Abschlag für die Karriere

WIESBADEN – Franz Beckenbauer tut es, Bill Gates auch und US-Immobilien- Tycoon Donald Trump sowieso: Golf spielen. Bei so viel Chefetagen-Prominenz ist es kein Wunder, dass Golfen als Sportart für reiche und erfolgreiche Geschäftsleute gilt.

Das macht das „Green“ auch zur interessanten Kontaktbörse für alle, die gerne dazugehören wollen. Wenn Manager oder Angestellte zum Golfschläger greifen, bedeutet das aber noch lange keinen Karriereschub.

Ein gemeinsames Hobby verbindet – daher können sich auf dem Golfplatz auch gute Gelegenheiten zum Netzwerken ergeben. Beschäftigte dürfen aber nicht glauben, ein paar Runden auf dem „Green“ bescherten ihnen gleich einen Karriere-Kick. „Das ist natürlich ein Klischee“, sagt Johannes Podszun von der Vereinigung clubfreier Golfspieler in Wiesbaden. „Aber das kann schon eine gute Gelegenheit sein, in einer privaten Atmosphäre Geschäftskunden näher kennenzulernen.“

So sei Golfen ein beliebtes „Kundenevent“, zu dem Firmen ihre Geschäftspartner einladen. Dabei könnten Chefs und Mitarbeiter einmal „jenseits von Sakko und Büro“ miteinander ins Gespräch kommen, erläutert Podszun. „Das ist schon ein sehr kommunikativer Sport.“ Und einige der üblichen Förmlichkeiten dürften sie ruhig einmal beiseitelassen. „Man duzt sich auf dem Golfplatz in der Regel.“ Das senke die Hemmschwelle und verringere die Distanz zwischen Geschäftspartnern.

Das Klischee, Golfen sei gut für die Karriere, lässt sich sogar mit Fakten erhärten. In einer Umfrage des USWirtschaftsmagazins CIO unter knapp 400 Führungskräften sagten 2008 mehr als die Hälfte (55 Prozent), dass Golf spielen für ihre Karriere hilfreich gewesen sei. Von den weiblichen Managern gaben drei Viertel sogar an, dass ein Verzicht auf das Golfen ihre Karriere vermutlich behindert hätte.

Wer sich mit Geschäftsleuten zum Golfen verabredet, schwingt auf dem Platz aber besser keine allzu großen Reden. „Nur Small Talk zu halten, anstatt zu spielen, gilt als grober Etikette-Verstoß“, erklärt Podszun. „Plaudertaschen sind daher auf dem Golfplatz nicht gerne gesehen“, warnt auch Angela Oelschlägel vom Deutschen Golf Verband in Wiesbaden. „Und auch wenn jemand abschlägt, heißt es: ruhig sein.“ Über Geschäfte werde eher später am „19. Loch“ geredet – also im Clubhaus.

Wer den Platz als Kontaktbörse nutzen will, sollte bereits Golf spielen können, wenn er zum ersten Treffen aufs „Green“ kommt. Denn „Dabei sein ist alles“ gilt dort nicht. „Nur mit dem Golfschläger in der Hand durch die Gegend zu laufen, bringt einem keine neuen Kontakte ein“, sagt Podszun. Und wer beim Abschlag ständig danebenhaut, mache auf andere einen schlechten Eindruck. „Dann denkt der andere: Wenn er so Business macht, wie er spielt, dann will ich lieber keine Geschäfte mit ihm machen.“

Generell gebe es viele Parallelen zwischen dem Golfspielen und der Geschäftswelt, sagt Podszun. „Beim Golfen ist Taktik und Strategie wichtig – das lässt sich schon übertragen.“ Auch verrate es viel über einen Spieler, wie er mit dem Ball umgeht: „Ist er ein wilder Drechsler oder ein gefühlvoller Ästhet?“, erläutert Podszun. Dieser Eindruck könne auch auf das Bild vom anderen im Geschäftsleben abfärben. In Golfkreisen wird etwa USUnternehmer Donald Trump mit dem Satz zitiert, er könne könne allein am Verhalten auf dem Golfplatz erkennen, ob jemand ein Gewinner- oder Verlierertyp ist.

Allzu verbissene Siegertypen machten sich aber auch keine Freunde auf dem Golfplatz, meint Oelschlägel. „Niemand ist unbeliebter als derjenige, der nur gewinnen will.“ Und auch Schummler seien schnell unten durch – schlimmstenfalls auch noch beim nächsten geschäftlichen Kontakt.

Es sei aber ein Irrglaube, dass der Golfplatz nur eine Spielwiese für hochrangige Geschäftsleute sei, sagt Oelschlägel. Denn Golfen entwickle sich immer stärker in Richtung Breitensport. „Da steht heute also nicht nur die S-Klasse auf dem Parkplatz, sondern auch mal ein VWKäfer“, erklärt Podszun.

TOBIAS SCHORMANN

Rubriklistenbild: © dpa

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