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Kindern ist oft nicht klar, ob etwa Musik im Netz urheberrechtlich geschützt ist - Erwachsene sollten sie daher darüber aufklären. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn

BGH-Urteil

Illegaler Upload: Eltern müssen Kind verraten - oder zahlen

Eine Familie, drei volljährige Kinder. Eines von ihnen lädt Musik in eine Tauschbörse hoch. Müssen die Eltern den Namen verraten? Nicht unbedingt, sagt der BGH. Damit stehen sie aber selbst als Täter da.

Karlsruhe (dpa) - Wenn Eltern ihre volljährigen Kinder bei Urheberrechts-Verletzungen im Internet decken, können sie selbst dafür belangt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden.

Eltern ist es grundsätzlich zumutbar, Kinder in dem Alter für eine illegale Nutzung von Tauschbörsen über das Familien-WLAN anzuschwärzen, urteilte der BGH. Dazu seien sie zwar nicht verpflichtet. Geben sie in einem Schadenersatz-Prozess den Namen nicht preis, kann das aber dazu führen, dass sie als Anschlussinhaber selbst für die verletzten Urheberrechte geradestehen müssen.

Ein Elternpaar aus München ist damit rechtskräftig dazu verurteilt, mehr als 3500 Euro Schadenersatz und Abmahnkosten zu zahlen. Eines seiner drei volljährigen Kinder hatte unerlaubterweise ein Musikalbum in eine Tauschbörse hochgeladen. Die Eltern wissen, wer es war, behalten den Namen aber für sich. (Az. I ZR 19/16)

Die Richter hatten abzuwägen, was hier Vorrang hat: die Rechte der Plattenfirma an ihrem geistigen Eigentum oder der im Grundgesetz verankerte Schutz von Ehe und Familie. Erst vor einem halben Jahr hatte der Senat klargestellt, dass die Nachforschungspflichten im Privaten ihre Grenzen haben. So muss niemand das Surfverhalten seines Partners dokumentieren oder dessen Computer auf Software untersuchen.

"Damit ist der vorliegende Fall aber nicht vergleichbar", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Büscher. Das Kind habe alles zugegeben. Es stehe den Eltern frei, den Namen zu nennen, um sich zu entlasten. Tun sie das nicht, müssten sie "die entsprechenden Nachteile tragen".

Hintergrund ist, dass geschädigte Unternehmen zwar über die IP-Adresse herausfinden können, von welchem Internetanschluss aus eine Datei zum Tausch angeboten wurde. Wohnen dort mehrere Leute, ist damit aber noch nicht der Täter gefunden. Abgemahnt wird immer der Anschlussinhaber. Will dieser seine Unschuld beweisen, muss er in gewissem Umfang erklären, wer sonst als Täter infrage kommt.

In der Verhandlung hatte BGH-Anwalt Herbert Geisler aufseiten der Eltern davor gewarnt, die ganze Familie in "Sippenhaft" zu nehmen. Es sei niemandem zuzumuten, seine Kinder "ans Messer zu liefern". BGH-Anwalt Christian Rohnke hielt für das Label dagegen, dass Tausende Urheberrechtsverstöße anders nicht geahndet werden könnten. Das gefährde die betroffenen Unternehmen in ihrer Existenz.

BGH-Mitteilung zu dem Urteil

Urteil des OLG München vom 14. Januar 2016

Urteil des LG München I vom 1. Juli 2015

"iRights"-Artikel über die Rechtslage bei der WLAN-Haftung

"iRights"-Artikel über Tauschbörsen und Abmahnungen

BGH-Urteil zur Haftung für den Ehepartner, 06.10.2016

BGH-Mitteilung zu Tauschbörsen-Urteilen, 12.05.2016

Schau hin: Kinder und Urheberrechte

Mediennutzungsvertrag

Haftungsregelungen für Eltern

Verbraucherzentrale zu Haftungsregelungen

iRights zum Streamen von Filmen im Internet

Urheberrechte im Internet

Klicksafe zum Urheberrecht

Kindern das Urheberrecht erklären

Viele Kinder und Jugendliche bewegen sich im Internet, ohne auf Urheberrechte zu achten. Da Eltern mitunter für ihre Kinder haften, sollten sie die Minderjährigen auch über rechtliche Themen aufklären. Das rät Mediencoach Kristin Langer von der Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht". "Man kann so einen abstrakten Begriff wie Urheberrecht altersgerecht mit Beispielen aus der Lebenswelt der Kinder erklären." Das geht etwa so: "Wie würde es dir gefallen, wenn jemand immer deine Hausaufgaben abschreiben oder mit deiner Musik Geld verdienen würde?"

Wer sich selbst nicht mit dem Thema auskennt, sollte sich gemeinsam mit seinem Kind darüber im Internet informieren, empfiehlt der Mediencoach. So entstehe ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe, in dem sich Kinder und Jugendliche ernst genommen fühlen.

Ratsam sei auch, mit den Minderjährigen eine Verhaltens-Vereinbarung für das Internet abzuschließen - zum Beispiel einen sogenannten Mediennutzungsvertrag. Eine Vorlage gibt es auf der Seite Mediennutzungsvertrag.de. Darin legen Eltern und Kinder Regeln für den Umgang mit Medien fest.

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