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Experten für Ausbildungsfragen: Albert Sikora (r.) und Klaus Nefzger.

Interview zur Berufsorientierung

Was ist wichtig bei der Berufswahl?

Kaum einer weiß so genau, worauf es bei der Berufswahl ankommt, wie Mittelschulleiter Albert Sikora und sein Kollege Klaus Nefzger. Im Interview erklären sie, wie ihre Schule die Jugendlichen auf dem Weg zum Traumjob unterstützt.

Ist es heutzutage schwer einen Ausbildungsplatz zu finden?

Momentan ist die Ausbildungssituation im Raum München hervorragend. Wer einen Ausbildungsplatz will, wird in der Regel auch einen bekommen. Allerdings gibt es natürlich auch immer Härtefälle, zum Beispiel bei besonders ausgefallenen Berufswünschen.

Kam es oft vor, dass Schüler nach ihrem Schulabschluss keine Ausbildung bekommen haben?

So gut wie nie. In den letzten zehn Jahren waren es keine fünf Schüler. Und dann lag es oftmals auch daran, dass die Schüler keine Bewerbungen geschrieben haben. Die Maßnahmen zur Vermittlung der Jugendlichen und die derzeit gute Arbeitsplatzsituation helfen uns dabei.

In den Medien ist immer öfter von Ausbildungsabbrechern zu lesen. Auf was sollen Eltern und Schüler bei der Berufswahl achten, um nicht unglücklich zu werden?

Jeder sollte sich ganz genau überlegen, welcher Beruf ihn glücklich macht. Es ist wichtig, den Kindern klarzumachen: Es geht nicht nur darum, irgendeinen Job zu finden, sondern einen Beruf auf den man stolz ist, und mit dem man leben kann.

Ist es schwer, das Richtige zu finden?

Ein Problem ist, dass das Angebot riesig ist. Es gibt derzeit um die 210 Ausbildungsberufe, und wir konzentrieren uns häufig nur auf die gängigsten Top zehn bis zwanzig Berufe.

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Wie bekommen die Schüler dann die ganzen Informationen zu den neuen Ausbildungsangeboten?

Wir sind als Schule heilfroh, dass wir externe Hilfen bekommen. Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk mit lokalen Firmen aufgebaut, die zu uns an die Schulen kommen. Ebenso besteht ein enger Kontakt zur Agentur für Arbeit. Die Schüler bekommen die neuesten Infos dann direkt aus erster Hand.

Wie erhalten die Schüler einen vernünftigen Einblick in die Arbeitswelt?

Heutzutage ist es so, dass die Kinder zwischen drei und fünf Praktika machen müssen. Dabei raten wir immer eindringlich, dass sich die Kinder verschiedene Bereiche und Richtungen anschauen. Wer sich nur auf einen Beruf versteift, pokert ganz falsch.

Wie kann man das vermeiden?

Die Berufswahl darf nicht nur über die Schule laufen. Gerade Eltern und Freunde sollten sich hier einbringen, und alle gemeinsam müssen wir Verantwortung und Engagement zeigen.

Gibt es Möglichkeiten, die Eltern stärker einzubinden?

Wir planen, zu unserem nächsten Berufsinformationstag auch alle Eltern einzuladen. So können sich die Eltern mit ihren Kindern viel besser austauschen, welche Möglichkeiten es gibt und was für die Kinder gut passen könnte. Selbstständig werden ist schön und gut, aber die Schüler können nicht alles alleine entscheiden.

Wie aktiv ist Ihre Schule, um die Schüler auf die Arbeitswelt vorzubereiten?

Das Angebot ist riesig. Die Berufsorientierung ist eine zentrale Säule unserer Schulart. Praktika, berufskundliche Projekte, Berufsinformationstage, Bewerbungshilfen usw.

Was ist die Berufsorientierung?

Berufsorientierung heißt: Wie findet ein Jugendlicher gemeinsam mit den Eltern und der Schule den richtigen Beruf für sich? Es gibt dabei verschiedene Säulen: So kann zum Beispiel in der 8. Klassen bis zu einem Fünftel der Unterrichtszeit für betriebliche Praktika zur Verfügung gestellt werden. Daneben werden die Schüler in den Profilfächern Wirtschaft, Technik und Soziales unterrichtet. „Schnuppern“ die Jugendlichen in der 7. Klasse noch in allen drei Bereichen, so wählen sie ab der 8. Klasse ein berufsorientierendes Fach aus, welches dann bis zu vier Stunden wöchentlich unterrichtet wird und in dem die Jugendlichen dann auch ihre Abschlussprüfung ablegen müssen. Zusätzlich müssen alle Schüler noch einen sogenannten Berufswahlordner führen. In ihm werden sämtliche Unterlagen zur Berufsorientierung gesammelt – dies ermöglicht jedem einzelnen ein hoffentlich umfassendes Bild von seinen Stärken und Interessen zu bekommen. Besonders hervorzuheben neben den noch weiteren berufsorientierenden Maßnahmen wie zum Beispiel den beliebten berufskundlichen Projekten oder den Berufsinformationstagen ist die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und vor allem das Projekt „Job-in Dachau“.

Was ist das für ein Projekt?

Bei „Job-in Dachau“ kommt ein „Externer“, der sehr eng mit der Arbeitsagentur zusammenarbeitet, einmal pro Woche zu uns in die Schule. Er bespricht mit den Schülern alles, was ihnen in Sachen Berufsorientierung auf dem Herzen liegt wie: Hast du einen Beruf? Brauchst du Informationen zu einem konkreten Thema usw. Er hilft den Jugendlichen beim Bewerbungen Schreiben und bereitet sie auf Vorstellungsgespräche vor. Er ist ein Bindeglied zwischen Unternehmen und Schule. Das ist eines der besten Projekte, die ich je gesehen habe. Die Berufsorientierung bringt den Schülern irrsinnig viel, aber nur wenn sie wollen.

Arbeiten Sie mit Firmen zusammen?

Die Schule und die regionalen Ausbildungsbetriebe sind stark vernetzt.

Wie sieht diese Zusammenarbeit zum Beispiel aus?

Bei den Bewerbungsrundläufen kommen zu uns rund fünf Betriebschefs, die mit den Schülern Vorstellungsgespräche unter Originalbedingungen durchspielen. Zudem haben wir die Berufsinformationstage. An der Schule, aber auch landkreisweit. Zum anderen besuchen die Lehrer alle Schüler in ihren Betrieben, wenn sie ein Praktikum machen. Hier kommen wir ganz konkret mit den Betrieben ins Gespräch und können so Wünsche und Anregungen aufnehmen. Es ist einfach wichtig, im ständigen Austausch zu sein.

Was versuchen Sie ihren Schülern fürs Leben mitzugeben?

Dass es wichtig ist, ein glücklicher Mensch zu werden. Jeder muss seinen Weg selber finden. Wir versuchen ihnen nur zu zeigen, dass kein Weg der falsche ist, solange man ihn mit Herz geht.

Das steht aber nicht auf dem Stundenplan oder?

Sehr wohl steht das im Lehrplan! Bildung wir nur all zu oft einseitig definiert. Aber Bildung ist auch Herz und Charakter, persönliches sowie soziales Engagement. Das versuchen wir unseren Schülern mitzugeben.

Interview: Christiane Breitenberger

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