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Damit Rente nicht Verzicht bedeutet, kann man Abschläge durch eine Ausgleichszahlung vermeiden. 

Serie zur Rente

Vorzeitig in Rente: Abschläge lassen sich ausgleichen

Wer keine 45 Beitragsjahre hat und vorzeitig in Rente geht, muss im Normalfall Abschläge hinnehmen. Man kann sich davon jedoch freikaufen. Das kostet viel Geld, lohnt sich aber.

In der jetzigen Niedrigzinsphase glänzt die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Bei der Rendite schlägt sie die privaten Rentenanbieter um Längen. Es lohnt sich daher, zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Selbstständige können meist freiwillig Beiträge aufbringen. Arbeitnehmer, die pflichtversichert sind, dürfen das in der Regel nicht. Sie können aber mögliche Rentenabschläge abkaufen – und sich so mehr Rente sichern oder früher abschlagsfrei in Rente gehen.

Ausgleichszahlung gegen den Abschlag

Günter R. ist jetzt 63 Jahre alt. Mit 65 Jahren und sieben Monaten könnte er abschlagsfrei in die reguläre Altersrente gehen. 1500 Euro wird er dann monatlich bekommen. Das hat ihm die gesetzliche Rentenversicherung ausgerechnet. Doch der Angestellte will schon zum 1. Oktober dieses Jahres aus dem Job aussteigen. Dann ist er 63 Jahre und sieben Monate alt und müsste – als „Strafe“ für den vorzeitigen Renteneintritt mit 7,2 Prozent Rentenabschlägen rechnen (0,3 Prozent für jeden vorzeitigen Renten-Monat). Nach heutigem Stand bekäme er deshalb etwa 108 Euro weniger im Monat.

Doch das muss nicht sein. Denn Versicherte können der DRV die Abschläge durch einen Ausgleichsbeitrag ganz oder teilweise abkaufen. Festgelegt ist das in Paragraf 187a Sozialgesetzbuch VI. Der Abkauf ist zwar nicht billig, doch er lohnt sich.

Rentenauskunft beantragen

So geht’s: Um die Abschläge ausgleichen zu können, müssen Versicherte der Deutschen Rentenversicherung gegenüber erklären, dass sie eine vorzeitige Rente beanspruchen möchten. Die DRV erstellt dann eine Rentenauskunft, aus der die voraussichtliche Minderung der Altersrente zu entnehmen ist. Frühestens geschieht dies derzeit laut DRV mit 55 Jahren.

Doch „wenn ein berechtigtes Interesse besteht, kann eine solche Auskunft auch schon jüngeren Versicherten erteilt werden“, so der Pressesprecher der DRV Bund Dirk von der Heide. Höhe: Um den lebenslangen Abschlag von 108 Euro zu vermeiden, müsste Günter R. 25 920 Euro an die Rentenkasse zahlen. 82 Prozent dieses Betrags kann er von der Steuer absetzen.

Das sind 21 254 Euro. Das bringt dem derzeit gut verdienenden Angestellten eine Steuerersparnis von rund 4000 Euro. Unterm Strich kostet ihn der Ausgleich des Rentenabschlags damit nur rund 22 000 Euro. Tipp: Steuerlich gesehen ist es meist sinnvoller, die Abschlagszahlung auf mehrere Jahre zu verteilen. Auch Teilzahlungen sind möglich – allerdings nur längstens bis zum regulären Rentenalter.

Zahlen bringt mehr als eine Sofortrente

Einer effektiven Einzahlung von 22 000 Euro steht damit eine Erhöhung der Brutto-Monatsrente um 108 Euro gegenüber. Da hiervon noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgehen, liegt das Rentenplus netto bei rund 97 Euro. Das bedeutet: Nach 227 Bezugsmonaten – also mit 81 Jahren – hätte Günter R. seine Zahlung wieder heraus. Zum Vergleich: Als beste private Sofortrente weist der Biallo-Versicherungsvergleich zur Sofortrente die Europa Versicherung aus. Hier könnte Günter R. bei Einzahlung von 25 920 Euro eine Monatsrente von nur 85,91 Euro erhalten. Eine Steuerersparnis für die eingezahlten Beiträge hätte er hierbei nicht. Dafür gelten aber bei der Sofortrente im Alter günstigere Steuer-Regelungen. Die Einzahlung würde sich in 302 Monaten amortisieren. Günter R. wäre dann 88 Jahre alt.

Weiterarbeiten für eine höhere Rente

Pläne können sich bekanntlich ändern. Wenn sich Günter R. im Herbst dieses Jahres doch entscheidet, nicht schon vorzeitig in Rente zu gehen, sondern bis zu seinem regulären Rentenalter durchzuarbeiten, kann ihm das niemand verbieten. Falls er die 25.920 Euro schon eingezahlt hat, so dient diese Summe dann nicht zum Ausgleich von Abschlägen, sondern sie erhöht seine reguläre Altersrente um 108 Euro. Außerdem fällt seine Rente dann zusätzlich auch noch höher aus, weil er ja auch noch zwei Jahre länger arbeitet und Rentenbeiträge zahlt.

Von Rolf Winkel

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