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Experten für Rückbau und Abriss sind gefragte Fachkräfte.

Mehr als Abrissbirne beaufsichtigen

Bauwerksmechaniker für Abbruch behalten Überblick

Den Kran von links und nach rechts schwenken, mit der Abrissbirne ausholen und das Haus zum Einsturz bringen: So stellen sich viele den Job eines professionellen Abreißers vor. Doch der Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik muss viel mehr können.

Um leerstehende Gebäude wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen, braucht es aber deutlich mehr an Fachkenntnissen. Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik – so heißt der Beruf korrekt – kümmern sich um den gesamten Rückbau- und Abrissprozess. Vor dem Abreißen lernen die Auszubildenden zunächst das Aufbauen von Gebäuden. Nach zwei Jahren haben sie einen ersten Abschluss in der Tasche: den als Hochbaufacharbeiter. Im dritten Ausbildungsjahr folgt dann der eigentliche Bauwerksmechaniker.

Die Arbeit des Bauwerksmechanikers beginnt lange, bevor die erste Wand ins Wackeln gerät. Die logistische Arbeit fange schon mit dem Einrichten der Baustelle an, erzählt Malthe Fünder, der seinen Sohn im Familienbetrieb ausbildet. Wo stehen die Container am besten, wo sind die Zufahrten? Dann geht es an die Entkernung des Gebäudes: Die Möbel und alle verwertbaren Baustoffe müssen raus, auch Bodenbeläge sowie Vertäfelungen, und bei der Gelegenheit schon Schadstoffe erkennen. Dazu gehören zum Beispiel Asbest oder PCP. Wer bringt was raus? Die Lehrlinge müssen den Überblick behalten und lernen strukturiertes Arbeiten, laut Fünder „ein Delegierjob“.

Erst danach folgt das Abtragen der Mauern. „Die schwingenden Kugeln gibt es auch noch“, erzählt Fünder. Sie seien am effizientesten. Aber meist komme ein Bagger mit verschiedenen Anbauwerkzeugen zum Einsatz: Stahlschere, Betonschere, Sortiergreifer, Pulverisierer. „Die Abrissbirne ist sinnvoll, wenn ringsum Platz ist und man durch die Erschütterungen nicht die Nachbarn beeinträchtigt.“ Und mit der Kugel gehe es einfach schneller.

Ausbildungsplatz gesucht? Hier findet Ihr einen

Angehende Bauwerksmechaniker wechseln zwischen drei Standorten: dem Betrieb, der Berufsschule und dem einzigen überbetrieblichen Ausbildungszentrum in Hamm (Westfalen). Florian Peternel hat gerade ausgelernt und weist auf die hohe Verantwortung in seinem Job hin: „Unsere Maschinen sind sehr teuer.“ Einfach drauflos sägen, das könne man vergessen. „Sonst klemmt das Blatt für 800 Euro in der Wand und du kannst sehen, wie du es rauskriegst.“ Malthe Fünder erwartet von den Lehrlingen neben Leistungsbereitschaft auch Kreativität: „Man bekommt oft keine Zeichnung. Die Situation beim Abbruch verändert sich ständig.“ Man müsse von der Statik her denken, sich die Dinge räumlich vorstellen können. Es sei immer die Frage: Was haben sich die Konstrukteure beim Bau gedacht?

Mathekenntnisse schaden nicht, sind Fünder zufolge aber nicht ausschlaggebend. Wer die Ausbildung schafft, wird häufig vom Betrieb übernommen. „Die meisten werden als Maschinenführer oder Vorarbeiter weitermachen“, so Fünder. „Die Jungs, die noch mehr Ambitionen haben, können sich weiterbilden.“ Infrage kommt etwa der staatlich geprüfte Polier oder ein Meister. Peternel will in der Abendschule den Bautechniker machen und kann sich vorstellen, irgendwann in die Schweiz zu gehen. „Da gibt es größere Betriebe.“

Philipp Laage

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