10 Jahre nach Abschaffung

Ohne Meisterzwang: Experten beklagen Qualitätsrückgang

Zehn Jahre nach dem Wegfall des Meisterzwangs in über 50 Prozent der Handwerksberufe ist die Zahl der Meisterprüfungen in Bayern nur gering zurückgegangen. Dennoch sehen Experten einen Qualitätsschwund.

2003 vor der Novellierung der Handwerksordnung legten knapp 5500 Handwerker erfolgreich die Meisterprüfung ab, 2012 waren es immerhin noch rund 4800, erläutert Jens Christopher Ulrich vom bayerischen Handwerkstag.

Meisterpflicht nur noch in 41 Branchen

Seit dem 1. Januar 2004 ist es Handwerkern wie etwa Fliesenlegern erlaubt, sich auch ohne Meisterbrief selbstständig zu machen. Von ehemals 94 Branchen blieb die Meisterpflicht in nur 41 Berufszweigen bestehen. „Es ist das eingetreten, was das Handwerk befürchtet hat“, erläutert Daniel Röper von der Handwerkskammer Unterfranken. „Die Ausbildungsleistung hat in den Betrieben, die von der Meisterpflicht befreit wurden, abgenommen.“ So sieht das auch Peter Schirmer, Abteilungsleiter Berufsbildung bei der oberfränkischen Handwerkskammer: Die Zahl der Lehrlinge in diesen Zweigen sei zurückgegangen, und es gebe Klagen über die Qualität in der Arbeitsausführung.

Weitergabe des Wissens gefährdet

Gerade in vielen kleinen Branchen führe das Ende des Meisterzwangs auch dazu, dass Wissen verloren gehe, ergänzt Ulrich. „Die Weitergabe des Wissens könnte ein Problem werden.“ So registriert etwa die mittelfränkische Handwerkskammer nur noch sehr geringes Interesse an Berufen wie Maßschneider oder Musikinstrumentenbauer. Gerade aber in den Berufen, in denen nach wie vor Meisterzwang für die Selbstständigkeit bestehe, sei das Interesse „ungebrochen hoch“, erklärt Florian Lang, Abteilungsleiter Ausbildungswesen bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Am häufigsten werden im Freistaat Meisterprüfungen im Kfz-Handwerk abgelegt: 2012 kamen 925 neue Meister hinzu, 2003 waren es lediglich 886. Die Kammern sehen den Meisterbrief nach wie vor als Qualitätssiegel. Er stehe für Fachkompetenz, betont Ulrich. Der Unterricht vor der Prüfung vermittle wichtiges Wissen für die Selbstständigkeit.

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Bayerischer Staat zahlt "Meisterbonus"

„Auch die Möglichkeit, mit dem Meisterabschluss einen Übergang zum Studium zu erhalten, wirkt positiv auf die Nachfrage“, verdeutlicht Monika Treutler-Walle, Sprecherin der Handwerkskammer Schwaben. In ihrem Bereich gebe es etwas weniger Maurer-, Fleischer- und Bäckermeister, aber konstant hohe Zahlen bei den Meisterkursen der Zimmerer, der Feinwerkund Landmaschinenmechaniker, Metallbauer, Maler, Elektro- und Kfz-Techniker. Die Weiterbildung zum Meister muss entweder aus der privaten Tasche oder vom Betrieb übernommen werden. Die bayerische Staatsregierung zahlt vom 1. September an einen „Meisterbonus“ von 1000 Euro bei bestandener Prüfung.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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