Anfang Mai begannen die Abiturprüfungen in Bayern.

Interview

Abitur – und was dann?

Anfang Mai begannen die Abiturprüfungen in Bayern - wir sprachen mit Christof Prechtl, dem Bildungsexperten der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, über Aufgaben und Bundeslandübergreifende Prüfungen.

Anfang Mai begannen die Abiturprüfungen in Bayern – und es ging gleich richtig gut los: Die 39 000 Abiturienten schrieben bayernweit gleichzeitig ihre schriftlichen Prüfungen im Fach Deutsch. Am 5. Mai folgte das dritte schriftliche Abiturprüfungsfach, meist in einer Fremdsprache oder einem gesellschafts- oder naturwissenschaftlichen Fach. Am 8. Mai folgte Mathematik, im Zeitraum 18./22. Mai und 8./12. Juni stehen mündliche Kolloquiumsprüfungen an. Auch in diesem Jahr gibt es Aufgaben, die mit Prüfungsteilen in anderen Bundesländern identisch sind. Zum Auftakt des Abiturs sprachen wir mit Christof Prechtl, dem Bildungsexperten der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft.

Herr Prechtl, was sind die Anforderungen an Abiturienten aus Sicht der Wirtschaft?

Grundlegend sind breite Fachkenntnisse in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen. Das sind Basiskompetenzen. Wichtig sind aber auch Aspekte wie Persönlichkeitsbildung, Medienkompetenz und generell eine gute Motivation.

Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht fundierte Kenntnisse in Mathematik oder Deutsch?

Wenn jemand Ingenieurwesen studieren will oder Chemie, dann sollte er in Mathematik natürlich tiefere Kenntnisse haben. Das ist für manche Studienfächer eine wesentliche Grundlage. Mathematik ist aber auch für andere Fächer wichtig. Viele Studenten beispielsweise der Betriebswirtschaft unterschätzen das. Darüber hinaus gilt: Eine gute Ausdrucksfähigkeit in mündlicher und schriftlicher Form ist generell eine gute Basis für die weitere Ausbildung.

Gibt es Möglichkeiten, nach dem Abitur und vor Beginn des Studiums im Wintersemester hier etwas nachzuholen, durch Ferienkurse zum Beispiel?

Ja, die gibt es. An Universitäten gibt es Vorkurse zu vielen Fächern schon vor dem Studium. Wichtig ist, sich selbst zu prüfen und diese Angebote breit zu nutzen. Auch beim Lernen von Fremdsprachen gibt es viele Optionen, bis hin zum Auslandsaufenthalt.

Zwei Stichwörter fallen immer wieder: Medienkompetenz und digitale Kompetenz. Was verstehen Sie darunter?

Hinter digitaler Kompetenz steckt mehr als die Frage, wie gut ich mein Smartphone beherrsche. Von Abiturienten erwartet man zweierlei: Erstens die Kompetenz, die Chancen der digitalen Medien zu nutzen, wie beispielsweise beim Sprachenlernen. Zweitens geht es aber auch um eine kritische Reflexion des Mediums. Damit meine ich, Informationen zu hinterfragen oder Hintergründe selbst zu recherchieren.

Die Zahl der Studienabbrecher ist anhaltend hoch. Was kann man dagegen tun?

Die Gymnasiasten sollten sich ab der 11. Klasse drei Fragen stellen: Was kann ich? Was will ich? Welche Optionen gibt es? Wer in der Studienfachwahl unsicher ist, hat die Möglichkeit, vor Ort zu gehen, in das Fach reinzuschnuppern und mit Studenten zu sprechen, die das Fach studieren. Das Informationsangebot zur Studienwahl ist heute so groß wie nie. Ich empfehle, diese Angebote wahrzunehmen.

Aber nicht jeder muss zur Uni.

Das ist richtig. Abiturienten haben zwei Entwicklungsmöglichkeiten – neben Studium nämlich auch die betriebliche Ausbildung. Beide Wege dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Auch nach einer Ausbildung gibt es die Möglichkeit zur Weiterentwicklung im Betrieb oder extern an einer Hochschule. Dass es heute schon geübte Praxis ist, sieht man gut daran, dass der Anteil der Abiturienten in manchen Ausbildungsberufen bei bis zu 30 Prozent liegt. Beide Wege sind sehr gute Qualifikationsoptionen. Das wird einer der Punkte sein, die ich nächste Woche näher ausführen werde.

Interview: Dirk Walter

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