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Die dienstlichen E-Mails während des Urlaubs löschen zu lassen, kann Mitarbeiter entlasten. Die Arbeitsexpertin Andrea Hammermann glaubt nicht, dass generelle Regeln helfen.

Institut der deutschen Wirtschaft

Arbeitsexpertin: Gegen Stress gibt es kein Allgemeinrezept

Ständige Erreichbarkeit dank E-Mail und Smartphone: Die Arbeitswelt ändert sich, und der Druck für viele Beschäftigte steigt. Wie können Arbeitgeber und Beschäftigte sinnvoll gegensteuern?

Am Wochenende dienstliche E-Mails checken oder im Urlaub einen Blick auf das Dienst-Handy werfen: Nicht wenige machen das. Inzwischen versuchen Firmen gegenzusteuern, indem sie zum Beispiel verfügen, dass im Urlaub eingehende E-Mails automatisch gelöscht werden.

In anderen ist in Betriebsvereinbarungen ein Anrufverbot nach Feierabend festgelegt. Beides ist nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln jedoch wenig zielführend. "Mit diesen generellen Verboten wird man nie allen gerecht werden. Jeder hat eine innere Uhr. Es gibt Leute, die morgens produktiver sind, andere sind es eher abends", sagte Andrea Hammermann vom IW Köln.

Zusammen mit ihrem Kollegen Oliver Stettes hat sie eine Studie zur Bewältigung von Stress in der vernetzten Arbeitswelt gemacht. Basis für die Analyse ist die aktuelle Erwerbstätigenbefragung von 2012 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Danach muss steigender Termin- und Leistungsdruck nicht zwingend dazu führen, dass sich die Beschäftigten auch stärker belastet fühlen. Dies hänge stark von der jeweiligen Person und dem Arbeitsumfeld ab.

Zufrieden sind demnach 89,9 Prozent der Beschäftigten, die sich selbst starken Termin- und Leistungsdruck attestieren. "Wenn das Betriebsklima stimmt, wenn sich jemand als Teil des Teams fühlt, von Kollegen und vom Chef unterstützt wird, ist die Belastung wesentlich geringer", erklärte die IW-Arbeitsmarktexpertin.

Wichtig sei deshalb, dass die Arbeitgeber individuell auf die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten eingehen. "Die Stressprävention muss am Verhalten des Einzelnen ansetzen", sagte die Arbeitsmarktexpertin. "Man kann ein Bewusstsein dafür schaffen, dass jeder seine eigenen Grenzen kennenlernt und für sich auch Grenzen setzt, was Arbeitszeit und Mehrarbeit betrifft." Aber auch die Unternehmen könnten etwas tun, hier seien vor allem die Führungskräfte gefragt.

"Es sollte nicht der belohnt werden, der am längsten im Büro sitzt, denn der ist nicht unbedingt der Produktivste", sagte Hammermann. Ein wichtiger Punkt sei das Mitarbeitergespräch. "Als Führungskraft muss ich herausfinden, welcher Typ Mitarbeiter sitzt mir da gegenüber." Ist das jemand, mit dem ich abends noch kommunizieren kann, oder jemand, der seine festen Arbeitszeiten von 9.00 bis 17.00 Uhr braucht? "Das ist eine sehr individuelle Ebene, aber nur so kann es funktionieren, dass der Beschäftigte sich nicht überfordert fühlt."

Die Erwerbstätigen-Befragung wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Für die IW Studie wurde die Stichprobe der abhängig Beschäftigten mit 3143 Arbeitern, 13 090 Angestellten und 1501 Beamten betrachtet.

dpa/tmn

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