinnert daran, dass Durchfall „ein Alarmsignal des Körpers ist“. Wer kein Durchfallmittel im Koffer hat und vor Ort keins bekommt, kann auf eine WHO-Regel zurückgreifen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt zur Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit und Mineralien eine Lösung aus acht Teelöffeln Zucker, einem knappen Teelöffel Salz und einem halben Teelöffel Backpulver, das in einem Liter frisch abgekochtem Wasser aufgelöst wird. Die Mischung muss in einem verschlossenen Gefäß abkühlen und kann dann vom Erkrankten getrunken werden.

sus

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