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Sportschau-Moderatorin Julia Scharf: "Die Diskussion um die Abschaffung der Bundesjugendspiele macht mich wütend!"

Kommentar der ARD-Moderatorin

Julia Scharf: "Bundesjugendspiele abschaffen - geht's noch?"

München - Die Sportschau-Moderatorin Julia Scharf schreibt exklusiv über die laufende Diskussion um eine mögliche Abschaffung der Bundesjugendspiele.

"Die Bundesjugendspiele: Endlich im Sommer nicht im Klassenzimmer sitzen, endlich Bewegung, endlich mit den Freunden an der frischen Luft sein - oft auch bei ähnlich heißen Bedingungen wie wir sie momentan haben, aber im Schatten des Englischen Gartens war das alles erträglich. Ich konnte mich mit anderen messen und in jeder Disziplin so viele Punkte wie möglich sammeln. Am Ende gab es dann meist eine Ehrenurkunde - bei mir zu Beginn noch von Richard von Weizsäcker unterschrieben und der Tag war perfekt.

In den letzten Wochen wurde viel über die Abschaffung der Bundesjugendspiele diskutiert. Diese Diskussion hat mich wütend gemacht.

Eine Mutter von drei Kindern startete eine Online-Petition um die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Der Zwang zum Leistungsvergleich erscheint ihr nicht mehr zeitgemäß. Mal abgesehen davon, dass der Leistungsvergleich in unserer Gesellschaft mehr denn je zählt, kann man doch nicht ernsthaft wollen, dass Kinder sich nicht mehr bewegen.

Sport soll Spaß machen - schreibt diese Mutter. Zu Recht und jeder der Kinder hat, weiß dass Kinder auch Spaß daran haben sich in einem Wettkampf zu messen. Je kleiner die Kinder sind, desto spielerischer sollte das sein. Wenn wir im Fach Sport alles nur noch freiwillig ausüben lassen, dann sitzen bald alle mit ihren Handys auf der Langbank und haben eine Entschuldigung wegen Schnupfen dabei.

Es gibt genügend Kinder, die den Spaß an der Bewegung erst entdecken, wenn sie durch Schule oder Verein an den Sport und oft auch an einfache Wettkämpfe herangeführt werden. Das habe ich oft erlebt - ich war über 10 Jahre lang Vereinstrainer und habe Kinder jeden Alters vom Anfänger bis zur Goldmedaille bei Weltmeisterschaften trainiert.

Gerade wenn Kinder von ihrem Elternhaus keine große Sportbegeisterung mitbekommen ist es umso wichtiger, sie durch Wettkämpfe wie die Bundesjugendspiele an den Spaß an der Bewegung, am Vergleich und an der Verbesserung heranzuführen.

Wie wichtig Sport für die Gesundheit ist - gerade in unserer heutigen Gesellschaft, die viel zu lange vor irgendwelchen Monitoren sitzt - das sollte jeder wissen.

Wenn ein Kind immer am unteren Rand der Skala der Schulanforderungen liegt, sollten sich auch die Eltern mal Gedanken machen, ob sie ihrem Kind genügend Bewegungsangebote liefern. Sie müssen nicht mit den Kindern auf die Tartanbahn gehen, aber wer regelmäßig mit seinen Kinder raus geht, Spaziergänge oder Fahrradtouren macht, sie mal ermutigt irgendwo hoch zu klettern oder von Stein zu Stein zu springen, der fördert die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten seiner Kinder und diese Kinder werden sich sichtbar verbessern im Sportunterricht.

Aber nach einer Abschaffung zu verlangen macht mich sprachlos. Ich hätte früher auch gerne die Abschaffung von Mathe-Klausuren gefordert wenn ich mal eine Fünf hatte. Aber auch da musste ich lernen, dass man sich dann hinsetzen muss und etwas dafür tun sollte, dass es besser wird.

In einem Punkt gebe ich dieser Mutter recht - vielleicht ist nicht jeder Lehrer sensibel genug die schwächeren Schüler zu fördern und zu motivieren. Aber dann sollte man das Gespräch mit dem Lehrer suchen und Vorschläge machen, denn die Bundesjugendspiele müssen nicht immer aus Laufen, Werfen und Springen bestehen.

Es geht auch um Gruppenwettbewerbe und alternative Wettkampfformen. Schade, wenn Schulen und Lehrer diese Möglichkeiten NOCH zu wenig nutzen.

Mein Vorschlag: Auch die musischen Fähigkeiten könnte man einbinden. Man könnte beispielsweise ergänzend zu den klassischen Disziplinen eine freiwillige Gruppe anbieten, die bei einer kleinen Eröffnungsfeier einen Tanz vorführt - wenn das Zusatzpunkte gibt, motiviert man vielleicht ein paar mehr Kinder, wieder um Urkunden zu kämpfen. So könnten Bundesjugendspiele aussehen."

VITA JULIA SCHARF

Julia Scharf hat Sportwissenschaften und Medien/Kommunikation in München studiert. Sie war über 15 Jahre im Voltigier-Verein Ingelsberg aktiv. Zehn Jahre lang hat die Münchnerin dort als Trainerin im Kinder- und Jugendbereich gearbeitet. Im Jahr 2000 gewann ihre Mannschaft die Weltmeisterschaften im Voltigieren (Turnen auf dem galoppierenden Pferd). Darüber hinaus spielte Scharf Volleyball und arbeitete als Snowboardlehrer.

Die Moderatorin der ARD Sportschau hat eine Tochter.

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