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Kaminkehrer sind natürlich über den Dächern der Stadt zu Hause, aber sie sind nicht nur dort tätig.

Technisches Verständnis ist wichtig

Berufsbild Kaminkehrer: Zu oft unterschätzt

Den „schwarzen Mann“ mit dem Zylinder auf dem Kopf kennt jeder. Was aber nur die wenigsten wissen: Der Arbeitsbereich des Kaminkehrers erstreckt sich auf weit mehr als auf das Auskehren von Schloten und Kaminen.

Der Job des Kaminkehrers wird in der Öffentlichkeit oft unterschätzt. „Der Beruf ist in den vergangenen Jahren sehr anspruchsvoll geworden“, betont Jens Torsten Arndt, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks. Heute sei viel technisches Wissen gefragt. So müssten die Experten Abgasmessungen an den Heizungen vornehmen. Kaminkehrer sollten sich in den Themen Brandschutz und Baurecht auskennen.

„Der Beruf ist unheimlich vielseitig und dynamisch, da sich auch die Technologien in der Energie- und Wärmebranche stetig weiterentwickeln“, erläutert der Verbandsgeschäftsführer. Wie die Lehrlinge ihre Ausbildung gestalten, können sie bis zu einem gewissen Teil und je nach Bundesland selbst entscheiden. So ist in Bayern auch ein duales Ausbildungsmodell möglich. Die Berufsausbildung zum Kaminkehrer wird mit dem Bachelorstudiengang „Versorgungs- und Gebäudetechnik“ angeboten. Gearbeitet wird nach der Ausbildung in einem anerkannten Handwerksbetrieb. Nach der Gesellenprüfung ist auch der Besuch einer Meisterschule möglich. Dort gibt es etwa Qualifikationen in den Feldern Umwelt- und Klimaschutz, Energieeffizienz sowie Wärme- und Haustechnik. „Dieser Beruf eignet sich hervorragend auch für Frauen, denn es ist ja nicht so, dass der Job mit extrem harter körperlicher Arbeit verbunden wäre“, wirbt Klaus Weisser vom Bundesverband.

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Nach der Ausbildung ist mit Abitur, Fachhochschulreife oder dreijähriger Berufserfahrung auch ein weiterführendes Studium an einer Fachhochschule oder Universität in den Fachrichtungen Umweltschutz, Umwelttechnik, Gebäudetechnik, Facilitymanagement oder Versorgungs- und Entsorgungstechnik möglich.

Eingeteilt sind die Einsatzgebiete der Schornsteinfeger im Bundesgebiet nach Kehrbezirken. Davon gibt es zurzeit 7800. Jeder Kehrbezirk wird von jeweils einem Meister betreut und für die Dauer von sieben Jahren vergeben. Zusätzlich zu den Meistern gibt es noch rund 10 000 angestellte Kaminkehrer. Bislang hatte jeder der einzelnen Bezirksschornsteinfegermeister das Monopol inne, die Kunden als einziger in seinem Bezirk betreuen zu dürfen. Dieses Monopol ist allerdings zum 31. Oktober 2012 ausgelaufen. Der Bundesverband schätzt jene Liberalisierung zwar positiv ein, wirft aber auch einen kritischen Blick darauf. „Bislang konnten die Arbeiten straßenzugweise durchgeführt werden, weil der Kaminkehrer ein Haus nach dem anderen abgearbeitet hat. Mit der freien Auftragsvergabe wird das künftig aber nicht mehr gehen. Das bedeutet, es fallen auch höhere Anfahrtskosten an“, vermutet Weisser. Als positiv bewertet er hingegen, dass der Kunde aufgrund des Wettbewerbs nicht mehr so abhängig von einem einzelnen Dienstleister sei.

Claudia Bell

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