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Fast jeder zehnte Akademiker in Deutschland arbeitet für einen Niedriglohn.

Akademiker in Bayern

Studieren: Name der Uni wird immer wichtiger

München – Lohnt sich Studieren überhaupt noch? Wie ist die Lage in Bayern? Darüber hat der Münchner Merkur mit Ralf Holtzwart von der Bundesagentur für Arbeit gesprochen.

Fast jeder zehnte Akademiker in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor, behauptet eine aktuelle Studie. Lohnt sich da Studieren überhaupt noch? Wie ist die Lage in Bayern? Darüber haben wir mit Ralf Holtzwart, dem Vorstandsvorsitzenden der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit (BA), gesprochen.

-Lohnt sich ein Studium heute noch – oder haben wir zu viele Akademiker?

Nein wir haben nicht zu viele Akademiker. Es gilt weiterhin: Eine gute Berufsausbildung ist die beste Arbeitslosenversicherung.

-Dennoch arbeitet fast jeder zehnte Akademiker im Niedriglohnsektor.

Wir sprechen in der Bundesagentur nicht vom Niedriglohnsektor, sondern vom unteren Entgeltbereich.

-Was bedeutet das?

Der untere Entgeltbereich bezieht sich auf den sogenannten Medianlohn. 50 Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdienen mehr und 50 Prozent weniger als den Medianlohn. Wer weniger als zwei Drittel des Medianentgelts zur Verfügung hat, der arbeitet im unteren Entgeltbereich.

-In Euro?

In Westdeutschland liegt die Schwelle zum unteren Entgeltbereich bei 2015 Euro.

-Wie viele Akademiker arbeiten im unteren Entgeltbereich?

In Bayern sind es 3,1 Prozent – deutschlandweit 4,1 Prozent.

-Diese Zahlen sind weitaus niedriger als die Berechnungen, die das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) vorgelegt hat. Danach arbeiten 8,6 Prozent der Akademiker in Deutschland im Niedriglohnsektor.

Der Begriff Niedriglohnsektor ist bei der vorliegenden IAQ-Studie anders definiert als in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Im vorliegenden IAQ-Report wurden bei der Niedriglohnberechnung auch die Daten von Teilzeitbeschäftigten und Minijobber/innen mit einbezogen. Im Gegensatz dazu berücksichtigt unsere Statistik für den unteren Entgeltbereich ausschließlich die sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende).

-Wie viele Menschen arbeiten denn insgesamt im unteren Entgeltbereich?

In Bayern 16,2 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Unter den Personen ohne Berufsabschluss sind 31,2 Prozent im unteren Entgeltbereich beschäftigt, bei den Fachkräften sind es 13,7 Prozent.

-In welchen Berufen arbeiten Akademiker, die im unteren Entgeltbereich beschäftigt sind?

Die meisten sind in den Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen beschäftigt. Aber auch Sozial- und Erziehungsberufe sowie einige Gesundheitsberufe sind betroffen.

-In der IAQ-Studie heißt es auch, dass das Risiko, in den Niedriglohnsektor abzurutschen, für weibliche Akademiker größer ist als für männliche. Welche Gründe hat das?

Das gilt nicht nur für Akademiker. Es gibt auf dem Arbeitsmarkt immer noch große Unterschiede, was die Beschäftigung und das Einkommensniveau von Männern und Frauen angeht. Es ist ein politisches Thema, dafür zu sorgen, dass Frauen genauso viel verdienen wie Männer. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist bei uns immer noch nicht vollkommen umgesetzt. Allerdings gibt es auch viel mehr Frauen als Männer, die in Teilzeit oder in einer geringfügigen Beschäftigung arbeiten – und damit weniger verdienen.

-Ist denn jeder Studienabschluss gleich viel wert?

Nein. Es gibt eine wachsende Zahl von Bachelor-Studiengängen, bei denen die Unternehmen nicht mehr vom Titel ablesen können, was sich dahinter verbirgt. Deshalb gewinnt der Name und die Reputation der Universität immer mehr an Bedeutung. Man muss heute genauer hinschauen, was man studiert und wo man studiert.

-Dennoch ist die Zahl der arbeitslosen Akademiker zuletzt gestiegen.

Das stimmt. Im vergangenen Monat waren 23 712 Akademiker in Bayern arbeitslos gemeldet. Im Februar 2013 waren es gut 3000 weniger.

-Woran liegt das?

Grund ist die deutlich höhere Zahl an Uniabsolventen. Dadurch dauert die Suche nach einem Job für Akademiker einfach länger.

Interview: Manuela Dollinger

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