Jeder Handgriff muss sitzen: Ausbilder Andreas Schultes erläutert Martin Märkle die hydraulische Spreizschere. Foto: HAb

Auch Mädels dürfen mitspielen beim THW

Dachau - Vor drei Jahren zog Martin Märkle von Baden-Württemberg nach Dachau. Erst 2013 ist er richtig angekommen. Seitdem ist er ehrenamtlich Helfer beim THW-Dachau.

„Ursprünglich weil ich technisch interessiert bin, und Anschluss finden wollte“, erzählt der gelernte Kfz-Mechatroniker. Er wollte weiterhin Menschen retten und helfen, wie er es schon beim DRK in Baden-Württemberg getan hatte. Was ihn tatsächlich erwarten würde, wusste er aber nicht, als er im Frühjahr 2013 seine Grundausbildung startete.

Unter der sorgsamen Leitung seines Ausbilders Andreas Schultes lernten er und sechs Mitstreiter binnen zehn Monaten alle wichtigen Tätigkeiten und Grundhandlungen eines THW-Helfers. Vom Einweisen in die Fahrzeuge, der Bearbeitung von Stein, Holz und Metall, den Umgang mit Pumpen und hydraulischem Werkzeug, dem Sichern und Beleuchten bei Unfällen, bis zur Anwendung der Spreizschere blieb dem 27-Jährigen nichts verwehrt, was nutzen könnte, Menschen zu helfen oder gar Leben zu retten. Bei der Hochwasserkatastrophe im Mai und Juni vergangenen Jahres, durfte er erste Praxiserfahrung als Helfer sammeln. In Deggendorf war er mit dem THW-Team vor Ort, in Erding, Günzburg und auch im vom Unwetter schwer getroffenen Freising. Er half Sandsäcke zu füllen und zu platzieren und durfte übergangsweise sogar die Hochleistungspumpen betreuen. Die Abschlussprüfung im Oktober war für ihn daher nur noch reine Formsache.

„Alle sieben Bewerber konnten die Prüfung erfolgreich abschließen“, erzählt Ausbilder Andi Schultes stolz. Die richtige Handhabung einer Motorsäge und des Greifzugs sowie den richtigen Einsatz eines hydraulischen Spreizers und der Rettungsschere stellten seine Schützling fehlerlos unter Beweis. Er selbst ist seit 1997 dabei und war schon in der Jugendgruppe aktiv. Seit sieben Jahren bildet der 28-Jährige erfolgreich junge Leute aus - unentgeldlich versteht sich. Ein Spezl hatte ihn damals zu den ehrenamtlichen Helfern mitgenommen. Sofort war er vom Zusammenhalt und der Kameradschaft beim THW begeistert. Diese vermittelt er heute auch seinen Schützlingen. „Je anspruchsvoller der Einsatz, desto wichtiger ist die Kameradschaft“, erklärt der Ausbilder. Denn da sei kein Platz für Leute, die nur eigene Sachen im Kopf haben.

Aber nicht nur die Beziehungen innerhalb der Gruppe sind wichtig, eine große Belastung trifft auch die Freundinnen und Familien der THWler. Ohne deren Unterstützung geht es nicht. Denn die müssen akzeptieren, dass der geplante Abend auch mal ins Wasser fällt, oder der Mann gleich nach der Arbeit wieder weg muss, wenn der Melder anspringt. Wenn bei Feuerwehr oder Polizei ein Notruf eintrifft, werden die Ersthelfer sofort mitalarmiert. Die in Sekundenbruchteilen getroffenen lebensrettenden Maßnahmen der „First Responder“ ehe die Krankenwagen eintreffen, können über Leben und Tod entscheiden. Bei Bränden eilen die THW-Helfer der Feuerwehr zuhilfe. Bei Unfällen übernehmen sie die Räumungsarbeiten. Bei Ölpannen schützen sie Natur und Umwelt. Vor kurzem musste das Dachauer Team erst wieder ausrücken, um entlaufene Hochlandrinder an der A 8 einzufangen.

Solche Aufgaben fordern natürlich entsprechendes Equipment. Und Dachau gehört, was Ausstattung und Fahrzeuge betrifft, zu den bestausgerüstetsten Ortsverbänden in Deutschland. Zwei riesige Gerätekraftwägen, Kipper und Unimog sind nur ein kleiner Teil der Fahrzeugflotte. Hinzu kommen Spezialgeräte, wie die Hochleistungspumpe Hannibal, die während des Hochwassers 2002 angeschafft wurde, und seither unentbehrlich ist. Da das Bedienen einiger Maschinen und Gerätschaften besondere Kompetenzen erfordert, können die Helfer der Grundausbildung eine Sanitäts-, Atemschutz- oder Sprengausbildung folgen lassen. Gerade letztere wird im Landkreis besonders gefördert, weil Dachau neben einer Räumungsgruppe auch eine Sprengmannschaft stellt.

Wer denkt, das THW sei Männern vorbehalten, der irrt. Zwar, sagt Ausbilder Andreas Schultes, seien die Gerätschaften vor allem „großes Spielzeug, für kleine Jungs“, was aber längst nicht heißt, dass Mädels nicht mitspielen dürfen. Aktuell sind fünf Frauen aktiv dabei. Wenn in den nächsten Tagen die Grundausbildung beginnt, würde er sichwünschen, dass diese Zahl steigt. Denn ganz egal ob Mann oder Frau, ob Alt oder Jung, sagt Andreas: „Alleine helfen ist schön, gemeinsam helfen ist schöner!“ (bvl)

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