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Fast jeder Dritte hat der Bitcom-Umfrage zufolge schon mindestens einmal mit dem Handy oder einer Computeruhr bezahlt. Foto: Lino Mirgeler

Bitcom-Umfrage

Jeder Dritte zahlt schon mit seinem Handy

In deutschen Supermärkten klingelt weniger Kleingeld in den Kassen - doch so richtig trauen sich die Verbraucher noch nicht an neue Bezahlmethoden ran. Sie fürchten um ihre Daten. Zu recht?

Berlin (dpa) - Hat das Portemonnaie bald ausgedient? In Ländern wie Dänemark und China zücken viele Leute beim Einkaufen schon längst keine Geldbörse mehr. Bezahlt wird mit Karte - oder mit dem Handy. Auch in Deutschland kann man in immer mehr Läden das Smartphone an die Kasse halten.

Doch nicht einmal jeder Dritte hat das einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge schon probiert. Dass Deutschland im internationalen Vergleich hinterher hinkt, liegt an Sensibilität für Datensicherheit - doch nicht nur.

Wo und wie kann man mit dem Handy bezahlen?

Etwa 600.000 von rund einer Million Kassenterminals im deutschen Einzelhandel haben schon die technischen Voraussetzungen für mobiles Bezahlen - das zeigt eine Untersuchung im Auftrag des Verbraucherministeriums. Im Grunde kann man überall dort mit dem Handy oder bestimmten Computeruhren bezahlen, wo auch kontaktloses Bezahlen mit der Bankkarte geht - man braucht nur eine geeignete Kredit- oder Girocard hinterlegen. Dann hält man das Gerät einfach an das Terminal, genau wie sonst die Karte. Apps gibt es derzeit vor allem von den Technologieriesen Google und Apple sowie von mehreren deutschen Banken. Nicht alle Bankkunden können die Dienste nutzen.

Welche Vorteile habe ich als Verbraucher?

Mobiles Bezahlen "spart Verbrauchern Zeit und reduziert lange Schlangen an Kassen oder Fahrkartenautomaten", wirbt Bitkom-Präsident Achim Berg. Das Kramen nach passendem Kleingeld entfällt genauso wie das Rausgeben von Wechselgeld - einpacken muss man seine Einkäufe aber natürlich trotzdem noch. Einige Anbieter von mobilen Bezahlmethoden versprechen auch Rabatte. Bitkom sieht auch Vorteile für Einzelhändler: weniger Ausgaben für Verwaltung und den Transport von Bargeld. Außerdem würden Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit erschwert, weil sich Zahlungsströme besser nachvollziehen ließen.

Was sind die Risiken?

Die meisten Deutschen kennen mobile Bezahlmethoden - doch mehr als jeder Vierte fürchtet um die Sicherheit seiner Daten. Tatsächlich könnten Anbieter theoretisch nachvollziehen, wo und was eingekauft wurde. Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) ruft die Anbieter auf, Datenschutz ernst zu nehmen - auch zum eigenen Vorteil: "Verbraucherinnen und Verbraucher werden neue Bezahlmethoden erst akzeptieren, wenn sie ihnen vertrauen und das Bezahlen damit gleichzeitig unkompliziert möglich ist", sagt sie. Schlechte Erfahrungen sind laut Bitkom allerdings bisher nicht bekannt. Berg sagt sogar: "Ich kann Ihnen garantieren: die Mobile-Payment-Funktion ist mindestens so sicher wie eine Kreditkarte."

Welche Daten werden beim Bezahlen übertragen?

Bei Apple und Google Pay wird nicht die eigentliche Kreditkartennummer auf dem Handy gespeichert, sondern eine verschlüsselte Identifikationsnummer ("Token"). Der Händler erhält beim Kauf nur eine einmalig generierte Transaktionsinformation. Apple betont, Daten wie der Preis oder der gekaufte Gegenstand würden nicht gespeichert. "Was wir nicht wissen, kann auch niemand bei uns abgreifen", sagt Apple-Managerin Jennifer Bailey. Auch Google - als Datenkrake verschrien - betont die Sicherheit. Bestimmte Daten werden hier allerdings gesammelt - dürfen aber nicht zu Werbezwecken genutzt oder weiter verkauft werden.

Wie kommt das mobile Bezahlen in Deutschland an?

Bisher nur zögerlich - aber die Nutzung nimmt zu. Einer Bitkom-Umfrage zufolge haben 30 Prozent der Verbraucher schon mindestens einmal mit Handy oder Computeruhr bezahlt. 70 Prozent machen das nicht - vor allem wegen Sicherheitsbedenken und weil es ihnen zu kompliziert ist. International ist Deutschland damit beim mobilen Bezahlen noch Entwicklungsland.

Warum wird es in anderen Ländern besser akzeptiert?

Nicht überall steht Datensicherheit so im Fokus der öffentlichen Debatte wie in Deutschland. Am häufigsten zücken die Chinesen das Handy zum Bezahlen und machen sich dabei fast zum gläsernen Menschen, auch weil das rechtliche System in China die Verbraucher nicht schützt. In Europa mit seinen strengen Datenschutzbestimmungen ist mobiles Zahlen in Dänemark und Schweden weit verbreitet - unter anderem, weil das Vertrauen in den Staat hier größer ist als in Deutschland. Schon seit Jahren gibt es viel genutzte Apps, mit denen man nicht nur im Supermarkt, sondern auch am Flohmarkt-Stand zahlen kann. Dass Bezahlen mit dem Handy in Ländern wie Kenia und Indien so verbreitet ist, liegt auch an einem schlechteren Netz von Geldautomaten und daran, dass Kartenzahlung nicht so weit verbreitet ist, wie in Deutschland. Hier funktioniert das Ganze sogar ohne Bank oder Konto, sondern einfach per Telefonnummer und SMS.

Müssen Verbraucher fürchten, irgendwann überhaupt nicht mehr bar zahlen zu können?

Bisher nicht. Zwar geht fast jeder Zweite davon aus, dass Bargeld in fünf bis zehn Jahren nicht mehr das dominante Zahlungsmittel in Deutschland sein wird. 44 Prozent können sich inzwischen auch vorstellen, komplett auf Scheine und Münzen zu verzichten. Doch Barley macht auch klar: "Es ist unsere Aufgabe zu gewährleisten, dass man immer auch die Möglichkeit hat, nicht digital zu zahlen." Niemand dürfe gezwungen werden, Datenspuren zu hinterlassen, wo es nicht unbedingt nötig sei.

Mitteilung Bitkom

Studie Bundesbank zum Zahlungsverhalten

Studie Emarketer

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