+
Martin Winhart (r.) ist Ausbildungsleiter bei Mercedes und weiß, worauf es ankommt.

Worauf es beim Start ankommt

Ausbildungsleiter: Meine 10 goldenen Azubi-Regeln

München - Seit rund einer Woche erleben tausende Azubis ihre ersten Anfänge im Berufsleben. Ausbildungsleiter Martin Winhart erklärt bei der tz, worauf es ankommt.

Ausbildungsleiter Martin Winhart

Tausend! Martin Winhart (50), Ausbildungsleiter der Mercedes-Niederlassung München, nimmt gerade eben den 1000. Azubi seiner Karriere unter seine Fittiche. Am 1. September haben grad 47 junge Leute angefangen, die Kfz-Mechatroniker oder kaufmännische Berufe lernen – damit ist für Winhart in seinem 34. Berufsjahr die vierstellige Zahl an Azubis voll. So viele Gesichter, so viele Erfahrungen, so viele gute Ratschläge! In der tz erklärt Winhart, was einen wirklich guten Azubi ausmacht. Er verrät uns seine zehn goldenen Regeln, mit denen der Einstieg in den Beruf klappt – und fürs Leben abseits des Jobs schaden die auch nicht.

Winhart, ursprünglich gelernter Schlosser, sagt: „Diese Regeln gehen auf viele Jahre Erfahrung zurück. Ich habe selber zwei Söhne und versuche, ihnen mit Ratschlägen beizustehen und sie auf das Leben vorzubereiten. Das Gleiche gilt für meine Azubis. Die goldenen Regeln können weit über die Ausbildung hinaus angewandt werden – und sogar außerberuflich. Die Azubis sollen, Teamwork lernen und eine spannende Zeit haben.“

Der Einstieg ist entscheidend

Herr Winhart, warum sind Sie Ausbilder geworden?

Winhart : Ich habe eine klassische Ausbildung zum Schlosser absolviert. Dort ich dann gemerkt: Hoppla! Trainer sein, scheint ja Spaß zu machen. Dann habe ich relativ schnell verschiedene Qualifizierungen gemacht. Seit ungefähr 17 Jahren bilde ich nun Azubis aus — von der Auswahl bis in die Führungsposition.

Jeder neue Azubi kennt Ihre zehn goldenen Regeln, wie sind diese entstanden?

Winhart: Die Idee ist aus vielen Jahren Erfahrung gewachsen. Ich hab mich gefragt: „Was könnte jungen Menschen den Einstieg in Berufswelt erleichtern, aber auch darüber hinaus Bestand haben?“

Wann erkennen Sie einen besonders herausragenden Azubi? 

Winhart: Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen erkennt man sowas schon im Vorstellungsgespräch. Da sieht man dann was aufblitzen. Wenn man das fördert und ausbaut, erhält man ein Naturtalent.

Sie machen diesen Job seit 34 Jahren. Erliegen Sie einer Routine, oder gar Langweile?

Winhart: Nein, absolut nicht. Es ist immer wieder was Neues, keinen Menschen gibt’s zweimal. Manchmal begibt sich einer auf die falsche Spur. Da frag ich mich: „Was kann man da tun?“ Das macht die Ausbildung spannend — aber auch schwierig.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis als Ausbilder?

Winhart: Wenn jemand seine Ausbildung abbricht — nicht aus fachlichen Gründen, sondern aus persönlichen. Dann machen die Nebengeräusche der Freunde, der Familie oder sonst wer eine Ausbildung nicht mehr möglich und man zieht die Reißleine. So etwas ist immer tragisch.

Und Ihr bestes Erlebnis? 

Winhart: Das ist am Ende der Ausbildung, wenn ich den individuellen Erfolg eines jeden Azubis erleben darf.

Melden sich manche Azubis nach der Ausbildung wieder?

Winhart: Wir kriegen häufiger Postkarten aus dem Urlaub, Mails. Manche schauen vorbei — das freut mich besonders.

Tipps zum Start ins Berufsleben

1. Nutze den Neustart, bleib wie du bist und verändere dich täglich.

2. Trage dem Anlass und dem Berufsbild entsprechend angemessene Kleidung, achte auf dein Auftreten.

3. Sei stets pünktlich und verlässlich.

4. Übernehme zu 100 Prozent Verantwortung für dein (Berufs-)Leben.

5. Sei neugierig und interessiert – Erfolg macht Spaß, verursache ihn!

6. Wenig diskutieren, dennoch viel hinterfragen!

7. Setzte dir erreichbare, aber dennoch anspruchsvolle Ziele/Meilensteine!

8. Feier deine Erfolge – aber angemessen! Sei stolz auf das Erreichte!

9. Gegenseitiger Respekt und Dankbarkeit sind die feinste Form der Bildung.

10. Die beste Zeit ein Problem anzupacken, ist vor seiner Entstehung.

Das sagen seine Azubis:

Mercedes war meine erste Wahl. Herr Winhart war im Vorstellungsgespräch sehr nett, bin gespannt wie’s wird. Ich probier auf jeden Fall, seine goldenen Regeln umzusetzen.“ (Ronja Lugmeier (20), Fürstenfeldbruck, Kauffrau)

Herr Winhart steht mit beiden Beinen im Leben, er ist ein korrekter und fairer Ausbilder.“ (Dominik Kleinhuber (17), Unterhaching, KFZ-Mechatroniker)

„Das Vorstellungsgespräch war stressig, Herr ­Winhart ist autoritär, aber auch sehr sympathisch.“ (Lucas Mayer (18), Brunnthal, Kaufmann)

Ich finde es toll, dass Herr Winhart keinen allzu großen Wert auf Noten legt, sondern eher auf unsere Persönlichkeit schaut.“ (Susanna Plavsic (17), Karlsfeld, KFZ-Mechatronikerin)

Lion Brettmeister

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Echt jetzt? Diskriminierung in Stellenanzeigen nicht immer verboten
Nicht immer verstoßen Stellenanzeigen, in der Mitarbeiter eines bestimmten Geschlechts gesucht werden, gegen die Gleichstellung. Das haben Richter entschieden.
Echt jetzt? Diskriminierung in Stellenanzeigen nicht immer verboten
Fünf Fehler, die Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch ständig machen
Nicht nur Bewerber fallen bei Vorstellungsgesprächen negativ auf. Auch Arbeitgeber leisten sich gerne einen Fauxpas - und das kann unangenehme Folgen haben.
Fünf Fehler, die Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch ständig machen
Drei Firmen, in denen Mitarbeiter regeln, was sonst der Chef macht
Sie wollen in Ihrer Firma mehr mitbestimmen? Dann sehen Sie sich einmal diese Unternehmen an. Hier haben Mitarbeiter in vielen Bereichen das Sagen.
Drei Firmen, in denen Mitarbeiter regeln, was sonst der Chef macht
Berufliches nicht unterm Weihnachtsbaum erledigen
Mit Smartphone und Laptop ist das Büro immer dabei - sogar im Urlaub. Viele Menschen nehmen Arbeit mit in die Freizeit. Psychologen warnen: Das raubt Energie und schadet …
Berufliches nicht unterm Weihnachtsbaum erledigen

Kommentare