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Im Justizvollzug ist ein hohes Maß an Lebens- und Berufserfahrung nötig.

Guter Verdienst garantiert

Arbeitsplatz Gefängnis: Der Justizvollzugsbeamte

Nerven aus Stahl und Spaß, mit Menschen zu arbeiten, sollte man für diesen Beruf mitbringen: Wer eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten absolvieren möchte, muss eine gefestigte Persönlichkeit haben.

Ein ganz normaler Arbeitsplatz ist das Gefängnis natürlich nicht. Mit der vermeintlich harten Realität aus Filmen habe der Alltag dort aber auch nichts zu tun, versichert Georg Seiler. Der 26-Jährige macht eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten. Er hat bereits eine Lehre zum Krankenpfleger abgeschlossen. Bevor er sich für die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten entschied, hat er zwei Jahre auf der Intensivstation eines Krankenhauses gearbeitet. „Am Vollzugsdienst haben mich besonders die guten Verdienstmöglichkeiten gereizt“, gibt er offen zu. Wer als Beamter in einer Haftanstalt arbeitet, könne gutes Geld verdienen und habe eine sichere Stelle. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung winkt die Übernahme in ein Beamtenverhältnis auf Probe.

Der Justizvollzug ist Aufgabe der Bundesländer. Die Inhalte der Ausbildung seien aufeinander abgestimmt, und ein Arbeitsplatzwechsel ist über Landesgrenzen hinweg möglich. Kleine Unterschiede gebe es dennoch, erklärt Thomas Müller, Leiter der Justizvollzugsschule Stuttgart. Das gelte besonders für das Bewerbungsverfahren. „Die Persönlichkeit der Bewerber ist ein maßgebliches Kriterium“, so Birgit Eßer-Schneider, Sprecherin des sächsischen Justizministeriums. Bewerber sollten ein hohes Maß an Lebens- und Berufserfahrung mitbringen. Außerdem brauchen sie eine gefestigte Persönlichkeit.

„Das Durchschnittsalter der Anwärter liegt zu Beginn der Ausbildung bei 26 Jahren. Auch wurde ein Mindestalter von 20 Jahren festgelegt“, weiß Eßer-Schneider zu berichten. Bewerber brauchen einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Lehre. „Die meisten kommen aus dem handwerklich-technischen Bereich“, berichtet Schulleiter Müller. Aber auch Kaufleute, Verwaltungsfachkräfte oder Ex-Berufssoldaten gebe es.

Die zweijährige Ausbildung setzt sich aus praktischen Phasen in einer Justizvollzugsanstalt und schulischem Unterricht zusammen. „Für den schulischen Teil der Ausbildung werden die Anwärter aus allen Haftanstalten zentral zusammengezogen. Das ist überall so“, erklärt Müller.

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Der Großteil des Unterrichts bewegt sich im juristischen Bereich: Vollzugsrecht und Strafrecht stehen auf dem Lehrplan. „Außenstehende würden sich wundern, was die Anwärter alles lernen müssen und wie tiefgehend die Ausbildung in diesem Bereich ist“, schildert Müller. Zwar sei die Ausbildung alles andere als einfach. Abbrecher gebe es aber so gut wie keine, betont der Schulleiter. Auch die Quote derer, die an den Prüfungen scheitern, sei sehr gering. „Wer allerdings einen schlechten Abschluss macht, dem kann es passieren, dass er nicht übernommen wird.“

Hauptaufgabe der Beamten ist es, die Häftlinge auf ihre Entlassung vorzubereiten und bei der Resozialisierung zu helfen. Keine leichte Aufgabe, wie Seiler aus eigener Erfahrung weiß. „In Bruchsal gibt es viele Gefangene mit langfristigen oder lebenslänglichen Haftstrafen. Die sehen oft keine Perspektive mehr, und es fällt schwer, sie zu motivieren.“ In den Anstalten sind die Beamten des allgemeinen Vollzugsdiensts mit der Beaufsichtigung, Kontrolle und Freizeitgestaltung der Häftlinge befasst.

Es wird im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet. Das gilt auch für das Wochenende und die Feiertage. Die psychische Belastung im Job sei relativ hoch. „Das private Umfeld ist da sehr wichtig, um Ausgleich zu finden“, hebt Seiler hervor. Doch echten Frust oder gar Angst spüre er nie.

„Natürlich muss man mit der nötigen Portion Respekt in ein Gefängnis gehen. Meine Erfahrung ist aber: Wer freundlich auftritt, kriegt das auch so zurück.“

Kristin Kruthaup

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